Stand: 12.09.2018 14:30 Uhr

Forscher wollen Rätsel uralten Dachsbaus lüften

In einem Wald bei Malchin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) verbirgt sich eine biologische Sensation: ein Dachsbau, der vermutlich seit rund 10.000 Jahren durchgängig bewohnt ist. Jahrelang wurde diese Stelle im Naturpark Mecklenburgische Schweiz geheim gehalten. Nun haben Wissenschaftler die Höhle geöffnet - nach zwei Jahre dauernden Vorarbeiten. Sie wollen Knochen und Sedimentschichten genau unter die Lupe nehmen - und erhoffen sich Einblicke, wie sich die Tier- und Pflanzenwelt seit der letzten Eiszeit verändert haben.

Grabungstechniker Marten Schönle kniet vor dem Eingang eines fossilen Dachsbaus.

Forscher untersuchen späteiszeitlichen Dachsbau

Nordmagazin -

In einem Wald bei Malchin verbirgt sich eine biologische Sensation: ein Dachsbau, der vermutlich seit etwa 10.000 Jahren bewohnt ist. Nun haben Wissenschaftler die Höhle geöffnet.

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1968 entdeckt - und nun wieder geöffnet

Das Höhlensystem war 1968 entdeckt und große Teile davon in den 1970er-Jahren untersucht worden. Die seinerzeit rund 300.000 dokumentierten Knochenfunde von Kleinstsäugern wie Mäusen, Reptilien und Amphibien machen das in einen sandigen Hügel gegrabene Bau-Netzwerk zu einer reichhaltigen Fundstätte. Die Dachse hatten sie als Beute in ihren Bau geschleppt. "Was wir hier haben, ist einzigartig für Norddeutschland und Mitteleuropa", sagt der Evolutionsforscher Johannes Müller vom Berliner Museum für Naturkunde: "eine sehr detaillierte Dokumentation der Umwelt- und Artenvielfalt der vergangenen 10.000 Jahre."

Wie schnell können sich Ökosysteme verändern?

Nun wollen die Forscher mit modernen Methoden neue Aufschlüsse über die genauen zeitlichen Abfolgen gewinnen, was wann in dem Höhlensystem vor sich ging. Mittels DNA-Untersuchungen sei mittlerweile zudem eine bessere Artenbestimmung möglich. "Wir erhoffen uns Hinweise, wie schnell sich Ökosysteme und Tierwelt ändern können", sagt Müller. Den Grabungstechnikern mit ihren Sieben entgeht keiner der winzigen Knochensplitter im Sand, obwohl sie normalerweise Säbelzahntiger und große Saurier freilegen. Beim genauen Datieren des Dachsbaus helfen Geologen, die im Sand befindliche Quarzkörner untersuchen.

Biologische Sensation: Wissenschaftler öffnen uralten Dachsbau

Zwischen Überresten von Äskulapnattern und Lemmingknochen

Auch Aussagen über die klimatischen Bedingungen im Verlauf der Zeit können die Wissenschaftler treffen. So seien etwa Knochen von Lemmingen entdeckt worden. Heutzutage leben die Säuger fast ausschließlich in arktischen Regionen. In Deutschland habe sich das Eis vor rund 20.000 Jahren zurückgezogen. Dann seien in den Hügel bei Malchin die Dachse zurückgekehrt. Auch Überreste von Äskulapnattern, die mittlerweile überwiegend im mediterranen Raum und in Deutschland nur noch vereinzelt im Südwesten vorkommen, wurden in dem Sandhügel gefunden. Sie könnten aus einer "Warmzeit" vor rund 5.000 Jahren stammen, als in hiesigen Gefilden Wein angebaut wurde und sich Äskulapnattern über den Boden schlängelten.

Am kommenden Sonnabend bietet der Naturpark Mecklenburgische Schweiz auf dem Grabungsgelände von 10 bis 14 Uhr Führungen an.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.09.2017 | 19:30 Uhr

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