Jemand wählt auf seinem Smartphone den Notruf 112. © picture alliance / dpa-tmn | Franziska Gabbert Foto: Franziska Gabbert

Ausfall der Notrufnummern 110 und 112 wohl Software-Panne

Stand: 11.11.2021 14:44 Uhr

In vielen Bundesländern sind am Donnerstagmorgen zeitweise die Notrufe von Polizei und Feuerwehr ausgefallen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz verbreitete amtliche Gefahrendurchsagen. Die Telekom vermutet ein missglücktes Software-Update als Auslöser.

In Hamburg sagte die Rettungsleitstelle NDR.de, die Notrufnummern 110 und 112 seien von 4.30 Uhr bis 5.50 Uhr nicht erreichbar gewesen. Um 8 Uhr meldete die Feuerwehr, alles sei wieder voll funktionsfähig und bat darum: "Dass der Notruf wieder funktioniert, braucht jetzt niemand auszuprobieren, das haben wir bereits umfassend getestet." Auch während des Ausfalles seien die Feuer- und Rettungswachen der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehren für Hilfesuchende über die Telefonnummer 42851-4999 erreichbar gewesen sowie über die Notruf-App Nora.

Auch Störungen in Niedersachsen mittlerweile behoben

In Niedersachsen hielten die Störungen regional noch etwas länger an - unter anderem in Stadt und Landkreis Osnabrück. Aber auch dort gab die Leitstelle mittlerweile Entwarnung. Zuvor ging in Niedersachsen von Aurich bis Göttingen, von Cuxhaven bis in die Grafschaft Bentheim nichts mehr - auch die Amtsnummern von Polizei und Feuerwehr waren mitunter nicht nutzbar. Inzwischen seien alle Nummern wieder erreichbar, sagte das Lagezentrum des Innenministeriums dem NDR in Niedersachsen.

Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ebenfalls betroffen

Auch in Schleswig-Holstein fielen die Notrufleitungen am frühen Morgen aus - außer im Kreis Herzogtum Lauenburg. In ganz SH ist die Störung nach Polizeiangaben inzwischen behoben. Eine Sprecherin des Lagedienstes für Schleswig-Holstein sagte, ersten Erkenntnissen zufolge habe es keine größeren Notfälle in der Zeit des Ausfalls gegeben.

In Mecklenburg-Vorpommern waren die Leitungen landesweit ausgefallen. Die Störung dauerte aber - je nach Region - unterschiedlich lang. Im Westteil des Landes war auch die Rettungsleitstelle betroffen. Inzwischen funktionieren die 110 und die 112 aber wieder, wie Sprecher der Polizeipräsidien Rostock und Neubrandenburg erklärten.

Telekom geht von Fehler bei Software-Installation aus - kein Hackerangriff

Die Telekom, die die technische Infrastruktur für den Notruf bereitstellt, teilte am Mittag auf Anfrage mit: "Ursächlich für die Störung war vermutlich die Einbringung einer neuen Software, die zuvor ausführlich getestet worden war und keinerlei Auffälligkeiten gezeigt hatte. Einen Hackerangriff können wir aktuell ausschließen", sagte ein Sprecher. Die detaillierte Analyse laufe noch. Hinweise auf einen Cyberangriff lagen auch dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nicht vor. Die Telekom habe die Störung gemäß den gesetzlichen Bestimmungen dem BSI und der Bundesnetzagentur gemeldet.

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Viele Bürgerinnen und Bürger waren über Ansagen im Rundfunk, Online-Berichte wie hier bei NDR.de sowie über die Warn-Apps Nina und Katwarn am frühen Morgen auf die Probleme hingewiesen worden mit der Bitte, sich gegebenenfalls direkt bei den Polizeistellen vor Ort zu melden. "Die Notrufnummern sind enorm wichtig, denn bei einem Schlaganfall oder einer anderen Notlage zählt jede Minute", sagte der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Armin Schuster. Der Austausch mit der Telekom zu der Störung sei sehr schnell und reibungslos gewesen. Die Landesinnenministerien seien dadurch zügig informiert worden, so dass regional sehr schnell Warnmeldungen zu dem Ausfall veröffentlicht worden seien.

Noch weitere Bundesländer betroffen

Auch aus anderen Bundesländern waren Ausfälle gemeldet worden - unter anderem aus Bayern, Berlin, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen. In Köln wurde zeitweise zudem ein großflächiger Ausfall von Strom, Telefonnetz und Trinkwasser gemeldet. Um 06.20 Uhr wurde hingegen nur noch eine Störung des Notrufs mitgeteilt.

Überregionale Störung auch schon Ende September - Tipps für Notfälle

Einen überregionalen, vorübergehenden Ausfall der beiden Notrufnummern hatte es in Deutschland bereits am 29. September gegeben. Grund war damals eine bundesweite Störung im Netz der Deutschen Telekom gewesen. Auch in der Schweiz hatte es in den letzten Monaten Probleme mit den Notrufen gegeben. Hintergrund ist nach Meinung des NDR Rettungsdienst-Experten Thomas Eckert vermutlich die Umstellung der Notruf-Netze auf das internetbasierte System VoIP. Er sagte, auch in der Zukunft sei mit solchen Ausfällen zu rechnen.

Eckert rät Bürgerinnen und Bürgern, sich grundsätzlich mit der Möglichkeit von Ausfällen von Internet oder Stromnetz zu befassen. Zum Beispiel sei es gut zu wissen, wo sich im eigenen Umfeld die nächste Polizei- oder Feuerwehr-Dienststelle befindet, um in Notfällen auch ohne Telefon Hilfe organisieren zu können. Außerdem solle man sich mit den Hinweisen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe befassen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 11.11.2021 | 06:00 Uhr

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