Fischsterben bereitet Betrieben am Haff Sorge: "Touristen sind verschreckt"

Stand: 16.08.2022 15:01 Uhr

Noch sind kein toten Fische im Stettiner Haff entdeckt worden. Doch wegen des Fischsterbens in der Oder wird an einigen Stellen vor dem Baden gewarnt. Die Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern schaut mit Sorge auf die weiteren Entwicklungen. Betriebe am Stettiner Haff spüren bereits negative Auswirkungen.

"Es ist eben noch eine Situation, in der sehr vieles unklar ist", sagte der Geschäftsführer des Landestourismusverbands am Dienstag, Tobias Woitendorf. Die Betriebe seien mit Fragen von Gästen konfrontiert. Deshalb gehe es darum, dass die Unternehmer schnell Informationen erhielten, sobald diese vorlägen. "Es ist aber nicht so, dass man jetzt eine Welle von Abreisen hat oder eine Welle von Stornierungen", sagte Woitendorf. Doch die Befürchtung, dass sich dies ändern könne, sei schon da. Für den Moment gelte es, vorsichtig zu sein und abzuwarten, wie sich die Lage entwickle.

Oder-Fischsterben "weiterer Schlag ins Kontor?"

Laut Woitendorf sind derzeit viele Touristen im Bundesland. Das Fischsterben könne ein "weiterer Schlag ins Kontor" werden, sagte er mit Blick auf die Corona-Pandemie, steigende Preise und andere Herausforderungen der Tourismusbranche. Gerade Regionen wie Mönkebude, Altwarp und Rieth in der Haff-Region erreichten nur in den Sommermonaten eine sehr hohe Auslastung. "Da geht es natürlich schon um einen ganz wesentlichen Teil des Geschäftes."

 

Kutter-Kapitän aus Altwarp: "Touristen sind verschreckt"

Das sieht auch Kapitän Martin Bocklage so, der mit seinem Kutter "Lütt Matten" Ausflugsfahrten für Touristen auf dem Stettiner Haff anbietet. Die Saison sei wegen des Ukraine-Kriegs und der Inflation schleppend angelaufen. "Jetzt läuft die Saison gerade richtig gut - und nun kommt so eine Hiobsbotschaft, dass hier Baden nicht mehr empfohlen ist und Fische sterben", sagte Bocklage am Dienstag bei NDR MV Live. Davon sei aber noch nichts zu merken - "außer dass die Touristen verschreckt sind oder sich verschrecken lassen." Manche hätten ihren Urlaub vorzeitig abgebrochen. "Das merken wir heute ganz extrem. Das ist der dritte Tag in Folge, wo hier regelmäßig Nachrichtensender vor Ort stehen und Leute befragen. Nun merkt man langsam: Es hat Wirkung."

Fischer am Stettiner Haff: "Habe keine Veränderung des Wassers gesehen"

Eine NDR Reporterin berichtete, dass bei Fremdenverkehrsbetrieben der Region besorgte Anrufe von Urlaubern eingegangen seien, ob Stornierungen im Fall des Falles möglich seien. Es habe auch vorzeitige Abreisen gegeben, aber das eher wegen der Blaualgen. Der Fischer Sebastian Juhlke blickt den kommenden Tagen dagegen vergleichsweise entspannt entgegen. "Ich habe keine Angst davor. Ich habe keine Veränderung des Wassers gesehen. Ich habe auch keine toten Fische gesehen. Ich kann davon nichts feststellen", so Juhlke. Er persönlich glaube auch nicht, dass sich daran etwas ändere. Auch bei früheren Schadstoff-Kontaminationen sei im Stettiner Haff mit seinem im Vergleich zum Fluss enormen Wasservolumen nichts passiert.

Die Oder: Der Fluss in Zahlen und Fakten

  • Länge: 866 Kilometer bis Szczecin (Stettin)
  • Quelle: Bei Kozlov in Tschechien
  • Mündung: Swinemünde am Stettiner Haff sowie um Usedom und Wolin
  • Verlauf: Tschechien, Polen, deutsch-polnisches Grenzgebiet
  • Grenzfluss zwischen Deutschland und Polen: 179 Kilometer (verteilt auf Oder und Westoder)
  • Schiffbare Kilometer: 717 Kilometer
Weitere Informationen: Dossier "Die Oder" auf planet-wissen.de vom Westdeutschen Rundfunk

Im Stettiner Haff sollte nicht gebadet werden

Nach dem massiven Fischsterben in der Oder rät die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern vom Baden im Stettiner Haff ab. Dabei handelt es sich laut Schweriner Gesundheitsministerium um eine Vorsichtsmaßnahme. Gesundheitliche Risiken könnten bislang nicht ausgeschlossen werden. Auch vom Angeln, Fischen und der Wasserentnahme hatten Behörden abgeraten. Konkret von den Badewarnungen betroffen seien bislang sieben Badestellen am Stettiner Haff, in das die Oder nördlich von Stettin mündet, sowie eine am Neuwarper See, einem Nebengewässer des Haffs.

Badewasserqualität wird ständig untersucht

"Zum jetzigen Zeitpunkt können wir gesundheitliche Risiken beim Kontakt mit dem Wasser nicht ausschließen. Deshalb empfiehlt es sich, dass Menschen und Tiere auf das Baden an den ausgewiesenen Stellen verzichten bis weitere Erkenntnisse vorliegen”, so Drese. Die Badewasserqualität werde fortlaufend untersucht. Für die Prüfung auf chemische Verunreinigungen sei dabei das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie zuständig. "Die Situation ist sehr beunruhigend", erklärte Drese.

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Ursache fürs Fischsterben weiter unklar

Die Ursachen des Fischsterbens in der Oder sind weiterhin unklar. Auch Expertinnen und Experten in Brandenburg sowie in Polen suchen nach möglichen Auslösersubstanzen für die Umweltkatastrophe. Bislang stehe lediglich fest, dass das Wasser der Oder eine noch unerklärliche "Anomalie" aufweise, so Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne).

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