Stand: 06.06.2020 13:01 Uhr  - NDR 1 Radio MV

"Rasender Roland": "Ferkeltaxi" statt Jubiläumsfest auf Rügen

Triebwagen wie dieser fahren an diesem Wochenende zwischen Bergen und Lauterbach. (Archivbild)

Das hatten sich die Eisenbahner vom Rasenden Roland auch anders vorgestellt: Die Kleinbahn auf Rügen wird 125 Jahre alt, aber das große Bahnhofsfest in Putbus muss - wegen der coronabedingten Einschränkungen - ausfallen. Stattdessen haben sie - quasi als kleinen Ersatz - an diesem Wochenende sogenannte Ferkeltaxen aufs Gleis gestellt. Vor 50 bis 60 Jahren waren diese kleinen roten und inzwischen seltenen Triebwagen vor allem auf dem Land ein wichtiges Transportmittel, weshalb sich offenbar der Spitzname "Ferkeltaxi" einbürgerte. Sie werden heute und morgen im Liniendienst zwischen Bergen und Lauterbach hin und her pendeln. "Wir haben mit vielen Fahrgästen gesprochen, die sind froh, dass noch etwas Besonderes stattfindet", sagt Thomas Schneider von der Geschäftsführung der Rügenschen Bäderbahn in Putbus.

Nur noch Fahrräder und Reisegepäck

1895 fuhr der erste Zug über die frisch verlegten Gleise von Putbus nach Binz. Die Schmalspurbahn wurde ursprünglich vor allem für den ländlichen Güterverkehr auf der Insel gebaut. Vom einst ausgedehnten Streckennetz ist nur noch die Verbindung von Putbus über Binz, Sellin, Baabe und Göhren übrig. An Gütern werden nur noch Fahrräder und Reisegepäck transportiert. Immerhin im regulären Linienverkehr, denn die Dampfzüge sind offziell öffentlich bestellter Personen-Nahverkehr.

Feier wird nachgeholt

Dreimal stand die Bahn kurz vor dem Aus: einmal im Zweiten Weltkrieg, nachdem der Rügendamm gesprengt worden war, dann Anfang der 1970er-Jahre, als die Reichsbahn die Kleinbahn nicht mehr betreiben wollte, und 2008 nach jahrelanger Misswirtschaft. Die heutigen Betreiber von der sächsischen Pressnitztalbahn wollen die Feier auch deswegen unbedingt nachholen. "Wir planen noch ein zweites Bahnhofsfest im Bahnhof Göhren, das wird dann etwas größer. Am 3. Oktober sollen dann auch Sonderzüge aus Sachsen nach Binz gefahren. Nach Sachsen hat die Schmalspurbahn übrigens eine ganz besondere Verbindung: Ihren Spitznamen "Rasender Roland" verdankt sie angeblich Arbeitern aus dem sächsischen Uranbergbau, die damit in den 1960er-Jahren in ihre Urlaubsdomizile an der Ostsee gefahren sind.

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NDR 1 Radio MV | 06.06.2020 | 13:00 Uhr

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