Ein Wohnhaus steht in einem Neubaugebiet. © picture alliance/dpa | Daniel Bockwoldt Foto: Daniel Bockwoldt

Einfamilienhaus in Städten MVs ein Auslaufmodell?

Stand: 09.02.2021 05:45 Uhr

Den Traum vom eigenen Haus erfüllen sich im Jahr etwa 2.000 Familien in Mecklenburg-Vorpommern. In Städten mit knappem Wohnraum sehen Wohnungsunternehmen das Einfamilienhaus allerdings kritisch.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Ist das Einfamilienhaus ein Auslaufmodell? Der Bezirk Hamburg-Nord beantwortet diese Frage mit einem eindeutigen Ja. Diese Wohnform versiegele zu viel Fläche für zu wenig Wohnraum. Außerdem seien die Häuser ökologisch bedenklich: Die Energiebilanz dieser Wohnform sei eindeutig schlechter als die von Mehrfamilienhäusern. Deshalb soll es künftig keine Baugenehmigungen mehr für Eigenheime geben. Der Verband der norddeutschen Wohnungsunternehmen (VNW) findet das richtig. VNW-Direktor Andreas Breitner erklärte: "In verdichteten Räumen mit hoher Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum sind neue Einfamilienhäuser kein Teil der Lösung, sondern Teil des Problems." Auch in Rostock und Greifswald sollte auf sie verzichtet werden.

SPD: Häusle-Bauer weichen ins Umland aus

In der Landespolitik stößt der Vorschlag auf wenig Beifall. Die SPD-Fraktion meinte auf Anfrage, Wohnen müsse vor allem für alle bezahlbar sein. Es komme auf eine gute soziale Durchmischung an. Ein generelles Verbot von Einfamilienhäusern sei zu kurz gedacht. Die Menschen würden ins Umland ziehen und deutlich mehr pendeln. Das bringe nur mehr Verkehr mit sich. "Es geht eben nicht um die zwanghafte Maximierung von Wohnraum auf minimaler Fläche, auch wenn dieses Ziel aus Sicht der Wohnungswirtschaft durchaus nachvollziehbar ist", so der Wohnungsbauexperte Rainer Albrecht.

Linke: Eigenheim keine Lösung für Studenten

Der Koalitionspartner CDU lehnt ein Eigenheim-Verbot noch deutlicher ab. Bauland sei in Mecklenburg-Vorpommern anders als in Hamburg nicht knapp. Das Land freue sich über jeden, der hier eine Familie gründen und ein Haus bauen wolle, so der CDU-Abgeordnete Franz-Robert Liskow. Die baupolitische Sprecherin Christiane Berg erklärte, "die einzigen, denen ein Eigenheimverbot etwas nützt, sind die Eigenheim-Eigentümer." Denn der Wert ihrer Immobilien werde eher steigen als fallen. Ähnlich sieht es die AfD. Engagement und Initiativen von Bauherren, so ihr Abgeordneter Bert Obereiner, sollte nichts entgegengestellt werden. Die Linksfraktion will das so pauschal nicht sagen. In einigen Orten hätten es Familien, Alleinerziehende oder junge Menschen schwer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Einfamilienhäuser würde da nicht helfen. Kommunen mit einem angespannten Wohnungsmarkt sollten selbst entscheiden, welchen Wohnraum sie wollen, so Kröger. Vom SPD-geführten Bauministerium Mecklenburg-Vorpommerns war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Weitere Informationen
Euro-Scheine © dpa Foto: Michael Rosenfeld

Wohnungsunternehmen: Landeshilfe lässt auf sich warten

Eigentlich sollen die kommunalen Wohnungsunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern vom Land 25 Millionen Euro für Schulden aus dem DDR-Wohnungsbau bekommen. Doch bisher ist noch kein Geld geflossen. mehr

Lütten Klein von oben (2020) © ndr.de Foto: ndr.de

Phänomen "Platte": Von der Boom-Town zum Problemviertel?

Das Rostocker Plattenbau-Viertel Lütten Klein wird in der DDR zum riesigen Modell-Projekt. Damals purer Luxus - und heute? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 09.02.2021 | 06:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Eine Gruppe Männer macht mit einem Bollerwagen eine Vatertagstour. © picture alliance/dpa Foto: Peter Steffen

Zweiter Herrentag mit Corona-Regeln

Ausflüge sind in Mecklenburg-Vorpommern nur im begrenzten Kreis möglich. mehr