Dominik Wystrup von der Initiative "Down und mee(h)r" mit Frau und Tochter auf einer Wiese. © Down und meehr

Der Vater, der Eltern von Kindern mit Downsyndrom zusammenbringt

Stand: 28.11.2020 00:01 Uhr

In unserer Reihe "Nicht meckern, machen" stellt NDR Info Ihnen in dieser Woche Menschen oder Initiativen im Norden vor, die sich auf besondere Weise engagieren. Die Vorschläge dazu kamen im Oktober von Ihnen, unseren Hörern. Dominik Wystup hat in Zinnowitz das Projekt "Down & Mee(h)r" ins Leben gerufen.

von Martje Rust

Angrenzend an den Küstenwald am Ortsrand von Zinnowitz liegt die Begegnungsstätte St. Otto. Am vergangenen Wochenende war hier wieder ein Treffen der Initiative "Down & Mee(h)r" geplant. Aber Corona hat auch hier allen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Daher sitzt Initiator Dominik Wystup allein im Empfangsraum. Er hat das Projekt vor zwei Jahren ins Leben gerufen. Es richtet sich an Familien, die ein Kind mit Downsyndrom haben.

Wystrup hat selbst eine achtjährige Tochter mit Downsyndrom. "Ich bin jetzt keiner, der sich deshalb einigelt, im Gegenteil", sagt Wystrup. "Aber wir hatten von Anfang an hier auf der Insel Usedom das Gefühl: 'Mensch, wir sind ganz schön alleine.'" Wenn er mit seinem Kind in eine Praxis oder in die Therapie fahre, dann treffe er eigentlich nie auf jemanden, der dieselben Fragen oder Herausforderungen hat.

Gemeinsam backen, musizieren und sich austauschen

Das erste Mal anders war es 2016 während einer Kur an der Nordsee. "Das war eine tolle Erfahrung", erinnert sich Wystrup. "Einfach mal mein Kind sein zu lassen, wie es ist. Und jeder versteht es."

Dieses Gefühl wollte er teilen. Und begann, Wochenendtreffen mit anderen Familien zu organisieren. Die Idee kam gut an: Inzwischen kommen regelmäßig bis zu 50 Teilnehmer. Zusammen machen sie Ausflüge, musizieren, backen und essen zusammen. Natürlich dürfen auch Strandbesuche und abendliche Lagerfeuer nicht fehlen. Und immer wieder der ganz ungezwungene Austausch miteinander.

Eltern kennen oft niemand anderen mit Downsyndrom

Schon mehrfach mit dabei waren André Gresse, seine Lebensgefährtin und ihr fünfjähriger Sohn Lenny. Sie wohnen in Göhren auf Rügen und auch sie hatten bisher das Problem, dass sie niemanden kennen, der ein Kind mit Trisomie 21 hat. "Deswegen war das für uns auch so interessant, dass man da Gemeinsamkeiten mit anderen Leuten findet", sagt Gresse. "Man hatte auch tolle Gespräche mit den Eltern über Gott und die Welt und die Kinder haben ganz toll miteinander gespielt und interagiert. Das war toll anzusehen."

Auch für Kinderarzt Arne Pfau aus Greifswald ist "Down & Mee(h)r" ein Leuchtturmprojekt, dass er von Anfang an unterstützt hat: "Es gibt Hilfen, aber das Projekt ist noch mal eine ganz andere Ebene. Da kommen Sachen zur Sprache, die jetzt bei mir zum Beispiel in der Sprechstunde sicherlich nicht zur Sprache kommen."

Menschen mit "Normal-Syndrom" unterstützen das Projekt

Dominik Wystrup von der Initiative "Down und mee(h)r". © Down und meehr
Dominik Wystrup freut sich über den Zuspruch für sein Projekt, der über die Kreise von Betroffenen hinweg reicht.

Auch regional hat das Projekt schon Anklang gefunden: Mitarbeiter einer Zinnowitzer Kita helfen ehrenamtlich bei den Treffen und auch gespendet wurde schon, zuletzt 2.100 Euro von einem Bikerclub aus Anklam. Für Initiator Dominik Wystup eine schöne Motivation: "Ich war so überrascht und völlig überwältigt, weil ich nicht dachte, dass das solche Auswirkungen hat."

Ihn freut es, dass auch alle Menschen mit 'Normal-Syndrom', wie Wystrup es nennt, es als schön empfinden, dass es solch eine Initiative gibt. Und so blickt er hoffnungsvoll ins kommende Jahr: Im Mai soll es das erste von insgesamt drei geplanten Treffen geben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 28.11.2020 | 07:48 Uhr

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