Die Reha-Klinik in Waldeck © Melanie Wollscheid Foto: Melanie Wollscheid

Fachklinik Waldeck: Frischer Wind mit Beigeschmack

Stand: 09.09.2021 14:20 Uhr

Eine bessere Kommunikation, mehr medizinisches Personal und höhere Gehälter: Die Fachklinik Waldeck in Schwaan (Landkreis Rostock) hat sich hohe neue Ziele gesetzt. In den vergangenen Monaten hatte es viel Unruhe in der Rehaklinik gegeben.

von Melanie Jaster

Mit der Unruhe soll nun Schluss sein: Laut Burkard Jung, der während des laufenden Insolvenzprozesses der Geschäftsführer der Fachklinik Waldeck ist, ist das Haus nach langer Unsicherheit jetzt über den Berg. "Jede Klinik braucht einen fachlich gut aufgestellten Träger - und den haben wir mit Recura jetzt gefunden, daher sind wir glücklich", sagt Jung. Das brandenburgische Unternehmen soll die Klinik im Oktober übernehmen. Dafür bereitet Jung eine geordnete Übergabe vor. Der bisherige Träger war die Allgäuer Firma Futuramed.

Vertrauen im Haus wieder aufbauen

Schon vor der Übergabe an Recura soll sich vieles ändern. Die Schließung der Weaning-Station, eine Kündigungswelle von 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, mehrere Führungswechsel und nicht zuletzt die Corona-Pandemie hatten die Stimmung im Haus über Monate immer weiter gedrückt. Jung will nun das Vertrauen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder aufbauen - mit einer verbesserten Kommunikation und Transparenz. "Wir haben gemerkt, wie schlecht in der Vorzeit kommuniziert worden ist, und dass viele auch wirklich froh waren, dass endlich jemand da ist, der mit ihnen spricht, der ansprechbar ist - und den Prozess verbindlich in die Hand nimmt", so Jung.

Gehaltserhöhungen in allen Bereichen

Zusätzlich haben diesen Sommer intensive Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi stattgefunden - mit dem Ergebnis, dass die Gehälter in allen Bereichen erhöht werden. Beim medizinischen Personal sollen es beispielsweise bis zu 17 Prozent mehr werden, so Jung. In der Vergangenheit lagen die Löhne in Waldeck deutlich unter dem Niveau der umliegenden Kliniken in Rostock oder Güstrow. Diese Differenz soll nun zumindest deutlich kleiner werden.

Mehr medizinisches Personal

Durch die Gehaltserhöhungen erhofft sich die Klinik auch, mehr Personal zu finden und bereits dort arbeitende Fachkräfte zu behalten. Zusätzlich soll bei der Personalsuche auch der neue Träger Recura helfen. "Die Klinik bekommt aus dem gesamten Tätigkeitsumfeld von Recura jetzt einen besseren Zugang zu Personal", so Jung. Denn im Vergleich zum aktuellen Träger Futuramed hat die Firma Recura laut Jung deutlich mehr Erfahrung mit dem Management von Fachkliniken. Mit der Übernahme im Oktober soll dann auch zeitgleich noch der Sanierungsprozess abschließen.

Andererseits: Entlassungen bei nicht-medizinischem Personal

Wie vor rund einer Woche bekannt wurde, will die Klinik im Zuge des Sanierungsprozesses allerdings 26 Arbeitskräfte aus den Bereichen Service, Küche und Reinigung entlassen. "In der Vergangenheit sind Anpassungen vom Personalschlüssel an moderne Strukturen nicht erfolgt", erklärt Jung. Die Kündigungen seien eine Voraussetzung gewesen, um mit neuen Investoren überhaupt erst in weitere Gespräche zu kommen.

Empörung seitens Verdi

Kritik dafür kommt von der Gewerkschaft Verdi. "Wir wussten, dass es zu Anpassungen im Personalbereich kommt - aber mit der Menge haben wir nicht gerechnet", so Christian Wölm, Gewerkschaftssekretär bei Verdi. Er hat außerdem die Gehaltsverhandlungen geführt und begleitet - und kurz nach deren Ende kam die Entlassungswelle. "Wenn man ein Drittel derjenigen, für die gerade erst neue Tarife verhandelt worden sind, plötzlich entlässt - dann fühle ich mich veräppelt", sagt Wölm. "Gerade vor Hintergrund der Verhandlungen war das mehr als ärgerlich."

Optimistischer Blick nach vorne

Nichtsdestotrotz zieht auch Wölm insgesamt optimistisch darauf, wie sich die Dinge in der Fachklinik jetzt entwickeln: „Man kann schon sagen, dass es insgesamt ein gutes Ende genommen hat. Wenn diese Entlassungen nicht gewesen wären, die haben die Suppe ordentlich versalzen." Dennoch sei im Haus eine große Erleichterung zu spüren, sagt Wölm. Viele der verbleibenden rund 220 Mitarbeitenden sind schon seit Jahrzehnten dort - die Fachklinik selbst ist schon 110 Jahre alt - und nach und nach scheint sich das interne Chaos endlich zu sortieren.

Viel Unruhe in den vergangenen Monaten

Im Frühjahr war bekannt geworden, dass die Fachklinik Waldeck in Schwaan eine sogenannte Schutzschirm-Sanierung beantragt hat. Dabei handelt es sich um eine besondere Art des Insolvenzverfahrens, die sicherstellen sollte, dass der Klinikalltag trotz der finanziellen Probleme weitergeht. Das war nötig geworden, weil die Corona-Pandemie die ohnehin vorhandenen finanziellen Probleme des Hauses noch einmal verstärkt hatte. Zuvor hatten rund 60 der bis dato rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wegen interner Unstimmigkeiten gekündigt. Dreh- und Angelpunkt der Probleme war immer wieder der Personalmangel in der Klinik.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 09.09.2021 | 14:00 Uhr

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