Stand: 07.02.2019 13:10 Uhr

Schleswiger Dom-Orgel geht in Dornröschenschlaf

von Anina Pommerenke

Seit knapp einem Jahr ist der Schleswiger Dom für Sanierungsarbeiten in ein Gerüst gehüllt. Und jetzt geht es auch im Inneren ans Eingemachte. Bevor es da so richtig losgehen kann, muss allerdings noch die Große Domorgel eingehaust, also baustellensicher umhüllt werden. Für drei Jahre versinkt sie nun in einen Dornröschenschlaf.

Die Orgelbauer haben ganz schön zu kämpfen, als sie die 400 Quadratmeter dicke weiße Plastikfolie auf den Kirchenbänken ausbreiten müssen. Ein Kraftakt für das dreiköpfige Team. Von den Bänken muss die schwere Folie dann über Baugerüste auf die hohe Orgel und das freihängende Rückpositiv gezogen werden - zum Schutz vor äußeren Einflüssen während der Renovierungsarbeiten, erklärt Ansgar Gaulke: "Na sie muss staubdicht und gasdicht sein. Wir schaffen dann in der Orgel ein Kleinklima, dass die Orgel nicht leidet."

Die Schleswiger Dom-Orgel vor den Sanierungsarbeiten

Der Fachmann von der Orgelwerkstatt Karl Schuke ist extra aus Berlin angereist. Die Firma hatte das Instrument vor neun Jahren restauriert und erweitert. Trotzdem wartete bei den Arbeiten noch eine Überraschung, erinnert sich Ansgar Gaulke: "Was wir nicht wussten, dass Fledermäuse in der Orgel sind. Jetzt müssen wir den Tieren Ausfluglöcher schaffen. Das haben wir schon öfter, dass Fledermäusen raus und rein fliegen, aber dass die hier im Dom wohnen, das ist mir auch neu!"

Baustellen-Parcours für den Organisten

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Das Rückpositiv der Orgel ist bereits gut verpackt.

Die Fledermauskolonie geht auf der Empore zwischen den Pfeifen der Großen Orgel durch ein kleines schwarzes Loch in den alten Gemäuern ein und aus. So teilen sie sich das Reich mit dem Domorganisten Rainer Selle. Dieser tastet sich vorsichtig durch das Baustellenchaos und den Gerüst-Dschungel auf der Empore entlang: "Ich muss aufpassen, dass ich nicht stolpere. Ich sehe hier, dass ich gar nicht mehr durch die zwei Orgelgehäuse durchgehen kann, um zu meinen Notenschränken zu kommen. Da ist natürlich viel Dreck und Staub und man riecht es direkt."

Seit 21 Jahren ist Selle Organist im Schleswiger Dom. Bei der Renovierung des Instruments hat er viele eigene Anregungen eingebracht und umgesetzt. Für ihn ist die Einhausung mit viel Wehmut verbunden. Denn nächstes Jahr geht er in Rente. "Das ist wirklich eine persönliche Sache, denn man wächst ja auch mit dem Instrument zusammen. Natürlich kann ich mir schöne Orgeln außerhalb Schleswigs aussuchen und spielen. Aber das hier ist auch wirklich meine Orgel gewesen."

Abschied mit Schmerzen

Beim letzten Konzert im Januar hat der Organist noch einmal alles aus seinem Instrument herausgeholt und war dann nach dem Konzert sichtlich ergriffen: "Das wird noch schmerzen. Jetzt im Moment hab ich sie noch im Gespür und im Herzen. Es ist ja eine wunderbare Stelle hier im Dom. Ohne diese große Orgel geht es eigentlich nicht."

Ganz auf Kirchenmusik verzichten muss die Gemeinde während der Dom-Renovierung nicht. Selle kann auf eine zweite kleinere Orgel zurückgreifen und bis zu seinem Ruhestand weiter spielen. Und: Ein neuer Organist wird erst dann eingestellt, wenn die große Orgel wieder ausgepackt und gesäubert ist. Vielleicht bekommt Selle dann die Chance, sie aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken!

 

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Dieses Thema im Programm:

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