Stand: 25.05.2020 16:22 Uhr

Leinen los - Fährbetrieb läuft wieder an

von Ines Bellinger, NDR.de
Bild vergrößern
Zwischen dem Festland und Wittdün auf Amrum verkehren jetzt wieder regelmäßig Fähren.

Ausflüge zu den Ostfriesischen und Nordfriesischen Inseln sind wieder möglich, der Katamaran "Halunder Jet" nimmt wieder Kurs auf Helgoland - nur auf die großen "Pötte" in Richtung der beliebten Urlaubsländer Dänemark, Schweden und Norwegen dürfen Touristen noch nicht. Nach den Lockerungen der Corona-Maßnahmen kehren die Fähranbieter im Norden nach und nach zum Regelbetrieb zurück - mit der Einschränkung, dass an Bord strenge Hygiene- und Abstandsregeln gelten. Und auch mit Preiserhöhungen müssen die Fahrgäste rechnen. Ein Überblick:

Ostfriesische Inseln

Der Fährverkehr zu den Ostfriesischen Inseln ist seit dem 11. Mai auch für Touristen wieder geöffnet. Allerdings werden nur Zweitwohnungsbesitzer befördert und Urlauber, die für mindestens sieben Tage eine Unterkunft gebucht haben. Allein auf Spiekeroog reisten am Wochenende 500 Gäste an - mit Mund-Nasen-Schutz und unter Einhaltung der Abstandsregeln. Tagestouristen sind von Borkum bis Wangerooge vorerst nicht zugelassen. Angesichts von Einnahmeausfällen werden die Ticketpreise für viele Fähren erhöht, nur Wangerooge und Baltrum haben bisher angekündigt, die Preise stabil zu halten.

Weitere Informationen
01:21
Hallo Niedersachsen

Borkum empfängt wieder erste Touristen

Hallo Niedersachsen

Nach der langen Zeit des Shutdowns können Touristen auf Borkum nun wieder Freiheitsgefühl schnuppern. Stück für Stück erobern sie sich den Strand der ostfriesischen Insel zurück. Video (01:21 min)

Nordfriesische Inseln

In Schleswig-Holstein dürfen Touristen seit Montag früh (18.05.2020) wieder auf die Inseln. Daher stellt die Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.) von Sonderfahrten, die zuletzt hauptsächlich Fracht, Insulaner und Handwerker nach Amrum und Föhr brachten, wieder auf den regulären Fahrplan um. Die ersten Fähren am Montagmorgen ab Dagebüll waren zumindest für Fahrzeuge ausgebucht. Auch für Dienstag sind die Fähren fast schon voll. "Der Anreiseverkehr, den wir sonst am Samstag und Sonntag haben, hat sich auf den Wochenanfang verlagert, weil erst jetzt wieder Urlauber zugelassen sind", sagte Nick Obert, Betriebsleiter der Reederei, NDR.de. Die Reederei hat ein zusätzliches Schiff im Einsatz, um das Reiseaufkommen zu entzerren.

Weitere Informationen

Nordsee-Inseln, Büsum und SPO über Feiertage für Tagesgäste dicht

Rund um Himmelfahrt und Pfingsten dürfen Tagestouristen nicht auf die nordfriesischen Inseln, Halligen, nach St. Peter-Ording und Büsum reisen. Helgoland wird für eine Woche gesperrt. mehr

Im Tagestourismus erwarten Obert und seine Kollegen einen sehr verhaltenen Start, zumal für die Nordfriesischen Inseln und Halligen ein Betretungsverbot zu Himmelfahrt und über Pfingsten erlassen wurde. "Es wird zudem viele Menschen geben, die während der Überfahrt lieber im Auto sitzen bleiben wollen. Das erlauben wir derzeit", sagte Obert. Anders als sonst ist auch, dass während der gesamten Fahrt ein Mund-Nasen-Schutz getragen und Abstand gehalten werden muss. Für die Sitze gibt es ein Ampelsystem - rot markierte sind gesperrt, auf grün markierten dürfen sich Passagiere niederlassen. Zum Thema Preiserhöhungen will sich die W.D.R. zunächst ein Bild machen, wie der Tourismus in den kommenden Wochen wieder anläuft. "Da gibt es von uns derzeit kein klares Ja oder Nein", sagte Obert.

