Eine Frau mit einer Mund-Nasen-Maske geht an einem Schild am Eingang des Hamburger Rathauses vorbei. © imago images/Hanno Bode Foto: Hanno Bode

Corona-Krise: Sind "Mini-Lockdowns" die Lösung?

Stand: 28.10.2020 06:00 Uhr

Virologe Christian Drosten hat sich für zeitlich befristete "Lockdowns" ausgesprochen, um die stark steigenden Neuinfektionen auszubremsen. Was sagen andere Experten zu der Idee?

Zwei Wochen lang Bars, Restaurants und Fitnessstudios schließen, aber nicht Schulen, Kitas und notwendige Geschäfte: Eine Idee, die auch in den heutigen Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder zur Corona-Krise Thema sein dürfte. "Wenn wir jetzt einmal auf die Bremse treten würden, dann hätte das einen ganz nachhaltigen Effekt. Das würde uns ganz viel Zeit einspielen", sagte Drosten in der neuen Podcast-Folge des "Coronavirus-Update". Die Länge solcher "Mini-Lockdowns" könne vorher klar festgelegt werden.

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Christian Drosten © picture alliance Foto: Christophe Gatea

Drosten im Corona-Podcast: Ein kurzer "Lockdown" wäre eine gute Idee

Der Virologe spricht sich für einen zeitlich befristeten "Lockdown" aus, um die stark steigenden Neuinfektionen auszubremsen. mehr

Jurist Becker: Maßnahme wäre durch Infektionsschutzgesetz gedeckt

Die Maßnahme wäre durch das Infektionsschutzgesetz gedeckt. Denn: Je größer die Gefahr, die droht, desto eher dürfe der Staat eingreifen, sagt Florian Becker, Jurist an der Universität zu Kiel: "Er muss nicht abwarten, bis die Katastrophe unmittelbar bevorsteht. Sondern er darf schon im Vorfeld kluge Maßnahmen treffen, um eine solche Gefahr für die Gesundheit der Menschen abzuwehren."

Becker für dezentrale Lösungen

Becker weist jedoch darauf hin, dass alle Maßnahmen verhältnismäßig sein müssen, damit sie nicht die Grundrechte verletzen. "Es wäre unverhältnismäßig zur Abwehr von Infektionsgeschehen in besonders belasteten Gebieten auch weniger belastete Gebiete unter eine solche Maßnahme zu stellen", so der Rechtswissenschaftler. "Von daher sind dezentrale Lösungen immer sinnvoller und verhältnismäßiger."

Physiker Brockmann: "Lockdown, der überall gilt, ist effektiver"

Gleichwohl: Ein "Lockdown", der überall gelte, sei effektiver, sagt Professor Dirk Brockmann, Physiker an der Berliner Humboldt-Universität und am Robert Koch-Institut (RKI). "Je früher, desto besser."

Der Sommer sei ein Schwelbrand gewesen. "Jetzt ist es wieder aufgeflammt und man muss sozusagen einmal sehr viel Wasser draufschütten, anstatt immer ein bisschen", so Brockmann, der sich unter anderem mit komplexen Systemen und Netzwerken beschäftigt.

"Die meisten Modelle zeigen eindeutig: Wenn man dem Virus für kurze Zeit das Futter nimmt, also eine kurze sehr starke Verringerung der Kontakte, dann kann es sich nicht weiter ausbreiten und dann gehen die Fallzahlen sehr viel schneller in den Keller."

Das Coronavirus © CDC on Unsplash Foto: CDC on Unsplash

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NDR Info | 28.10.2020 | 07:08 Uhr

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