Der Bioinformatiker Lars Kaderali © dpa-Zentralbild/dpa Foto: Jens Büttner

Corona in MV: Kaderali für Ausweitung von Abwasseranalyse

Stand: 18.07.2022 10:44 Uhr

Um die Dunkelziffer der Corona-Infektionen besser einschätzen zu können, setzen Wissenschaftler unter anderem auf Abwasser-Proben. Diese Methode wäre auch in Mecklenburg-Vorpommern hilfreich, sagt der Greifswalder Bioinformatiker Lars Kaderali.

Er fordert eine Ausweitung der Abwasseruntersuchungen auf Corona im Land. "Ich würde es sinnvoll finden, weil es mit relativ wenig Aufwand zu betreiben ist", erklärt Kaderali gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Entsprechende Untersuchungen ließen Rückschlüsse vor allem zum Verlauf des Infektionsgeschehens zu. Auch die deutschen Amtsärzte hatten sich kürzlich für eine Ausweitung ausgesprochen.

Bislang nur Untersuchungen in Rostock

In MV wird bisher nur in Rostock Abwasser auf Corona untersucht. Grundlage sind Stuhl-Ausscheidungen, in denen sich das Virus nachweisen lässt. Darüber lässt sich wiederum die Verbreitung in einer Region nachvollziehen. Laut Experten wie Kaderali sind Zahlen zum Infektionsgeschehen, die auf PCR-Tests basieren, derzeit kaum belastbar, da sich bei weitem nicht alle Infizierten testen lassen. Damit böten diese keine solide Basis, um das Infektionsgeschehen zu bewerten und über notwendige Maßnahmen zu entscheiden.

Infektionszahlen vier Mal so hoch wie offiziell registriert

Kaderali geht für Deutschland davon aus, dass es bis zu vier Mal so viele Corona-Infektionen gibt wie offiziell registriert. Das könne man grob abschätzen, wenn man Abwasserdaten und registrierte Infektionen der jetzigen Welle mit Daten aus vorhergehenden Wellen ins Verhältnis setze. Speziell für den Nordosten stünden entsprechende Abwasserdaten aber noch nicht zur Verfügung.

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Aus Rostock wurden nach Angaben der Nordwasser GmbH seit Mitte März rund 35 Proben zur Analyse an ein externes Labor versendet. Eine belastbare Auswertung mit Blick auf das Pandemie-Geschehen sei damit derzeit noch nicht möglich. Die Daten würden zur Entwicklung eines Modells genutzt, das deutschlandweit als Frühwarnsystem genutzt werden soll. Dabei spielten auch Einflussfaktoren wie etwa die Regenmenge eine Rolle. 20 Kläranlagenbetreiber nähmen an dem Projekt teil. Ein Vorteil von Abwasseruntersuchungen ist laut Kaderali, dass das Infektionsgeschehen hier noch schneller ersichtlich wird als etwa in den vom Robert Koch-Institut (RKI) gemeldeten Daten. Grund sei der Meldeverzug der Gesundheitsämter.

Gesundheitsministerium: Gutes, zusätzliches Instrument

Dem Gesundheitsministerium in MV zufolge könnte die Abwasseranalyse künftig ein gutes, zusätzliches Instrument zur Pandemiebeurteilung sein. Deutschland befinde sich aber noch in der Testphase. Beim Städte- und Gemeindetag in MV will man nach eigener Aussage die Ergebnisse der Modellversuche abwarten. Wenn es gut funktioniere, könne man den Ansatz auch für andere Erreger jenseits des Coronavirus einsetzen.

Der NDR stellt wöchentlich dar, wie sich das Tempo von Erst- Zweit- und Booster-Impfungen in den norddeutschen Bundesländern entwickelt.

 

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