Eine Spritze liegt auf einem Impfpass. © Colourbox Foto: Astrid Gast

Das Geschäft mit gefälschten Corona-Impfpässen

Stand: 10.12.2021 14:00 Uhr

Wer ins Café, ins Restaurant oder ins Kino will, für den gilt vielerorts die 2G-Corona-Regel: Einlass nur für Geimpfte oder Genesene. Der gelbe Ausweis ist heiß begehrt, vor allem bei Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen. Deshalb hat sich im Internet und anderswo ein regelrechter Schwarzmarkt aufgebaut.

Von Svea Eckert und Sulaiman Tadmory

Wer einen gefälschten Impfausweis will, der kommt zu ihm. Er bezeichnet sich als "Vermittler" und kennt die Fälscher, beschafft die Ausweise und verkauft sie wieder. In einem Jahr hat er ungefähr 200 gefälschte Impfausweise verkauft für etwa 150 Euro pro Stück. Jetzt verkauft er noch mehr, weil man sie überall braucht.

Fälschern droht Freiheits- oder Geldstrafe

Wer einen Impfausweis fälscht, einen gefälschten vertreibt oder nutzt, muss nach dem neuen Infektionsschutzgesetz mit einer Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe rechnen. Im schlimmsten Fall drohen den Tätern fünf Jahre Gefängnis. Deshalb will der "Vermittler" im Gespräch mit den NDR Reportern unerkannt bleiben. Auf die Frage, wer Fälschungen kauft, antwortet er": "Eigentlich viele verschiedene Menschen - alte Leute manchmal, aber viele Junge, so zwischen 20 und 35 ungefähr. Das sind die meisten."

Für die Reportage ruft er einen seiner Kunden an. Der hat am Vortag erst einen gefälschten Ausweis von ihm gekauft. Der Kunde erläutert seine Gründe: Er hatte Angst vor der Impfung und glaubt, dass sei eine Geldmacherei von Politik und Konzernen. Trotzdem braucht er den Impfausweis für die Arbeit.

Fälschungen werden im Netz angeboten

Selbst für Laien ist es inzwischen kinderleicht, sich einen gefälschten Impfpass zu besorgen. Mit den Ausweisen ist ein Geschäft entstanden - zum Beispiel auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Mehr als 3.000 Ermittlungsverfahren sollen aktuell in Deutschland anhängig sein. Allein in Hamburg sind es mehr als 340.

Apothekerin erkannte falschen Impfpass

Am Ende liegt es an den Apothekern, den gelben Impfausweis zu prüfen. Betrüger versuchen, mithilfe gefälschter Impfpässe an ein digitales Impf-Zertifikat zu kommen, das sie dann legal auf ihr Mobiltelefon laden können.

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Ist der Impfausweis echt - oder doch gefälscht? Für die Apotheker, eine schwierige Situation, vor allem wenn sie die Polizei rufen müssen. Eine richtig klare Antwort vom Verband oder vom Gesetzgeber gibt es nicht. "Wenn es wirklich eine sehr plumpe Fälschung ist, wo das doch sehr offensichtlich ist, würden wir das so machen im Notfall. Wenn wir uns nicht sicher sind und aber auch natürlich unsere Schweigepflicht den Kunden gegenüber nicht verletzen dürfen, würde man eventuell einfach den die Erstellung des Impfzertifikats verweigern" erklärt Apotheker Stephan Kayser.

Immer mehr Fälschungen

Das Geschäft mit den gefälschten Impfausweisen durch die erneut verschärften 2G-Regeln boomt - zum Schaden der Gesellschaft. Am Ende verdiene er gutes Geld mit den gefälschten Pässen, sagt der "Vermittler". Er selbst sei geimpft, sagt er. Ob er ein schlechtes Gewissen hat? "Ja, manchmal."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 10.12.2021 | 14:00 Uhr

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