Förster Wohlleben soll bei Rettung der "Heiligen Hallen" helfen

Stand: 22.12.2020 16:24 Uhr

Agrarminister Till Backhaus (SPD) hat Deutschlands bekanntester Förster, Peter Wohlleben, eingeladen, bei der Rettung der "Heiligen Hallen" bei Feldberg in der Mecklenburgischen Seenplatte zu helfen.

Wohlleben hat mit seinem Bestseller "Das geheime Leben der Bäume" zahllose Leser für den Schutz der Wälder interessiert. Nun stellte er fest, dass es den bis zu 350 Jahre alten Bäumen im Buchenwald "Heilige Hallen" nicht gut geht. In den vergangenen Wochen hatte er dafür auch den Holzeinschlag der Forstverwaltung kritisiert. Bisher hatte Backhaus die Forstverwaltung von jeder Verantwortung freigesprochen. Nach einer Diskussion mit Wohlleben und weiteren externen Experten räumte der Minister inzwischen ein, dass auch die Arbeit der Forstleute am Zustand der Bäume schuld sein könnte. Die Bäume haben 2018 und 2019 unter der Sommerhitze gelitten.

Wohlleben: Zu viel Sonne im Wald

Das aber sei nicht die einzige Ursache, so Wohlleben. Die "Heiligen Hallen" seien so aufgelichtet, dass die alten Buchen durch die Hitze, die mit der Auflichtung einher gehe, absterben. Die Ursache liege also in den Holzeinschlägen des Forstamtes. Diese finden zwar nicht im seit 1850 total geschützten Kerngebiet des Waldes statt, aber in großem Ausmaß drum herum. Dadurch kann die Sonne durch viele lichte Stellen in den Wald scheinen. Die alten Buchen werden aufgeheizt und trocknen aus, erklärt Wohlleben das Problem. 

Begründung der Forstverwaltung

Weil der Wald verjüngt werden soll, mussten Bäume gefällt werden, sagt das Forstamt. Wohlleben lässt das Argument nicht gelten. Schließlich könne man die Abholzung des Regenwalds am Amazonas auch nicht mit einer Verjüngung des Waldes rechtfertigen. Forstleute würden gern behaupten, sie wollten nur den kleinen Buchen helfen, obwohl es, so Wohlleben, ums Geldverdienen gehe. Mit dem Wald Geld zu verdienen sei nicht die Aufgabe des Staates.

Backhaus zieht die Notbremse

Ob es für das Forstamt Lüttenhagen, das für diesen Wald verantwortlich ist, Konsequenzen geben wird, sei noch offen, sagt Minister Backhaus. Er lasse überprüfen, „ob man dort über die Grenzen hinaus gegangen ist". Bis es ein Ergebnis gibt, hat Backhaus untersagt, auch nur einen einzigen weiteren Baum zu fällen. "Mir liegen die Heiligen Hallen sehr am Herzen, ich nehme die Aufgabe sehr ernst, dieses Kleinod zu beschützen", versprach der Agrarminister. Außerdem soll ein Expertenkreis ein Konzept entwickeln, wie das Umfeld der "Heiligen Hallen" künftig bewirtschaftet werden soll. Dazu hat Backhaus auch Wohlleben eingeladen. Der nahm die Einladung "gerne an".

Seit 1850 geschützter Wald

1850 verfügte Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz, dass das 25 Hektar große Kerngebiet für alle Zeiten unverändert bleiben solle. Seit 1908 steht der Wald auf der Liste der Naturdenkmäler Mecklenburgs. Den Namen "Heilige Hallen" soll der Wald einst bekommen haben, weil die mächtigen Buchenstämme an Säulen in gotischen Kirchen erinnerten und dichtes Laub ein Dach bildete. Insgesamt umfasst das Waldgebiet "Heilige Hallen“ heute 580 Hektar.

Weitere Informationen
Buchenwald, Jasmund © MB Naturfilm Foto: Dr. Dirk Blumenberg/Telse Meyer

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.12.2020 | 19:30 Uhr

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