Laborsituation bei der Untersuchung von Coronamaterial. © picture alliance Foto: Daniel Bockwoldt

Was können T-Zellen gegen das Coronavirus leisten?

Stand: 14.10.2020 12:22 Uhr

Noch ist unklar, wie Immunität gegen das neuartige Coronavirus entsteht und wie lange sie anhält. Schützen auch harmlose Corona-Erkältungsviren vor Sars-CoV-2 oder sorgen zumindest für Teilimmunität?

von Daniela Remus

Manchen Menschen scheint das Coronavirus nichts anhaben zu können. Es sieht fast so aus, als hätte ihr Immunsystem eine passende Antwort darauf. Das heißt, die T-Zellen, die neben den Antikörpern Immunität herstellen, sind gegen Sars-CoV-2 gerüstet, als wäre der Organismus damit bereits infiziert gewesen. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in verschiedenen Studien herausgefunden, erklärt der Immunologe Dr. Thomas Jacobs vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg: "Was man sehr schön sieht, ist, dass Erkrankte eine T-Zell-Immunität haben. Das sind sowohl T-Helferzellen, sogenannte CD4-Zellen, als auch andere CD8-Zellen, die können antiviral wirken. Was man herausgefunden hat, ist, dass Menschen, die noch nie Kontakt hatten zu Covid-19, diese Zellen auch haben. Das heißt, offensichtlich haben sie eine Immunität aufgebaut, die nicht auf Covid-19 zurückzuführen ist."

Viren-Ähnlichkeit sorgt für eine Art "T-Zell-Gedächtnis"

Laut dem aktuellen Forschungsstand liegt das an Coronaviren, die wir bereits kennen - an denen nämlich, die harmlose Erkältungskrankheiten hervorrufen. "Die Ähnlichkeit dieser Coronaviren untereinander, vom Sars-CoV-2-Virus und den vier Erkältungs-Coronaviren, scheint doch in einigen Komponenten des Virus groß genug zu sein, um eben doch fast so etwas wie ein T-Zell-Gedächtnis vorwegzunehmen", sagt der Virologe Prof. Christian Drosten von der Charité in Berlin.

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Vielseitige T-Zellen

Immunität gegen einen Krankheitserreger entsteht, grob vereinfacht gesagt, aus zwei Säulen, die untrennbar miteinander verwoben sind, nämlich aus Antikörpern und aus der zellulären Immun-Antwort durch die sogenannten T-Zellen. Der Immunologe Thomas Jacobs hat sich auf die Erforschung von T-Zellen spezialisiert. Er erklärt, dass die T-Zellen in der Lage sind, auf Zellen zu erkennen, ob da ein Virus drin ist: "Diese T-Zellen machen zum Beispiel Botenstoffe, die die anderen Zellen, die Antikörper machen (…). Sie aktivieren aber auch Fresszellen, die sogenannten Makrophagen, die andere Zellen fressen können. Offensichtlich das Wichtigste bei Virusinfekten ist, dass sie auch direkt virusinfizierte Zellen erkennen können und diese dann praktisch töten."

"Bei Gedächtniszellen geht die Immunreaktion schneller"

Antikörper bilden sich bei vielen Krankheiten nach einiger Zeit zurück. Nach aktuellem Wissensstand verhält es sich so auch bei Sars-CoV-2. Die zelluläre Immunantwort aber dient dem Körper als Gedächtnis, erklärt Prof. Carsten Watzl, Immunologe an der Technischen Universität Dortmund: "Das heißt, wenn das gleiche Virus noch mal vorbeikommt, dann geht der gleiche Prozess wieder los. Das heißt, die Zellen erkennen den, können sich vermehren, aber diese Gedächtniszellen, von denen ich schon mehr im Körper habe, sind schon spezifisch auf diesen Erreger zugeschnitten. Das heißt, da geht die Immunreaktion schneller."

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Effekt für ältere Menschen wird noch erforscht

Nach jeder Krankheit bewahrt der Organismus einige T-Gedächtniszellen in einer Art Archiv für die Abwehr auf. Das führt dazu, dass das Immunsystem im Laufe des Lebens immer weniger schlagkräftig wird, sagt Immunologe Carsten Watzl: "Irgendwann übernehmen diese Gedächtnis-T-Zellen sehr viel mehr Platz als die Zellen, die noch nie irgendwas gesehen haben, die noch auf etwas Neues reagieren könnten. Und das ist im Alter ganz extrem."

Die Folge davon ist, dass ältere und alte Menschen in der Regel gegen Infektionen nicht mehr so gut gewappnet sind wie jüngere Menschen. Ein Effekt, der auch bei Covid-19 wichtig ist.

Ob ältere Menschen aber in diesem Fall vielleicht sogar von der Immunantwort der T-Zellen gegen Sars-CoV-2 profitieren könnten, ist nicht geklärt. Dazu wird zurzeit geforscht.

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