Stand: 28.09.2020 07:52 Uhr

Atommüll-Endlager in MV? BGE stellt Zwischenbericht vor

Gelbes Fass mit der Aufschrift "radioaktiv" © picture alliance / dpa Foto: Jens Wolf
Wohin mit den hochradioaktiven Atommüll? Bis 2031 soll eine Standort-Entscheidung getroffen.

Heute stellt die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) in Berlin einen Zwischenbericht zur Suche nach einem Atommüll-Endlager vor. Es ist der erste Schritt auf dem Weg dahin. In dem wissenschaftsbasierten Verfahren soll bis 2031 eine Standortentscheidung getroffen werden, von der auch Mecklenburg-Vorpommern betroffen sein könnte. Die politische Entscheidung liegt letztlich beim Bundestag.

Gebiete mit günstigen geologischen Voraussetzungen gesucht

In dem aktuellen Bericht geht es um sogenannte Teilgebiete, die günstige geologische Voraussetzungen für eine sichere und dauerhafte Endlagerung hochradioaktiver Abfälle erwarten lassen. Nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) könnten solche Gebiete auch im Nordosten liegen. Danach wird weiter sortiert und ausgewählt. Mindestens zehn und höchstens 100 Teilgebiete sollen in den kommenden Jahren genauer untersucht werden.

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Atommüll soll 500 Jahre lang rückholbar sein

Die Kriterien für die Auswahl sind streng. So soll der hochradioaktive Atommüll mindestens 300 Meter unter der Erdoberfläche sicher lagern - für möglichst eine Million Jahre. Außerdem soll er in den kommenden 500 Jahren noch rückholbar sein. Dadurch soll etwa künftigen Generationen die Nutzung neuer Technologien ermöglicht werden. Vorgegeben sind auch Abstände zu Wohn- und Schutzgebieten sowie zu "herausragenden Natur- oder Kulturgütern".

Backhaus: In Untergrund von MV viel Tongestein und Steinsalz

Als günstige Gesteinsformationen für ein Endlager gelten Salz, Ton und Granit. Schon diese Festlegung war politisch heikel, da Salz vor allem im Norden und Granit insbesondere in Bayern häufiger vorkommt. Tongestein und Steinsalz gibt es laut Backhaus vielerorts im Untergrund im Nordosten. Ausgeschlossen sind Formationen, wo bereits Bergwerke errichtet worden sind sowie Regionen mit Vulkanismus oder der Gefahr von Erdbeben.

"Es wird Widerstand geben"

Mit einem betriebsbereiten Endlager ist laut den aktuellen Planungen nicht vor 2050 zu rechnen. Schon dies sei ein "ambitionierter Zeitplan angesichts der vielen Unwägbarkeiten", wie der Leiter des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (Base), Wolfram König, erklärte. Für König ist trotz aller Transparenz klar: Gegen den am Ende ausgewählten Standort "wird es Widerstand geben".

Linke verweist auf Zwischenlager Lubmin

Eine breite gesellschaftliche und politische Diskussion dürfte erst noch kommen. Doch schon jetzt positionieren sich einzelne Akteure. Der Umweltverband NABU zum Beispiel fordert, dass Sicherheit vor politischem Kalkül gehen müsse. Die Linksfraktion im Landtag von MV meint, dass Mecklenburg-Vorpommern mit Lubmin bereits ein Zwischenlager habe und seit 30 Jahren keinen Atommüll mehr produziere. Backhaus will im Lauf des Montags über das weitere Verfahren informieren.

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Das Zeichen für Radioaktivität auf einem schwarzen Atommüllfass.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.09.2020 | 06:00 Uhr

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