Helgoland

Die FRS Helgoline, die den Katamaran-Verkehr von Hamburg und Cuxhaven nach Helgoland betreibt, legt seit 20. Mai nach regulärem Fahrplan wieder ab. Urlauber, die die Reise mit der "Halunder Jet" auf die Nordseeinsel antreten wollen, müssen beim Ein- und Auschecken und wenn sie sich auf dem Schiff bewegen, einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Um den geforderten Abstand einzuhalten, werden einzelne Sitze gesperrt. Das Einsteigen soll über mehrere Gangways erfolgen, das Aussteigen nach Sitzgruppen organisiert werden. Die Bord-Gastronomie hat ihr Angebot eingeschränkt.

Nach Angaben von Tim Kunstmann, Geschäftsführer von FRS Helgoline, gibt es an allen Tagen noch freie Kapazitäten auf den Schiffen. Das hängt auch damit zusammen, dass Helgoland für Tagestouristen ein vorläufiges Betretungsverbot erlassen hat, das vom 18. Mai zunächst für eine Woche gilt. Teurer soll die Reise nach Helgoland vorerst nicht werden. "Wir  haben zwar erhebliche Verluste gemacht, planen nach derzeitigem Stand aber keine Preiserhöhungen", sagte Kunstmann.

Sylt

Bild vergrößern
Kurs Helgoland: Der Katamaran "Halunder Jet" legt vom 20. Mai an wieder von Hamburg und Cuxhaven ab.

Die FRS Helgoline betreibt auch die Sylt-Fähre zwischen Havneby auf Rømø und List auf Sylt. Seit 24. Mai erlaube Dänemark Fährpassagieren wieder das Passieren der deutsch-dänischen Grenze, teilte Kunstmann mit. Voraussetzung sei eine Buchungsbestätigung der Sylt-Fähre und der Unterkunft beziehungsweise des Campingplatzes auf Sylt. Dänemark dürfe nur Transitland sein. Seit 18. Mai ist die Reederei wieder mit einem zweiten Schiff auf der Route unterwegs. Passagiere, die mit dem Fahrzeug befördert werden, dürfen im Auto sitzen bleiben, wenn sie das wünschen.

Norwegen

Die großen Fähranbieter auf der Ostsee sind noch mit halber Kraft unterwegs und warten auf eine Entscheidung der Behörden über Grenzöffnungen. Derzeit befördern die großen "Pötte" meist nur wenige Lastwagen und Autos.

Weitere Informationen

Corona: Auswirkungen auf Color Line und Stena Line

Die norwegische Reederei Color Line, die normalerweise die Fährstrecke Kiel-Oslo bedient, stellt knapp 2.000 Mitarbeiter frei. Bei der Stena Line drohen sogar Kündigungen. mehr

"Wir rechnen damit, dass wir im Sommer den Fährbetrieb wieder aufnehmen können und bereiten uns intensiv auf den Start vor", sagte Dirk Hundertmark, Geschäftsführer der Color Line in Deutschland, die die Fährlinie Kiel - Oslo betreibt. Ein umfassendes Hygienekonzept stelle sicher, dass sämtliche Auflagen und Empfehlungen der EU-Kommission und der Länderbehörden im Zusammenhang mit der Covid-19 Pandemie eingehalten werden. So sollen die Schiffe mit geringerer Auslastung fahren, um dafür Sorge zu tragen, dass soziale Distanz sowohl an Bord als auch in den Terminals ohne Weiteres möglich ist. Kabinen, Sanitäreinrichtungen und sämtliche öffentlich zugänglichen Einrichtungen würden regelmäßig desinfiziert. Büfetts werde es an Bord nicht mehr geben, es werde am Tisch serviert.

"Wir gehen davon aus, dass es im Markt auch und gerade in der derzeitigen Lage ein großes Bedürfnis nach Urlaub gibt, insbesondere in Regionen, in denen das Risiko einer Covid-19-Ansteckung extrem niedrig ist. Norwegen gehört mit einem vergleichsweise sehr niedrigen Infektionsgeschehen mit Sicherheit dazu", sagte Hundertmark. "Wir sind daher in Bezug auf die Nachfrage im Markt optimistisch." Eine Preiserhöhung sei derzeit nicht geplant.

