Stand: 17.09.2019 05:00 Uhr

Reiners: "Ich will zeigen, wie modern wir sind"

Benjamin Reimers wurde 1983 in Duisburg geboren. Er studierte unter anderem an der Hochschule für Musik in Köln. Sein erster Aufrag in Kiel: die Open-Air-Inszenierung von "Aida".

Das Theater Kiel hat einen neuen Generalmusikdirektor: Benjamin Reiners tritt in die Fußstapfen seines Vorgängers Georg Fritzsch. Reiners stammt aus Duisburg - er lebte in München, Hannover und Mannheim - aber noch nie am Meer. Seinen ersten Auftritt hat er inzwischen hinter sich. Im Interview verrät er unter anderem, dass ihn die großen Fußstapfen seines Vorgängers eher herausfordern als einschüchtern.

Sie sind ja im Frühjahr schon nach Kiel umgezogen - sind Sie denn schon angekommen im Norden?

Benjamin Reiners: Ich bin auf jeden Fall schon im Norden angekommen. Und ich muss sagen - wir hatten bisher immer nur bestes Wetter. Also wir hatten bei "Aida" bestes Wetter. Wir konnten acht Mal bei fast sommerlich, tropischen Temperaturen spielen. Und ich habe hier den ganzen Sommer als sehr angenehm empfunden.

Ihr Vorgänger Georg Fritzsch war 16 Jahre lang hier. Der war sehr beliebt und hat viel bewegt. Viele haben von großen Fußstapfen gesprochen. Hat Sie das vorab eingeschüchtert?

Reiners: Nein - nicht eingeschüchtert, eher herausgefordert. Ich liebe Herausforderungen. Und Georg Fritzsch und ich haben ein tolles Verhältnis. Wir haben uns auch toll ausgetauscht. Ich finde es super, dass ich in so große Fußstapfen trete. Aber ich habe mir auch vorgenommen, sie gut auszufüllen.

Dirigent in Aktion

Festtag für neuen Kieler Generalmusikdirektor

Schleswig-Holstein Magazin -

Benjamin Reiners, der neue Chefdirigent des Kieler Philharmonischen Orchesters, hat sein erstes Konzert gegeben. Rund um dieses Konzert wurde ein Programm gestrickt, um ihn willkommen zu heißen

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Welche Tipps hat er Ihnen denn mitgegeben?

Reiners: (lacht) Das verrate ich nicht.

Aber Sie haben doch bestimmt über die Musiker gesprochen. Viele Orchestermusiker sind seit vielen Jahren dabei, haben ihre Rituale und Gewohnheiten. Wie wollen Sie die alle schnell auf Ihre Seite bekommen?

Reiners: Ich habe in meinen ersten Wochen, in denen ich hier geprobt und gearbeitet habe, ganz offene Gesichter, ganz offene Herzen und offene Musiker empfunden. Und ich habe auch eine große Neugier auf Neues gespürt und eine große Bereitschaft, sich auf neue Dinge einzulassen. So macht das Arbeiten richtig Spaß.

Bei Ihrer letzten Stelle am Mannheimer Nationaltheater haben Sie auch die komplette musikalische Bandbreite bedient: Musical, Operette, Barock-Oper. Was soll hier der Stempel des Generalmusikdirektors (GMD) Reiners sein?

Reiners: Das ist mir schon wichtig, breit aufgestellt zu sein. Ich will nicht nur der GMD sein, der die großen, dicken, fetten Schinken dirigiert. Ich möchte mich in vielen Stilbereichen und eine große stilistische Bandbreite zeigen. Auch was die Konzertformate und das Publikum angeht - ich möchte auch Kinderkonzerte und Familienkonzerte oder Programme für Studenten machen. Ich möchte der GMD für alle Kieler sein.

Ihr erklärtes Ziel ist ja, auch Jüngere in die Säle zu holen. Sie sagten mal, dass Sie aus einem Elternhaus kommen, das selbst mit Klassik und Hochkultur überhaupt nichts am Hut hatte. Ist das von Vorteil?

Reiners: Ja, vielleicht. Es kann sein, dass es bei mir viel mit Glück zu tun hatte, dass ich tolle Konzerte und Aufführungen schon als Jugendlicher erlebt habe. Die haben diese Liebe zur klassischen Musik geweckt. Ich will zeigen, wie gut wir sind - aber auch wie jung und modern wir sind. Ich will nicht nur, dass die Leute zu uns kommen, wir gehen auch zu denen.

Das Interview führte Eva Diederich, NDR Schleswig-Holstein.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 16.09.2019 | 19:30 Uhr

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