Stand: 01.01.2018 00:01 Uhr

Violoncello ist Instrument des Jahres 2018

von Sabine Lange
Das Wort Violoncello stammt aus dem Italienischen. Die deutsche Bezeichnung war früher auch Bassgeige oder kleine Bassgeige.

Das Violoncello ist das "Instrument des Jahres 2018". Mitte November hatten sich Landesmusikräte aus mehreren Bundesländern auf das Instrument geeinigt. Das Cello löst die Oboe ab, die für das Jahr 2017 gekürt worden war. Das Projekt "Instrument des Jahres" gibt es seit 2008. Ziel ist es, mit vielen begleitenden Aktionen Interesse für das Instrument und seine Bedeutung zu wecken.

Eines ist klar: Leicht ist es nicht, auf dem langen Griffbrett des Violoncellos die exakt richtige Stelle der Saite zu finden, um durch Herunterdrücken der Finger saubere Töne hervorzubringen. Ein gutes Gehör und eine Menge Übung gehören dazu. Das betrifft nur die linke Hand der Cellisten, sie müssen aber auch noch lernen, die rechte zu koordinieren, die den Bogen führt.

"Ich habe den Klang des Cellos gleich gemocht"

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Cellist Jan Vogler hat den Klang des Cellos sofort gemocht.

Johann Sebastian Bachs legendäre Solo-Suiten gehören in jede Ausbildung eines Cellisten. Der Vater aller modernen Cellisten, Pablo Casals, wollte keinen Tag beginnen, ohne Bach gespielt zu haben. Wer dieses jahrhundertealte Melodie-Instrument Cello ernst nimmt und ihm sein Leben widmet, der hat oft schon als Kind Zugang gefunden. So wie Cellist Jan Vogler. "Ich habe den Klang des Cellos gleich gemocht", sagt er. "Und war sehr zufrieden mit der Wahl. Ich sehe es mehr wie ein Wissenschaftler, der für sich entschieden hat, sich sein ganzes Leben mit einem Thema zu befassen. Mir macht es einfach Spaß Cello zu spielen. Ich langweile mich damit nie und ich habe das Gefühl, dass ich den Rest meines Lebens damit verbringen möchte", meint Vogler und fügt schmunzelnd hinzu: "Um herauszufinden, wie ich diese clever zusammengeleimten Holzstücke noch besser zum Leben erwecken kann."

Feurige Attacke und eruptive Erotik

Das Dvořák-Cellokonzert gehört zu den beliebtesten und berüchtigtsten. Es stellt gewaltige technische und musikalische Anforderungen an den Cellisten. Die Zeit der Romantik ist eine Blütezeit des Cellos. In konzertanter Musik, Orchestermusik, Kammermusik und in der Oper. Komponisten wie Verdi oder Puccini haben die emotionale Qualität des Cellos gezielt eingesetzt. "Spielt Puccini nicht immer Cello, wenn er seinem blut- und glutvollen Tenor die Hand reicht?", fragt der Musikwissenschaftler Ernst Krause. Von den Paradiesen brennender Schönheit ist bei ihm die Rede, von feuriger Attacke und eruptiver Erotik. Lange Zeit war es Frauen verboten, öffentlich Cello zu spielen. Als zu anzüglich galt die Haltung des Instruments zwischen den Beinen.

Violoncello musste sich seinen Platz erst erobern

Das Violoncello musste sich seinen Platz unter den Streichinstrumenten erst erobern. Sein tiefer Klang galt früher als der "himmlischeren Geige" unterlegen. Anfang des 18. Jahrhunderts kam es zu einem symptomatischen Vorfall. Der Cellist Antonio Tonelli forderte einen Violinisten zu einer Art Duell im Konzertsaal. Das soll ein spektakuläres Ereignis gewesen sein, das das Publikum zu Tumulten hinriss. Joseph Haydn komponierte dann als einer der ersten prominenten Musiker bis heute populäre, höchst virtuose Cellokonzerte.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 01.01.2018 | 16:20 Uhr

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