Dänemark

Von Rostock legt alle zwei Stunden eine Scandlines-Fähre nach Gedser ab - seit Mitte März transportieren die Schiffe der deutsch-dänischen Reederei nur noch Lastwagen, die unter anderem Medikamente und Lebensmittel geladen haben, und wenige Privatpersonen, die entweder einen triftigen Grund für die Einreise nach Dänemark angeben oder nachweisen können, dass sie nach Schweden weiterreisen. Derzeit sind nur etwa zehn Prozent der Passagiere an Bord, die normalerweise um diese Zeit mit der Fähre befördert würden. "Wir freuen uns sehr darauf, weit mehr Passagiere an Bord zu sehen, sobald die Grenze wieder offen ist", sagte Scandlines-Sprecherin Anette Ustrup Svendsen NDR.de. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hat eine Entscheidung noch vor dem 1. Juni in Aussicht gestellt.

Weitere Informationen

Dänemark stellt Öffnung für Touristen in Aussicht

Sommerurlaub im Ferienhaus in Dänemark - für viele Deutsche könnte das trotz Corona-Krise doch noch etwas werden. Aussagen der Regierungschefin von Schleswig-Holsteins Nachbarland machen Hoffnung. mehr

Scandlines bedient auch die Route Puttgarden - Rødby. Auf allen Schiffen seien Markierungen angebracht worden, damit die Passagiere auf genügend Abstand achten, sagte Svendsen. Oberflächen würden stündlich und nach Bedarf desinfiziert, in den sanitären Einrichtungen seien Plakate mit Anweisungen zum richtigen Händewaschen aufgehängt worden. Statt eines Büfetts gibt es Gerichte portionsweise.

Scandlines transportiert laut Svendsen in einem normalen Sommer 700.000 Pkw. an diese Marke ist in diesem Jahr nicht zu denken. "2020 wird wohl ein Jahr, das wir aus dem Kalender reißen müssen", sagte die Sprecherin. In früheren Krisen habe Scandlines aber gezeigt, dass sich der Betrieb relativ schnell wieder erholen könne.

Schweden

Die schwedische Reederei Stena Line hat auf den Routen Kiel - Göteborg und Rostock - Trelleborg seit Beginn der Corona-Pandemie den regelmäßigen Fahrplan aufrechterhalten. Lediglich die Abfahrt sonnabends auf der Kiel-Route wird bis voraussichtlich Ende Mai nicht angeboten. Transportiert werden nach Angaben des Unternehmens unverändert Fracht und eingeschränkt Passagiere, hauptsächlich Berufspendler, Frachtbegleiter und Rückkehrer in ihre Heimatländer. Die Route Sassnitz-Trelleborg wurde Mitte März eingestellt.

Neben den üblichen Hygienevorschriften und Maßnahmen zur Einhaltung des Sicherheitsabstandes wurden nach Angaben eines Sprechers Plexiglasscheiben an Kassen angebracht, zudem muss das Personal Handschuhe tragen. Vorübergehend geschlossen wurden auf den Schiffen Saunas, Spas und Spielecken. Nach dem drastischen Rückgang der Passagierzahlen sei Stena Line in der Lage, kurzfristig auf eine wieder verstärkte Nachfrage zu reagieren - abhängig von den Entscheidungen der Behörden. Derzeit empfiehlt die Regierung in Schweden, nicht notwendige Reisen bis zum 15. Juli zu unterlassen. Eine Preisanpassung plane Stena Line nicht, hieß es.

Auch die Lübecker Fährreederei TT-Line verkehrt auf den Routen Travemünde-Trelleborg und Rostock-Trelleborg planmäßig. Um die Sicherheit der Passagiere zu gewährleisten wurden umfangreiche Vorkehrungen wie kontaktloser Check-in und Abstandsmarkierungen getroffen.

Weitere Informationen

Fährschifffahrt leidet unter Corona-Krise

Auf vielen Fähren herrscht wegen der aktuellen Corona-Krise gähnende Leere. Das Personengeschäft ist meist komplett weggebrochen. Nur noch Lkw dürfen an Bord. mehr

Stena Line schließt Route Sassnitz-Trelleborg

Die traditionsreiche Fährverbindung zwischen Sassnitz und dem schwedischen Trelleborg wird dauerhaft geschlossen. Infrastrukturminister Pegel nahm die Entscheidung mit Bedauern auf. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 17.05.2020 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten

02:30
Hallo Niedersachsen
02:33
Schleswig-Holstein Magazin
02:30
Hamburg Journal