Stand: 21.01.2019 15:55 Uhr

Verdis "Maskenball": Spielfreude in Neustrelitz

von Heiko Kreft

Ziemlich genau 160 Jahre nach der Uraufführung in Rom hat Verdis Oper "Ein Maskenball" am Sonnabend Premiere am Landestheater Neustrelitz gefeiert. Die Inszenierung von Regisseur Lothar Krause ist ein Wagnis: Sie verlegt die Geschichte nach Neustrelitz.

Die Erwartungen sind hoch, als sich im Landestheater Neustrelitz der Premierenvorhang hebt. Guiseppe Verdis "Ein Maskenball" wird neu interpretiert als Geschichte der letzten Tage des letzten Großherzogs von Mecklenburg-Strelitz. Im Februar 1918 nahm sich Adolf Friedrich VI. das Leben. Sein Motiv liegt bis heute im Dunklen. Düster ist zunächst auch das Bühnenbild: Trauernde im Halbdunkel. Der Ort der Handlung ist für Kenner sofort klar: die Schlossinsel in Mirow. Das Grabmal von Adolf Friedrich, noch kurz vor seinem Tod von ihm selbst entworfen, prägt die Bühne. "Gott ist Liebe" steht darauf.

Tenor Jenish Ysmanov mit weiteren Darstellern in der Inszenierung von Verdis "Ein Maskenball" im Theater Neustrelitz.

Verdi-Oper "Ein Maskenball" neu erzählt

Nordmagazin -

Am Theater Neustrelitz hat Verdis Oper "Ein Maskenball" Premiere gefeiert. Regisseur Lothar Krause ist dabei ein Wagnis eingegangen: Er hat die Handlung nach Mecklenburg verlegt.

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Opern-Neuinterpretation des "Maskenballs" mit historischer Figur

Unerfüllbare Liebe - das ist für Regisseur Lothar Krause die Verbindung zwischen Verdis Original-Geschichte und dem, was der junge Strelitzer Großherzog real erlebte. Aber: Reicht das aus für eine zweieinhalb Stunden lange Neu-Interpretation vom "Maskenball"? Regisseur Krause erklärt: "Das Ganze ist ein riesiges Experiment. Ich habe noch nie für eine Produktion so viel historische Recherche betreiben müssen wie jetzt."

Spurensuche in Archiven, Museen und an historischen Orten

Hintergründe

Der mysteriöse Tod des Großherzogs

1918 kommt der letzte Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, Adolf Friedrich VI., ums Leben. Offenbar hat sich der Monarch selbst getötet. Über die Motive wird bis heute spekuliert. mehr

Im Archiv, im Museum, sogar am realen Ort des Suizids, ging Krause auf Spurensuche: "Das war einer der emotionalsten Momente. Wenn man sich ein halbes Jahr nur damit beschäftigt und so nah dran ist an einer Figur, dann macht das mit einem selbst extrem viel."

Behutsame Eingriffe in Verdis Werk

Krauses Eingriffe in Verdis Werk sind behutsam. Figuren wurden umbenannt, einige neu hinzugefügt. Überdeutliche Fingerzeige gibt es nicht: "Wer nur Guiseppe Verdis 'Maskenball' sehen will, sieht Verdis 'Maskenball'. Der Zuschauer, der von hier kommt und sich mit seiner Geschichte und mit seiner Heimat auseinandersetzt, der wird sehr viel mehr sehen", so Krause.

Der 33 Jahre alte in Schwerin aufgewachsene Künstler ist seit 2015 Operndirektor am Theater Hof und Verdi-Spezialist. "Rigoletto", "Nabucco", "La Traviata" - er inszenierte unter anderem in Darmstadt und an der Dänischen Nationaloper in Aarhus. Der Neustrelitzer "Maskenball" ist sein Opernregie-Debüt in Mecklenburg.

Fantastische Kostüme von Pascal Seibicke

Wirkungsvoll sind in Neustrelitz die mehr als 100 Kostüme von Ausstatter Pascal Seibicke. Viele sind mit historischen Fotos des alten Neustrelitz bedruckt. Bei seinen Recherchen in Neustrelitz spürte Regisseur Krause auch, wie sehr das Schloss-Thema und die Vergangenheit die Einwohner beschäftigt.

Die Vergangenheit wird, mit erwartbar dramatischem Ausgang, an diesem Opernabend durchaus lebendig. Nicht zuletzt der Spielfreude von Sonja Maria Westermann als Daisy von Pless, Nana Dzidziguri als Schicksal und Jenish Ysmanov als Adolf Friedrich VI..

Verdis "Maskenball": Spielfreude in Neustrelitz

Vor 160 Jahren feierte Verdis Oper "Ein Maskenball" Uraufführung in Rom. Nun verlegte Lothar Krause deren Handlung nach Mecklenburg. Am Wochenende hatte das Stück Premiere.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Landestheater Neustrelitz/Großes Haus
Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 14
Neustrelitz  17235
Telefon:
(039 81) 2770
Preis:
16 bis 26 Euro
Kartenverkauf:
Karten im Webshop des Theaters, per Telefon unter (03981) 277 126 und an der Abendkasse (ab eine Stunde vor Vorstellungsbeginn)
Hinweis:
Ein Maskenball
Oper von Giuseppe Verdi

Regie: Lothar Krause
Musikalische Leitung: Sebastian Tewinkel
Ausstattung: Pascal Seibicke

Mit Nana Dzidziguri, Ryszard Kalus, Robert Merwald, Sebastgian Naglatzki, Laura Schwerwitzl, Sonja Maria Westermann, Hyoung-Lun Lim
mit dem Opernchor und einem Extrachor Chor Coruso e.V., Statisterie und der Neubrandenburger Philharmonie
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 21.01.2019 | 19:05 Uhr

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