Stand: 01.09.2018 12:42 Uhr

Attacke in Wismar: Haftbefehl erlassen

Nach dem Angriff auf einen Syrer in Wismar hat das zuständige Amtsgericht in der Hansestadt Haftbefehl erlassen. Ein 26-jähriger Mann wird dringend verdächtigt, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Der Mann kommt nun in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft Schwerin auch deshalb, weil Fluchtgefahr besteht. Der Tatverdächtige soll mit zwei anderen, bisher unbekannten Männern, den 20-jährigen Syrer erst ausländerfeindlich beschimpft und dann krankenhausreif geschlagen haben. Der polizeibekannte Mann bestreitet die Vorwürfe und sagt, er sei selbst von Ausländern angegriffen worden. Der Vorfall ereignete sich am Rande eines Parks im Wohngebiet "Friedenshof". Die Polizei hat eine Sonderkommission gegründet, sie heißt "Soko Park".

Tritte und Schläge mit einer Eisenkette

Wie die Polizei mitteilte, war der Syrer am späten Mittwochabend allein auf dem Heimweg, als er nach eigenen Angaben "durch drei Deutsch sprechende Tatverdächtige angehalten und ausländerfeindlich" beschimpft wurde. Zwei der Verdächtigen schlugen dem jungen Mann demnach dann ins Gesicht, der dritte schlug ihm mit einer Eisenkette gegen Schulter und Rippen, wodurch das Opfer zu Boden ging. Wie die Polizei weiter mitteilte, wurde der Syrer daraufhin von allen drei Angreifern getreten - anschließend flüchteten die Männer. Das Opfer erlitt einen Nasenbeinbruch und Prellungen, konnte die Klinik aber nach ambulanter Behandlung wieder verlassen. Der Tatverdächtige bestritt den Vorwurf nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei der polizeilichen Vernehmung. Er erklärte, selbst von Ausländern angegriffen worden zu sein, und berief sich dann auf sein Aussageverweigerungsrecht.

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04:22
Nordmagazin

Überfall auf Syrer: Tatverdächtiger verhaftet

30.08.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin

Ein Syrer ist in Wismar von drei Männern zusammengeschlagen und ausländerfeindlich beschimpft worden. Ein Tatverdächtiger wurde vorläufig festgenommen. Video (04:22 min)

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Die Tat ereignete sich in einer Plattenbausiedlung im Stadtteil Friedenshof.
Wismars Bürgermeister Beyer: "Pogromstimmung in Deutschland"

Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) reagierte entsetzt. Er sei "total wütend" und bezeichnete die Täter als "Brandstifter". Diese Tat sei Ausdruck der "Pogromstimmung" in Deutschland, diese schwappe nun auch auf Wismar über, sagte er NDR 1 Radio MV. Seine Befürchtungen seien wahr geworden. Allerdings sei dies in der Hansestadt nicht der Alltag, sagte Beyer weiter. In Wismar gebe es eine aktive Zivilgesellschaft, die mit friedlichen Mitteln dagegenhalte. Zum Ausdruck gekommen sei dies zuletzt am vergangenen Montag vor dem Rathaus, als sich etwa 70 Menschen einer Mahnwache der AfD entgegengestellt hatten.

Innenminister Caffier kündigt Sonderkommission an

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sagte, nach den bisherigen Ermittlungen sei ein fremdenfeindlicher Hintergrund wahrscheinlich. Er kündigte an, dass das Polizeipräsidium Rostock eine Sonderkommission ins Leben rufen wird: "Die Landespolizei wird alles daran setzen, alle Täter zu ermitteln und der Justiz zuzuführen."

Sozialministerin Drese erinnert an Rostock-Lichtenhagen

Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) sprach von einem abscheulichen Vorfall. Sie erinnerte an die Vorkommnisse in Rostock-Lichtenhagen 1992. "Hier ist neben der staatlichen Ebene auch die Zivilgesellschaft gefordert, offensiv für unsere Werte von Freiheit, Weltoffenheit, Akzeptanz und Solidarität einzutreten."

Flüchtlingsrat: "Alltagsrassismus in Wismar Realität"

Der Flüchtlingsrat MV in Wismar zeigte sich wenig überrascht von dem Vorfall. In der Stadt haben viele Leute ein Problem mit Zuwanderern, sagte ein Sprecher. Konflikte zwischen Einwohnern und Flüchtlingen gebe es immer wieder, Alltagsrassismus sei die Realität. Man wünsche sich deshalb mehr Unterstützung von Stadtpolitik und Polizei.

Gemeinsames Friedensgebet aller Religionen

Am Wismarer Rathaus hängen inzwischen Banner mit der Aufschrift "Bunt statt braun". Außerdem will die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Heiligen Geist Wismar zusammen mit dem Islamischen Bund in der nächsten Woche ein Friedensgebet organisieren - über alle Religionen hinweg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nordmagazin | 31.08.2018 | 19:30 Uhr

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