Stand: 28.02.2020 14:04 Uhr

Entlastungsbetrag: Viele Pflegebedürftige rufen Geld nicht ab

Seniorin wird von Angehörigem gefüttert. © picture alliance / dpa Themendienst Foto: Mascha Brichta
Wer mit einem pflegebedürftigen Nachbarn spazieren geht, ihn zum Einkaufen oder Arzt begleitet, ihm vorliest oder auch den Rasen mäht, kann dafür Geld bekommen. (Archivbild)

Vier von zehn Pflegebedürftigen in Mecklenburg-Vorpommern rufen Gelder nicht ab, die ihnen zustehen. Nach Berechnungen der Techniker Krankenkasse haben im vergangenen Jahr nur 59 Prozent aller Berechtigten den sogenannten Entlastungsbetrag in Anspruch genommen. Jedem Pflegebedürftigen, der zu Hause lebt, stehen monatlich 125 Euro zur Verfügung, die zum Beispiel für eine Haushaltshilfe verwendet werden können. Um die Kosten erstattet zu bekommen, müssen Betroffene bei der Pflegekasse die Belege einreichen.

Entlastungsbetrag auch für Nachbarschaftshilfe

Seit Herbst vergangenen Jahres kann das Geld auch für Nachbarschaftshilfe genutzt werden. Wer beispielsweise mit einem pflegebedürftigen Nachbarn spazieren geht, ihn zum Einkaufen oder Arzt begleitet, ihm vorliest oder auch den Rasen mäht, kann dafür Geld bekommen. Bis zu acht Euro pro Stunde und maximal 25 Stunden im Monat können steuerfrei abgerechnet werden.

Drese: Interesse ist groß

Ein Nachbarschaftshelfer darf bis zu zwei Pflegebedürftige unterstützen. Interessierte müssen einen achtstündigen Grundkurs absolvieren und sich als Nachbarschaftshelfer bei den Pflegekassen registrieren lassen. Das Interesse an der Nachbarschaftshilfe ist laut Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) groß. Die angebotenen Kurse seien ausgebucht. "So wurden nach Angaben der AOK Nordost von Oktober bis Februar 23 Schulungen in ganz Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt. 384 Personen erhielten bereits ein Zertifikat", so die Ministerin. In den nächsten Monaten seien weitere 32 Schulungen mit jeweils 20 Teilnehmern geplant.

Worauf pflegende Angehörige Anspruch haben:

  • Pflegeunterstützungsgeld
Bei einem akut auftretenden Pflegefall dürfen Angehörige bis zu zehn Arbeitstage zu Hause bleiben, um selbst zu pflegen oder eine bedarfsgerechte Pflege zu organisieren. Sie haben in dieser Zeit Anspruch auf das "Pflegeunterstützungsgeld". Eine Lohnersatzleistung, gezahlt von den Pflegekassen. Diesen Anspruch hat jeder Arbeitnehmer, unabhängig von der Größe seines Unternehmens.

  • Pflegezeit
Falls ein Angehöriger längerfristig pflegebedürftig ist und die häusliche Pflege länger andauert, können Beschäftigte für sechs Monate ganz oder teilweise aus dem Job aussteigen. Die "Pflegezeit" können Sie in Anspruch nehmen, wenn Ihr Angehöriger erstens mindestens Pflegegrad 1 hat und die Pflege zweitens zu Hause stattfindet. Arbeitnehmer, die in Unternehmen mit weniger als 15 Beschäftigten arbeiten, haben keinen Rechtsanspruch auf Pflegezeit. In der letzten Lebensphase eines Menschen dürfen Sie eine dreimonatige teilweise oder vollständige Auszeit vom Job nehmen, um einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen beim Sterben zu begleiten. Auch wenn er in einem Hospiz lebt.

  • Familienpflegezeit
Wenn sechs Monate nicht reichen, gibt es die Familienpflegezeit. Sie können sich für 24 Monate, also zwei Jahre, teilweise von der Arbeit freistellen lassen, wenn Sie einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung pflegen, dieser mindestens Pflegegrad 1 hat und Sie noch mindestens 15 Stunden pro Woche arbeiten. Für Beschäftigte in Unternehmen mit weniger als 25 Mitarbeitern besteht kein Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit.

  • Allgemein
Sowohl in der Pflegezeit als auch in der Familienpflegezeit können ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragt werden, um den Einkommensverlust auszugleichen.
Und sobald Sie Ihrem Arbeitgeber eine Freistellung melden, können Sie nicht mehr gekündigt werden.

Damit Sie sozial abgesichert sind und später bei der Rente keine Einbußen haben, zahlt die Pflegeversicherung des Pflegebedürftigen für Sie in die Rentenversicherung ein. Außerdem sind Pflegende während der Pflege und bei Tätigkeiten, die damit zusammenhängen, gesetzlich unfallversichert. Hinzu kommen viele Entlastungsmöglichkeiten, wie Kurzzeitpflege, Tages- oder Nachtpflege oder der Entlastungsbeitrag von 125 Euro, den die Pflegekassen gewähren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.02.2020 | 13:00 Uhr

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