Stand: 09.07.2019 18:11 Uhr

Klimaforscher will "Transformation der Gesellschaft"

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Klimaforscher Tobias Bayr fordert "große Schritte" in der Klimapolitik.

Der Klimaforscher Tobias Bayr vom Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel hat Schleswig-Holstein am Dienstag ein schlechtes Zeugnis in Sachen Klimapolitik ausgestellt. Nur mit Trippelschritten sei der Wandel nicht aufzuhalten, so Bayr. Nicht zuletzt durch die Fridays-for-Future-Demonstrationen ist das Thema stark in den Mittelpunkt gerückt. Die große Frage: Wie können die Ziele des Pariser Klimaabkommens von 2015 erreicht und so die Mensch gemachte globale Erwärmung gestoppt werden? Auch Schleswig-Holstein schafft es bisher nicht, die selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Es sei in der Vergangenheit deutlich zu wenig getan worden, sagte Tobias Bayr NDR Schleswig-Holstein.

Energie-Inseln sollen Offshore-Strom verteilen

Gerade im Bereich Windkraft habe es in den vergangenen Jahren kaum Ausbau in Schleswig-Holstein gegeben, stattdessen viel Streit, kritisierte der Klimaforscher. Im Mai wurde der Ausbaustopp für Windenergie bis 2020 verlängert. Bis 2050 will Deutschland weitgehend klimaneutral sein. Dafür muss laut Studien aber die Offshore-Windenergie viel schneller ausgebaut werden als bisher.

Tim Mayerjürgens von Netzbetreiber Tennet fordert eine stärkere europäische Kooperation bei der Planung. Am Dienstag stellte er in Hannover erste Ergebnisse zur Machbarkeit von künstlichen Energie-Inseln in der Süd-Nordsee vor. Über diese Stromverteilkreuze soll der Offshore-Windstrom an Land gebracht werden.

Klimaneutralität in der Landwirtschaft schwierig

Auch die Landwirtschaft hat Klimaforscher Bayr ins Visier genommen. Ziel müsse eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft sein. Bisher, so Bayr, würde viel Methan ausgestoßen. Dieses gilt als Haupttreiber der Erderwärmung und ist in seiner Wirkung 25-mal so stark wie CO2.

Gerade in der Landwirtschaft hält es Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) jedoch für besonders schwer, Klimaneutralität zu erreichen. "Das gilt weltweit. Weil wir natürlich wissen: Wir werden weiterhin Methanproduktion haben durch die Tierproduktion - bei der Lebensmittelproduktion insgesamt", sagte Albrecht.

Klimaforscher: Dem Reden müssen Handlungen folgen

Im Pariser Klimaabkommen ist allerdings das Ziel formuliert, die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius und möglichst unter 1,5 Grad Celsius zu beschränken. "Wenn wir wirklich das 1,5-Grad-Ziel noch einhalten wollen, müssen wir richtig große Schritte machen", forderte Klimaforscher Bayr. Es mache Hoffnung, dass die Politik das Thema zurzeit ernster nehme, er hoffe aber, dass es nicht nur beim Reden bleibt, sondern auch Handlungen folgten

Umweltminister: "Daran kann das Land wenig ändern"

Nachholbedarf besteht auch im Bereich Verkehr. Fast 20 Millionen Tonnen CO2 verursacht dieser laut NDR Schleswig-Holstein landesweit im Jahr. Das Umweltministerium will die Elektromobilität fördern und fordert die Verkehrswende. Albrecht nimmt dabei den Bund in die Pflicht. Deshalb habe das Land einen entsprechenden Antrag im Bundesrat eingereicht. "Wir reißen die Klimaziele in Deutschland. Das liegt vor allen Dingen daran, dass wir in den Sektoren Verkehr und Wärme überhaupt nicht vorankommen. Daran kann das Land wenig ändern", erläuterte der Umweltminister.

Der Bund müsse die Rahmenbedingungen ändern, forderte Albrecht. Man müsse weg von CO2-intensiven Verbrennungsmotoren. Ziel müsse es außerdem sein, erneuerbaren Strom in den Wärmebereich zu bringen. Klimaforscher Bayr fordert massive Veränderungen: "Weil es da um eine Transformation unserer Gesellschaft geht, ähnlich wie bei der industriellen Revolution."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 09.07.2019 | 17:00 Uhr