Stand: 22.10.2019 18:10 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Bauernprotest mit 600 Traktoren in Rostock

Landwirte haben am Dienstag auch in Mecklenburg-Vorpommern aus Protest gegen das Agrarpaket der Bundesregierung mobil gemacht. Aus allen Landesteilen haben sie sich am Morgen mit ihren Traktoren zu einer Sternfahrt nach Rostock aufgemacht. Mit insgesamt 600 landwirtschaftlichen Fahrzeugen kamen sie im Rostocker Stadthafen zu einer Kundgebung zusammen und sorgten in und um Rostock für Verkehrsbehinderungen.

Bundesweiter Aktionstag von "Land schafft Verbindung"

Die hohe Teilnehmerzahl in Rostock macht deutlich, wie sehr die Bauern das Anfang September von Agrarministerin Klöckner und Umweltministerin Schulze verabschiedete Maßnahmenpaket für mehr Umweltschutz und mehr Tierwohl beschäftigt. "Wir Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern empfinden sowohl das Agrarpaket als auch das Vorgehen der Minister als einen Schlag ins Gesicht", sagte Kathrin Naumann, Sprecherin der Bewegung im Nordosten. Es sei praxisfern und finanziell nicht umsetzbar, so der Vorwurf. Fast 20 Landwirte beschrieben ihre persönliche Situation auf der Bühne im Stadthafen. Der Protest war Teil eines bundesweiten Aktionstags, zu dem das Netzwerk "Land schafft Verbindung" aufgerufen hatte.

Landwirte und Verbraucher im Dialog

Eingefunden hatten sich auch zahlreiche Verbraucher, die in den Protest einbezogen wurden. "Wir machen euch satt, ihr macht uns platt - was ist Euer Problem?", so die Frage, die Ullrich Söhnholz, Schweinehalter aus Panzow bei Neubukow, Kritikern stellte. Er produziert nach eigener Aussage nach strengen Tierschutzkriterien, sieht sich dennoch Vorwürfen von Verbrauchern ausgesetzt - in seinen Augen ungerechtfertigt und an den Tatsachen vorbei. So gehe es vielen seiner Kollegen, erklärt Söhnholz. An zahlreichen Diskussionstischen bemühten sich die Landwirte, Verbraucher über ihre Arbeit aufzuklären.

Weitere Informationen
NDR Info

Trecker-Demos: Landwirte blockieren Innenstädte

21.10.2019 18:00 Uhr
NDR Info

Tausende Landwirte haben am Dienstag mit Trecker-Demos in norddeutschen Innenstädten für massive Verkehrsbehinderungen gesorgt. Die Bauern protestierten gegen das Agrarpaket des Bundes. mehr

Kritik: Agrarpaket beschleunigt Strukturwandel in der Landwirtschaft

Nach den Vorgaben der Bundesregierung wären Berechnungen zufolge mehr als 45 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Nordosten vom Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten betroffen. Die Landwirte befürchten, dass die Umsetzung des Agrarpakets den negativen Strukturwandel in der Landwirtschaft weiter beschleunigen werde. Zudem werde die immer wieder gesellschaftlich geforderte regionale Lebensmittelproduktion geschwächt. Die Folge wäre, dass der Import von Lebensmitteln steigen wird, ohne Rücksicht darauf, unter welchen ökologischen und sozialen Standards sie im Herkunftsland erzeugt wurden.

Vorschaubild für den Podcast "Hintergründe" auf NDR 1 Radio MV © ndr.de Foto: ndr.de

Das Agrarpaket des Bundes - Reaktionen aus MV

NDR 1 Radio MV - Forum aktuell -

Wie die Landespolitiker die Vorgaben aus Berlin sehen, was Naturschutzverbände kritisieren und wie Wissenschaftler die Situation bewerten - Sie hören es hier.

5 bei 5 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Umweltschützer für schärfere Vorgaben: "Freiwillig bringt nichts"

Der Präsident des Landesbauernverbands, Detlef Kurreck, forderte Korrekturen am Reformpapier des Bundes. Der Umweltschutzverband BUND hingegen befürwortete schärfere Naturschutzvorgaben für die Landwirtschaft. Der Protest der Landwirte dürfe nicht zu einer Verweigerungshaltung führen, so der BUND-Agrarexperte Burkhard Roloff. Er hält die Neugestaltung der Agrarwirtschaft des sogenannten Agrarpaktes für sinnvoll, allerdings geht es ihm etwa beim freiwilligen Tierwohllabel nicht weit genug. "Solange das alles freiwillig ist, bringt das nichts", meint auch Diana Pretzel vom World Wide Fund For Nature (WWF). In den Augen der Umweltschützer gehe jedoch zumindest das Insektenschutzprogramm in die "richtige Richtung". Ein Glyphosatverbot ab dem Jahr 2024, zum spätmöglichsten Zeitpunkt, den die EU vorsehe, sorgte bei den Umweltverbänden jedoch für Unverständnis. NABU und BUND fordern zudem eine komplett andere Förderpolitik.

Weitere Informationen

Backhaus zeigt Verständnis für Bauernproteste

17.10.2019 12:00 Uhr

Landwirtschaftsminister Backhaus hat Verständnis für die Verärgerung von Landwirten. Er will sich für Nachbesserungen beim Agrarpaket des Bundes einsetzen. mehr

Erste Landwirte stellen Anträge für Futter

21.10.2019 08:00 Uhr

Aufgrund der Trockenheit der vergangenen zwei Jahre ist das Futter in der Landwirtschaft knapp. Erste Betriebe haben Ausnahmegenehmigungen beantragt, um genug Futter zu bekommen. mehr

Protest von Landwirten: Immer mehr grüne Kreuze

09.10.2019 12:00 Uhr

Man sieht sie immer häufiger auf Äckern und an Straßen: grüne Kreuze. Mit der Aktion wollen Landwirte auf ihre schwierige Situation aufmerksam machen - und gegen das Agrarpaket protestieren. mehr

Deutschlands bester Fleischrindhalter kommt aus MV

17.10.2019 06:00 Uhr

Christian Rohlfing vom Gut Bad Sülze hat den CERES Award "Bester Fleischrindhalter des Jahres" erhalten. Er züchtet alte Rinderrassen im Trebel- und im Recknitztal. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.10.2019 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

10:07
Nordmagazin