Stand: 10.07.2020 12:32 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Airbeat-One: Minister rüffelt Party-Video der Polizei

von Stefan Ludmann, NDR1 Radio MV

Tanzende Beamte - für Innenminister Caffier (CDU) sieht Polizeiarbeit anders aus.

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hat die Polizei Ludwigslust wegen eines offiziellen Videos in den sozialen Medien gerüffelt. Der 100-Sekunden-Clip zeigt Beamte, die unter anderem tanzend vor ihren Einsatzwagen an das abgesagte Festival Airbeat-One bei Neustadt-Glewe (Landkreis Ludwigslust-Parchim) erinnern. Das Festival sollte in dieser Woche auf dem Flugplatz starten, konnte wegen der Corona-Pandemie aber nicht stattfinden.

Tanzende Beamte auf leerem Festivalgelände

Das am Mittwoch veröffentliche Video der Polizeiinspektion Ludwigslust zeigt auch drei Einsatzwagen in rasanter Blaulicht-Fahrt auf dem Weg zum leeren Festivalgelände. Partyszenen aus dem vergangenen Jahr werden eingeblendet, im Text der Polizei heißt es: "Wo sonst wummernde Electrobeats tausende Besucher zum Tanzen bringen, herrscht jetzt leider absolute Stille." Die Beamten blicken wehmütig zurück: "Wir als Polizei Ludwigslust standen schon freudig in den Startlöchern und waren bereit, unser jährliches Einsatz-Highlight mit euch zu begehen." Jetzt wolle man gemeinsam in Erinnerungen schwelgen. Der Streifen endet mit einer Tanzszene von sechs Beamten und der Einblendung des Veranstaltungslogos, das auf den Festivaltermin im kommenden Jahr hinweist.

Gut gemeint - aber nicht im Sinne des Ministeriums

Innenminister Caffier geht das zu weit, das ist ihm offenbar zu viel Party-Polizei. Auch wenn das Video sicher gut gemeint sei, sei es dennoch ärgerlich und entspreche nicht den Vorstellungen des Innenministeriums. Polizeiarbeit sehe anders aus, findet der Innenminister. Intern müsse das nachgearbeitet werden.

"Positive Kommunikation aufrecht erhalten"

Die Polizei Ludwigslust erklärte, man habe enorm großen Zuspruch bekommen. Ein Sprecher verwies auf mehrere Tausend Likes bei Facebook und Instagram. Das Video sollte zeigen, dass die Polizei auf den Einsatz sehr wohl vorbereitet gewesen wäre. Die Beamten sehen in dem Streifen auch einen Beitrag, um das Verhältnis zu den Party-Teilnehmern weiterhin konfliktfrei zu halten. "Mit dieser Videobotschaft soll die positive Kommunikation des vergangenen Jahres mit den Festivalbesuchern aufrechterhalten werden, um daran im kommenden Jahr anzuknüpfen", erklärte ein Sprecher auf Anfrage.

Kritik unter anderem auf Twitter

Negativkommentare bei Twitter hätten aber auch sensibel gemacht: Als Polizei müsse man genauer prüfen, "ob Videos dieser Art tatsächlich geeignet sind, polizeiliche Anliegen deutlich zu machen." Das findet auch der Innenminister.

GdP: "Airbeat-One-Einsätze erfreulich"

Anders sieht das der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Christian Schumacher. Ihm hätten "Kollegen und Kolleginnen" berichtet, dass es sich beim Festival Airbeat-One um einen "der erfreulichsten Einsätze" handele, was sicher nicht für alle Festivals im Land gelte. Offenbar hat Schumacher dabei das Fusion-Festival in Lärz an der Müritz im Blick. Das Event hatte im vergangenen Jahr im Vorfeld zu einem massiven Konflikt zwischen Polizei und Veranstaltern geführt, es ging um die Durchsetzung eines Sicherheitskonzepts.

Polizei: Bürgernah, weltoffen, sympathisch

Gewerkschafts-Chef Schumacher sagte, bei Airbeat-One zeige sich, wie bürgernah und weltoffen "unsere Landespolizei" sei und "wie Veranstaltungen dieser Größe gemeinsam mit Polizei und Besuchern ohne große Vorkommnisse stattfinden können".

Der Innenexperte der Linksfraktion, Peter Ritter, warf Caffier vor, als "Spaßbremse" aufzutreten. Ritter, der sonst kritisch mit dem Verhalten der Polizei umgeht, meinte, das Video zeige die Polizei von einer sympathischen Seite. Die Kritik daran sei völlig fehl am Platz. Der Rüffel des Ministers sei verwunderlich. Bei tatsächlichen Vergehen der Landespolizei sei von Kritik nichts zu hören. Da gelte eher die Devise "verharmlosen und aussitzen".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.07.2020 | 12:00 Uhr

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