Stand: 25.06.2019 15:00 Uhr

Eurofighter: Transparente Aufklärung ist notwendig

Die Kollision zweier Eurofighter über der Mecklenburgischen Seenplatte am Montag, bei der ein Pilot starb, hat eine Debatte über Luftkampfübungen über Urlaubsgebieten entfacht. Unter anderem fordert die Linksfraktion im Landtag in Schwerin ein Ende der Luftkampfmanöver. Norbert Möller, Bürgermeister von Waren an der Müritz, äußerte sich ähnlich. Die Flüge würden Lärm verursachen und die Umwelt schädigen. Das sei im Urlaubsgebiet dem Tourismus abträglich.

Ein Kommentar von Andreas Flocken, NDR Info

Bild vergrößern
Zu wenig Flugstunden und nicht einsatzbereite Eurofighter: Darin liegen die Probleme der Luftwaffe aus Sicht von Andreas Flocken.

Der Absturz der beiden Kampfflugzeuge beschäftigt nicht nur die Bundeswehr, sondern zu Recht auch die Menschen in der betroffenen Region. Trümmerteile gingen in der Nähe eines Ortes nieder. "Was hätte da alles passieren können", ist zu hören. In der Tat, es hätte alles noch viel schlimmer kommen können.

Forderung nach Ende der Übungsflüge zu einfach

Trotzdem ist es zu einfach, wenn jetzt - als erste Reaktion - von dem einen oder anderen Politiker ein Verzicht auf militärische Übungsflüge gefordert wird. Das gilt auch für den Hinweis, solche Flüge sollten nur noch über der Nord- oder Ostsee erfolgen. Denn ein Teil der Übungen findet bereits über dem Meer statt. Für eine realistische Ausbildung muss aber auch über Land geübt werden.

Überblick in Bildern: Eurofighter-Absturz in MV

Bundeswehr muss Ängsten entgegenwirken

Die genaue Unglücksursache muss jetzt schnell und vor allem transparent geklärt werden. Nur so kann die Bundeswehr berechtigten Sorgen und Ängsten der Menschen in der Region entgegenwirken.

Es wäre falsch, bereits jetzt irgendwelche Schlussfolgerungen aus dem Unglück zu ziehen. Dazu muss der Untersuchungsbericht abgewartet werden.

Schon länger läuft nicht alles rund

Richtig ist aber auch, dass bei der Luftwaffe schon lange nicht alles rund läuft. Gerade die jetzt verunglückten Eurofighter machten immer wieder Negativschlagzeilen. Von den mehr als 120 Maschinen waren bis vor Kurzem aus den verschiedensten Gründen oftmals nur wenige Flugzeuge einsatzbereit.

Da verwundert es nicht, wenn Piloten klagen, sie würden viel zu wenig fliegen. Einige haben aus diesem Grund die Konsequenzen gezogen und die Streitkräfte verlassen - auch hochqualifizierte Fluglehrer. Ja, es war sogar von einer Kündigungswelle die Rede. Der Frust bei den Betroffenen muss also ziemlich groß gewesen sein. Schließlich war für viele Fliegen ein Traumberuf. Und die Ausbildung zum Jet-Piloten dauert rund vier Jahre.

180 Flugstunden pro Jahr schaffen nur wenige

Aber die Realität in der Luftwaffe sieht oft anders aus. Anspruch und Wirklichkeit klaffen manchmal auseinander. Normalerweise sollen Jet-Piloten jährlich rund 180 Flugstunden absolvieren. Nur dann gelten sie als "Combat-Ready", wie es im NATO-Jargon heißt. Doch diese Flugstunden schaffen bei der Luftwaffe nur wenige Flugzeugführer. Und dabei werden dann noch die Stunden im Simulator angerechnet. Das hat natürlich auch mit dem Geld zu tun. Denn eine Eurofighter-Flugzeugstunde kostet knapp 100.000 Euro.

Fliegen ist also sehr teuer. Ein Spagat für die Luftwaffenführung: Denn Piloten sind nur dann gute und erfahrene Piloten, wenn sie oft fliegen. Glaubt man Betroffenen, dann ist das allerdings keine Selbstverständlichkeit.

Statt offenzulegen wird kaschiert und schöngeredet

Die Bundeswehr sollte diese und andere Probleme offenlegen und thematisieren. Leider neigen die Streitkräfte immer noch dazu, offensichtliche Schwierigkeiten zu kaschieren und schön zu reden.

Mit einer transparenten Aufklärung der Eurofighter-Kollision kann die Luftwaffe zeigen, dass sie die Sorgen der Bevölkerung ernst nimmt. Das ist auch im Interesse der Bundeswehr. Denn dann kann sie auf Verständnis hoffen.

Weitere Informationen

Das Luftwaffengeschwader 73 "Steinhoff"

In Laage bei Rostock werden die deutschen Eurofighter-Piloten ausgebildet. Das "Steinhoff"-Geschwader ist auch für die Luftraumüberwachung zuständig. mehr

Der Eurofighter - vom Prestige- zum Problemjet

Der Eurofighter steht wegen hoher Anschaffungskosten und technischer Mängel in der Kritik. Bisher wurden mehr als 500 Kampfjets an sieben Länder ausgeliefert. mehr

NDR Info

Die NDR Info Kommentare

NDR Info

Redakteure und Korrespondenten äußern auf NDR Info regelmäßig ihre Meinung zu aktuellen Themen und Sachverhalten. Stimmen Sie zu? Sind Sie anderer Meinung? Schreiben Sie uns! mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 25.06.2019 | 17:08 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

02:35
Nordmagazin