Stand: 17.05.2019 16:05 Uhr

Pro und Kontra: Die Elektro-Tretroller kommen

Nun ist klar: Elektro-Tretroller - auch E-Scooter genannt - werden in Zukunft zum deutschen Straßenbild gehören. Der Bundesrat hat am Freitag dem Plan von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zugestimmt, allerdings mit Einschränkungen. Bisher ist der Einsatz auf öffentlichen Flächen verboten.

Die NDR Info Redakteure Markus Plettendorf und Ferdinand Klien haben unterschiedliche Ansichten zu den Elektro-Rollern. Wie ist Ihre Meinung? Schreiben Sie uns - unten auf dieser Seite.

Pro

"Die Elektro-Roller machen einfach richtig Spaß", meint Markus Plettendorf.

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Redakteur Markus Plettendorf fährt schon länger mit solch einem Elektro-Roller. (Archivbild)

Da streiten und diskutieren wir über Kohlendioxid-Belastungen, krankmachende Stickoxide, Dieselfahrverbote und natürlich über den täglichen Stau auf dem Weg zu Arbeit. Und was machen wir, sobald eine Alternative zum geliebten Auto erscheint? Wir diskutieren wieder: über Unfallgefahren, Mindestalter und darüber, ob die Radwege für Elektro-Roller nicht zu eng, zu voll oder zu kaputt sind. Ich fahre bereits seit einem Jahr mit so einem Gerät. Natürlich nicht im öffentlichen Straßenverkehr.

Als begeisterter Radfahrer sehe ich dem Ganzen gelassen entgegen. Mit Lasten- und Kindertransportfahrrädern mit Überbreite oder flotten Pedelec-Nutzern, die ihr Rad nur eingeschränkt beherrschen, komme ich ja auch klar. Die E-Roller machen einfach richtig Spaß und sind vor allem für Pendler eine echte Alternative zum Auto. Und im Gegensatz zur Fahrradfahrt ins Büro sind die Dinger auch noch anzugtauglich.

Die geplanten Regeln finde ich gut: mindestens zwei Bremsen, rauf auf den Radweg und eine Versicherung. Ich freue mich drauf, künftig ohne die Sorge der Beschlagnahme meines Spaßgeräts damit zur Arbeit fahren zu können. Und apropos Leihroller: Da ärgere ich mich doch lieber über ein paar unordentlich abgestellte Scooter als über den fetten SUV mit der eingebauten Vorfahrt.

Kontra

"In den Städten gibt es keinen Platz für ein weiteres Verkehrsmittel", meint Ferdinand Klien.

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Redakteur Ferdinand Klien glaubt nicht daran, dass E-Roller-Nutzer sich an das Verbot, auf dem Bürgersteig zu fahren, halten werden.

Das Ja des Bundesrates zu den E-Rollern ist ein erneuter Beweis politischer Verantwortungslosigkeit. Denn in der autogerechten Stadt gibt es keinen Platz für ein weiteres Verkehrsmittel. Naiv ist auch zu glauben, die E-Roller-Nutzer hielten sich brav daran, nicht auf Fußwegen zu fahren und nur bei Grün über die Ampeln zu sausen.

Und: Soll ein 14-Jähriger, der sich doch an die Regeln hält, wirklich mit Tempo 20 auf der Straße rollen, weil es gerade keinen Radweg gibt? Unfallforscher warnen zu Recht vor einem weiteren Anstieg der Zusammenstöße, oft mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma als Folge.

Doch die Politik weigert sich, entgegen der Forderung des Verkehrssicherheitsrates, eine Helmpflicht mit der Zulassung zu verbinden. Sie weiß auch nicht, wo der Platz zum Parken der E-Roller herkommen soll. Und was ist mit den giftigen Akkus, wenn ein Leih-E-Roller nach durchschnittlich drei Monaten Nutzung nur noch Schrottwert hat?  

Ungeklärt bleibt auch die Frage der Mitnahme in U- und S-Bahnen: morgendliche Rush-Hour und munter mal eben zehn E-Roller, die mit ins Abteil drängen? Deutschland braucht endlich eine Verkehrswende, die das Auto in den Städten zurückdrängt, dann hätten Fahrrad, E-Roller und Fußgänger genug Raum und wir alle mehr Lebensqualität.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 17.05.2019 | 17:08 Uhr

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