Stand: 28.09.2020 14:30 Uhr

Endlager-Suche: Viele neue Gebiete - Gorleben raus

Bergleute und Gäste gehen durch das ehemaligen Erkundungsbergwerk. © picture alliance/dpa Foto: Philipp Schulze
Der Salzstock Gorleben kommt für die BGE nicht als Standort für ein Atommüll-Endlager infrage.

90 Gebiete in Deutschland haben nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. Der Salzstock Gorleben in Niedersachsen gehört nicht dazu, wie aus dem am Montag veröffentlichten Zwischenbericht zur Endlager-Suche hervorgeht. Unter anderem habe der Salzstock ein nicht intaktes Deckgebirge und auch die Gewässerchemie spreche gegen den Standort, so die BGE. Gebiete in der Umgebung Gorlebens sind aber im weiteren Auswahlverfahren enthalten - ebenso wie weite Teile aller norddeutschen Bundesländer.

Selbst dicht besiedelte Regionen wie Bremen, Kiel, Schwerin und der östliche Rand von Hamburg kommen demnach als mögliche Endlager-Gebiete infrage. Die Bevölkerungsstruktur spielte bei der Benennung noch keine Rolle, sondern nur die Bodenbeschaffenheit.

BGE: "Geologie ist von Nord bis Süd und Ost bis West günstig"

Berücksichtigt man die Überlagerung einiger Gebiete, ist in Deutschland nun ein Anteil von 54 Prozent der Landesfläche als sogenanntes Teilgebiet ausgewiesen. "Die Geologie ist von Nord bis Süd und Ost bis West so günstig, dass sich ein Standort wird ermitteln lassen", betonte BGE-Geschäftsführer Stefan Studt. In den kommenden Jahren sollen die möglichen Standorte weiter eingegrenzt werden, indem weitere Kriterien - etwa die Bevölkerungsdichte - berücksichtigt werden. "Wichtig ist: Der Zwischenbericht ist kein abschließendes Ergebnis, sondern ein erster Zwischenstand", sagt Steffen Kanitz, bei der BGE zuständig für den Bereich Standortauswahl.

Großteil Schleswig-Holsteins ausgewiesen

Auch ein Großteil Schleswig-Holsteins ist in dem Bericht als möglicher Endlager-Standort ausgewiesen. Ein Teilgebiet etwa befindet sich im Norden Schleswig-Holsteins, gut 30 Kilometer südlich der Grenze zu Dänemark. So werden in der Gemeinde Sterup in Angeln acht von elf fachlichen Kriterien als günstig bewertet. Auch der Langsee im Bereich Süderfahrenstedt/Brekling nördlich von Schleswig ist darunter. Dort sind es sieben von elf Kriterien. Die geowissenschaftlichen Abwägungskriterien umfassen zum Beispiel die Frage, ob es in dem untersuchten Bereich Grundwasserbewegungen gibt, wie die langfristige Stabilität zu bewerten ist und wie das "Deckgebirge" eines möglichen Endlagers beschaffen ist.

Osten Hamburgs und Teile Mecklenburg-Vorpommerns definiert

Aus rein geologischer Sicht ist auch ein Teil Hamburgs für ein Atommüll-Endlager geeignet. Wie aus dem Zwischenbericht der BGE hervorgeht, befindet sich im östlichen Teil der Stadt das für ein Endlager passende Tongestein.

In Mecklenburg Vorpommern ist - mit einigen Aussparungen - ungefähr die gesamte südwestliche Hälfte des Bundeslandes definiert worden. Hinzu kommt eine kleiner Zone im Nordosten des Landes.

2031 soll der Endlager-Standort gefunden sein

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Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall dort unterirdisch eingelagert werden. Nach langem Streit um den bereits vor Jahrzehnten als Endlager ins Auge gefassten Salzstock Gorleben war die Endlager-Suche vor einigen Jahren komplett neu gestartet worden. Ausgehend von einer "weißen Landkarte", auf der erst mal jeder Ort grundsätzlich in Frage kommt, werden mögliche Standorte nun nach wissenschaftlichen Kriterien nach und nach eingegrenzt. Am Ende soll dann aber der Bundestag die Entscheidung über den Standort treffen - basierend auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen.

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NDR Info | Aktuell | 28.09.2020 | 10:00 Uhr

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