Mecklenburg-Vorpommern, MV, Alt Tellin, Feuer, Brand, Ferkelaufzucht, Muttersauen  Foto: Christopher Niemann

Verbände: Brand in Alt-Tellin hätte verhindert werden können

Stand: 26.05.2021 17:07 Uhr

Vor knapp zwei Monaten ist in Alt Tellin bei Jarmen (Landkreis Vorpommern-Greifswald) eine große Ferkelzuchtanlage abgebrannt. Am Mittwoch wurden weitere Details zur Strafanzeige der Verbände bekannt.

Mehrere Verbände hatten am vergangenen Freitag Anzeige gegen den Betreiber der Schweinezuchtanlage und die Genehmigungsbehörden gestellt. Demnach hätte die Brand-Katastrophe in Alt Tellin glasklar verhindert werden können. Dieser Ansicht sind der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, der Deutsche Tierschutzbund, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und Greenpeace.

Tiere sollten im Brand-Fall in der Anlage bleiben

Der Strafanzeige zufolge wurde zum Beispiel das Brandschutzkonzept in weiten Teilen ohne den nötigen Sachverstand erstellt und genehmigt. Der Grund: Im Falle eines Brandes sei nicht vorgesehen gewesen, die Tiere ins Freie zu treiben. "Die Anlage wurde genehmigt unter der Prämisse, dass die Tiere im Brandfall in der Anlage bleiben können und den Tieren dabei nichts passiert. Dass dem nicht so ist, hat der Brand gezeigt. Es konnten nur ganz wenige Tiere gerettet werden. Das heisst für uns, dass da ganz schlimm was schief gelaufen ist in der behördlichen Prüfung und in der Anfertigung von Gutachten," sagte der Berliner Fachanwalt für Verwaltungsrecht Ulrich Werner - er hat die Anzeige mit verfasst.

Geordnetes Austreiben der Schweine kaum möglich

Zudem sei die Anlage grundsätzlich viel zu groß gewesen, erklärte Stefanie Zimmermann vom Deutschen Tierschutzbund. "Die Rettung aller Tiere war nicht einmal im Ansatz möglich. Auch führen Rauchentwicklung und Hitze bei Schweinen zu Stress und Panik. Das macht ein geordnetes Austreiben schwierig beziehungsweise unmöglich. Selbst wenn man die Türen ins Freie öffnet, wären die Schweine zurückhaltend, den Stall zu verlassen, wenn sie es nicht gewohnt sind, draußen zu sein", so Zimmermann.

Strafmaß von bis zu 3 Jahren Gefägnis möglich

Für die Verbände steht fest, dass die Genehmigungs-Behörden und der Betreiber, die LFD-Holding, verantwortlich dafür sind, dass mehr als 50.000 Schweine, vor allem Ferkel, ohne Grund sterben mussten - das sei strafbar. Ein mögliches Strafmaß ist im Tierschutzgesetz klar geregelt: Mit Gefängnis bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.05.2021 | 16:15 Uhr

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