Die ehemaligen Awo-Funktionäre Götz-Peter Lohmann und Peter Olijnyk auf der Anklagebank im Landgericht Schwerin kurz vor dem Urteil am 11. Juni 2021. © dpa-Zentralbild Foto: Bernd Wüstneck

AWO Müritz: Haft- und Bewährungsstrafe im Untreue-Prozess

Stand: 11.06.2021 10:39 Uhr

Angeklagt waren der ehemalige Geschäftsführer der AWO Müritz Peter Olijnyk (72) und der ehemalige Kreisvorsitzende Götz-Peter Lohmann (78). Sie hatten sich gegenseitig mehr als sieben Jahre lang unrechtmäßig hohe Bezüge zugeschanzt.

Olijnek muss für drei Jahre in Haft. Zudem werden laut Urteil rund 350.000 Euro seines Vermögens eingezogen. Lohmann wurde vom Gericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. In seiner Urteilsbegründung betonte der Richter, dass die Untätigkeit des Vorstandes der AWO Müritz den Betrug möglich gemacht habe.

Vorwurf lautet auf "schwere Untreue"

Die Verurteilten hatten sich gegenseitig mehr als sieben Jahre lang unrechtmäßig hohe Bezüge zugeschanzt - vorbei an den zuständigen Gremien der AWO. Ihnen wurde schwere Untreue vorgeworfen. So bezog Olijnyk Ende 2015 ein Jahresgehalt von 150.000 Euro. Dazu kamen Tantiemen sowie eine lebenslange Betriebsrente. Lohmann selbst kassierte für psychologische Beratungen mehr als 700.000 Euro.

Richter: "AWO als Selbstbedienungsladen"

In seiner Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende Richter weiter, Olijnik habe die AWO als "Selbstbedienungsladen" benutzt und sich einen "goldenen Handschlag" geben lassen. Für die Einkommensverbesserungen habe es keine Gründe gegeben, stellte das Gericht fest. Damit sei Vermögen der AWO veruntreut worden. Für das Urteil sei nicht wichtig, dass die Verträge nicht von weiteren AWO-Vorstandsmitgliedern unterschrieben wurden. Der Richter stellte außerdem fest, dass sich der Hauptangeklagte bis zu seinem letzten Wort uneinsichtig zeigte. Kritisch äußerte sich der Richter zu den Zeugenaussagen diverser Mitglieder der AWO-Gremien im Kreisverband Müritz. Sie hätten zu einem "erschütterndem Bild" des angeblichen "Nicht-Wissens" über die Umstände der Vertragsabschlüsse mit Olijnyk beigetragen.

Gehaltspraxis in allen AWO-Kreisverbänden geprüft

Der AWO Müritz war laut Anklage ein Schaden in Millionenhöhe entstanden. Der Fall hatte über die Landesgrenzen von Mecklenburg-Vorpommern hinaus für Aufsehen gesorgt. Der Landesverband ließ die Gehaltspraxis in allen AWO-Kreisverbänden prüfen. Außerdem gab es einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Landtag zur Praxis bei den Sozialverbänden.

AWO-Landesverband: "Unsägliches Kapitel beendet"

Der AWO-Landesverband zeigte sich von dem Urteil des Landgerichts erleichtert. Landesgeschäftsführer Bernd Tünker sagte dem NDR, damit sei endlich ein Schlussstrich unter dieses unsägliche Kapitel gezogen worden und die AWO Müritz könne sich wieder ihrer eigentlichen Arbeit widmen. Tünker sagte weiter, bereits in internen Prüfungen der AWO sei damals der Skandal aufgedeckt worden. Daraufhin sei, nachdem die Höhe des Gehalts bekannt wurde, Olijnyk 2016 fristlos entlassen worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.02.2021 | 11:00 Uhr

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