Die Rolläden sind vor einem Geschäft in der Braunschweiger Innenstadt heruntergelassen. © dpa-Bildfunk Foto: Swen Pförtner

Breite Kritik an Protestaktion "Wir machen auf" in MV

Stand: 06.01.2021 06:47 Uhr

Im Rahmen der Protestaktion "Wir machen auf" wird dazu aufgerufen, Hotels und Geschäfte auch in Mecklenburg-Vorpommern am 11. Januar zu öffen - trotz Verbots und verschärften Lockdowns. Die geplante Aktion stößt auf scharfe Kritik.

Die Initiatoren der in Deutschland, Österreich und der Schweiz geplanten Aktion rufen dazu auf, vom kommenden Montag an Läden und Hotels trotz Lockdowns wieder zu öffnen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern hatte sich Anfang der Woche eine kleine regionale Gruppe von "Wir machen auf" gegründet. Der Chef des Hotel- und Gasttstättenverbands Dehoga in MV, Lars Schwarz, kritisierte gegenüber NDR 1 Radio MV und dem Nordmagazin den Aufruf und distanzierte sich davon. Er habe zwar Verständnis für den Unmut der betroffenen Gastronomen und Touristiker, sehe deren Verzweiflung und könne nachvollziehen, warum die Akzeptanz für die anhaltenden Bestimmungen immer weiter schwinde. Aber Gruppen, in denen Personen zumeist anonym auftreten, würden nur "Stimmung machen" und "niemanden weiterbringen".

Neubrandenburg will gegen Ladenöffner vorgehen

Auch der Landkreissprecher von Vorpommern-Greifswald, Achim Froitzheim, und der Geschäftsführer des Greifswalder Stadtmarketings, Maik Wittenbecher, verurteilen die Protestaktion. "Wir halten überhaupt nichts von solchen Protestaktionen. Man kann sich nur davon distanzieren", sagte Wittenbecher dem Nordmagazin. Das City-Management in Neubrandenburg kündigte Strafen an, wenn Läden dort am kommenden Montag öffnen sollten. Nach Angaben von Ordnungsämtern und Anwälten stelle die Öffnung entgegen der Landesverordnung eine Ordnungswidrigkeit dar und ziehe ein Bußgeld nach sich. Dies könne zwischen 500 und 25.000 Euro betragen.

Anhänger organisieren sich über Messengerdienst Telegram

Die Protestbewegung hat sich überwiegend über soziale Medien organisiert - vor allem anonym über den Messengerdienst Telegram, der bei Anti-Corona-Bewegung populär ist. Der Messengerdienst sei ein "Hafen der Verbannten", der vornehmlich von Personen genutzt werde, die bei Facebook und Twitter gesperrt worden sind, so der Greifswalder Kommunikationswissenschaftler Jakob Jünger. Bis zuletzt war in der Telegram-Gruppe für Mecklenburg-Vorpommern noch nichts über konkrete Vorhaben veröffentlicht worden. Die Gruppe ist mit 16 Mitgliedern noch vergleichsweise klein. In anderen Gruppen, beispielsweise in Bremen, Halle und Jena, gibt es bereits mehr als 1.000 Mitglieder, in der deutschlandweiten Gruppe schon mehr als 50.000. Die Initiatoren der Aktion sehen den Lockdown als unrechtmäßig an.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 06.01.2021 | 06:00 Uhr

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