Beim Besuch von Agrarminister Backhaus in Alt Tellin demonstrieren Tierschützer vor der Ruine der abgebrannten Schweinezuchtanlage. © Christopher Niemann Foto: Christopher Niemann

Backhaus besucht Alt Tellin: Protest vor Brandruine

Stand: 30.04.2021 15:53 Uhr

Rund einen Monat nach dem Großbrand in der Schweinezuchtanlage Alt Tellin (Kreis Vorpommern-Greifswald) hat sich Landesumweltminister Till Backhaus (SPD) ein Bild vom Brandort gemacht. Er kam mit den Betreibern der Anlage sowie 70 Demonstranten ins Gespräch.

Backhaus wurde mit Sprechchören wie "Lügner, Lügner" von den rund 70 Demonstranten vor dem Eingangstor der abgebrannten Schweineaufzuchtanlage in Alt Tellin empfangen. Neun Greenpeace-Mitglieder waren auf ein 20 Meter hohes Futtersilo geklettert und hatten dort zwei überdimensionale Transparente mit der Parole "Schluss mit dem Schweinesystem" angebracht. Auf die Frage, wie es mit der Anlage weitergehe, sagte Backhaus, dass die Ferkelaufzuchtanlage in der bisherigen Größe überhaupt nicht mehr so in Betrieb gehen könne, weil die Abluftreinigungsanlagen in Ställen wie in Alt Tellin nicht mehr zugelassen würden. Der Frage, ob der Betrieb möglicherweise etwas kleiner wieder aufgebaut werden könnte, wich der Minister aus. Dafür erntete er viele Buh-Rufe.

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Backhaus: Kreise sollen Brandschutzkonzepte prüfen

In Alt Tellin traf sich Backhaus auch mit dem Betreiber der abgebrannten Ferkelaufzuchtanlage sowie Vertretern der anliegenden Gemeinden. Backhaus versprach, dass keine weitere große Tierzuchtanlage in Mecklenburg-Vorpommern genehmigt werde, bevor das Ergebnis zur Brandursache bei der Schweinezuchtanlage Alt Tellin vorliegt. Außerdem habe er alle Landkreise angewiesen, die Brandschutzkonzepte der bestehenden Stallanlagen nochmals zu überprüfen. "Es wäre ein Albtraum, wenn so etwas noch woanders passiert." Backhaus kündigte eine Bundesratsinitiative für den 7. Mai an, um Baurecht und Brandschutz künftig zusammenzubringen. "In Alt Tellin hat das Retten der Tiere nicht funktioniert, obwohl es ein genehmigtes Konzept zum Brandschutz gab", konstatierte der Minister.

Alt Tellins Bürgermeister will tierwohlgerechtere Anlage

Forderungen, die Anlage überhaupt nicht wieder aufzubauen, waren zuletzt lauter geworden. Der Bürgermeister von Alt Tellin, Frank Karstädt (CDU), sprach sich dafür aus, an dem Standort eine kleinere, tierwohlgerechtere Anlage zu errichten. Für eine solche Anlage hätte die Gemeinde - im Gegensatz zu früher - ein Mitspracherecht, sagte Karstädt am Freitag. Denn dafür müsse es auch einen Bebauungsplan geben, und diesem würde die Gemeinde nur zustimmen, wenn es in ihrem Interesse sei.

Backhaus plädiert für "Stall 4.0"

Laut Backhaus gehe es darum, "ganz neue Wege zu gehen". Er brachte eine Modellanlage als "Stall 4.0" ins Gespräch. Dort sollten nur "zwei Großvieheinheiten je Hektar Stallung" nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen gehalten werden. In einem Beirat sollten die Gemeinden, der Kreis und Umwelt- und Tierschutzverbände mitarbeiten.

Beim Großbrand waren rund 55.000 Sauen und Ferkel umgekommen. Die Brandursache ist noch unklar. Der Schaden wird von Ermittlern auf 40 Millionen Euro geschätzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Mittagsschau kompakt | 30.04.2021 | 14:00 Uhr

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