Zuchtsauen in engen Gitterboxen. © Picture Alliance/Blickwinkel Foto: JSPeifer

Backhaus: Bundesrat sendet wichtiges Signal für mehr Tierschutz

Stand: 25.06.2021 18:52 Uhr

Der Bundesrat hat dem Beschluss zur Einführung von Obergrenzen für Tiere in großen Anlagen zugestimmt. Er geht auf die Initiative des Landes Mecklenburg-Vorpommern zurück. Agrarminister Till Backhaus (SPD) lobte das Vorhaben.

In der Initiative von Mecklenburg-Vorpommern wird die Bundesregierung aufgefordert, zu prüfen, inwiefern man Tierhaltungsanlagen in ihrer Größe beschränken kann, ohne deren Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden. Auch solle die Bundesregierung prüfen, wie man die Anzahl der gehaltenen Tiere so begrenzen kann, dass es ökologisch und regional vertretbar ist. Dieser Forderung haben sich am Freitag auch die anderen Länder angeschlossen. "Mit dem heutigen Beschluss senden wir das klare Signal, dass wir das Problem endlich ernsthaft angehen. Das ist ein wichtiger Schritt zur Weiterentwicklung der Nutztierhaltung in Deutschland – hin zu einer tierwohl-orientierten und umweltschonenden Landwirtschaft", sagte Backhaus. Die Notwendigkeit einer Neuausrichtung der Tierhaltung sei offensichtlich, das gelte auch für Europa und den Rest der Welt. "Wir dürfen aber nicht länger auf europäische oder internationale Veränderungen warten. Deutschland kann und muss als Vorbild vorangehen." Dann würden andere folgen, ist der Minister überzeugt.

Wie groß sollen die Tierhaltungen sein?

Backhaus will die Wettbewerbsfähigkeit der Tierhaltung nicht außer Acht lassen: "Auf keinen Fall dürfen wir die Tierhaltung in Deutschland aufs Spiel setzen. Ich sehe hierin eine Chance für unsere Tierhaltung und bin überzeugt davon, sie wird gestärkt aus diesem Prozess hervorgehen." Das Leitbild einer zukunftsfähigen Nutztierhaltung sei eine flächengebundene, in die jeweilige Region integrierte Tierhaltung. Es müssten die Fragen beantwortet werden, wie groß die Tierhaltungen sein sollen und wie viele Tiere bei allen Vorsorge- und Präventionsmaßnahmen dem Seuchen- und Brandrisiko ausgesetzt werden könnten. "Dazu brauchen wir verlässliche wissenschaftliche Aussagen, wie Tierschutz in Seuchen- und Katastrophenfällen wirksam funktionieren kann."

Planungssicherheit für Tierhalter ist wichtig

Eine Experten-Kommission hat Vorschläge für eine Weiterentwicklung der Tierhaltung in Deutschland zu mehr Tierwohl vorgelegt. Diese Arbeit und die Vorschläge lobte Backhaus. Es sei wichtig, auch für Planungssicherheit für die Tierhalter zu sorgen, damit sie ihre unternehmerischen Entscheidungen für die kommenden 20 bis 30 Jahre treffen zu können.

Noch kein verpflichtendes staatliches Tierwohllabel

Als richtiges Signal sieht Backhaus auch, dass große Lebensmitteldiscounter am Freitag erklärt haben, in Zukunft nur noch Frischfleisch von Tieren aus artgerechter Haltung verkaufen zu wollen. Bedauerlich dagegen findet Backhaus, dass es der Bundesregierung bisher nicht gelungen ist, ein verpflichtendes staatliches Tierwohllabel einzuführen, mit dem der Verbraucher unmissverständlich erkennen kann, welche Lebensmittel aus tierschutzfreundlicher Haltung kommen.

In einem großen Schweinezuchtbetrieb in Alt Tellin (Kreis Vorpommern-Greifswald) ist ein Feuer ausgebrochen. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer
Die Sauen- und Ferkelzuchtanlage in Alt-Tellin war über Jahre sehr umstritten und gehörte zu einem der größten Schweinezuchtbetriebe in Deutschland.
Ende März verendeten 55.000 Tiere beim Brand einer Schweinezuchtanlage

Bei einem Großbrand in der Schweinezuchtanlage Alt Tellin (Kreis Vorpommern-Greifswald) waren Ende März mehr als 55.000 Ferkel und Muttersauen verendet. Das Feuer hatte sich über Lüftungsschächte und andere Verbindungen schnell ausgebreitet und sämtliche Stallanlagen zerstört. Minister Backhaus hatte den Brand als "Tragödie" bezeichnet. Solche Anlagen seien schwer zu beherrschen. Ein Umdenken bei der Planung solcher Mastanlagen hin zu kleineren Einrichtungen hatten auch die Linkspartei sowie Umwelt- und Tierschutzverbände gefordert. Eine Bürgerinitiative und Tierschützer hatten sich bereits beim Bau der Schweinezuchtanlage vor etwa zehn Jahren große Sorgen gemacht, wie im Fall eines Brandes die Zehntausende Ferkel und Muttertiere schnell gerettet werden könnten.

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In einem großen Schweinezuchtbetrieb in Alt Tellin (Kreis Vorpommern-Greifswald) ist ein Feuer ausgebrochen. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

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Eine der größten Schweinezuchtanlagen Norddeutschlands in Alt Tellin ist bei einem Großbrand zerstört worden. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Mittagsschau kompakt | 25.06.2021 | 16:00 Uhr

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