Stand: 15.05.2019 17:12 Uhr

Orgelspiele MV beginnen in Zarrentin

von Axel Seitz
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Die jüngste Orgel, die während der Orgelspiele gespielt wird, steht in der Katholischen Kirche Wittenburg.

Rund 1.000 Orgeln gibt es in den Kirchen von Mecklenburg und Vorpommern. Wie sie klingen und welche manch ungewöhnliche Geschichte diese Instrumente haben, ist meist nur den Besuchern von Gottesdiensten und kleineren Konzerten bekannt. Diese Orgeln über die lokalen Grenzen hinaus bekannt zu machen, diesem Anliegen haben sich die Orgelspiele Mecklenburg-Vorpommern verschrieben, die in diesem Jahr ihre Premierensaison feiern.

"Orgelfestivals sind ja keine Seltenheit, es gibt sie in vielen Regionen Deutschlands und wir sollten so etwas hier auch haben", sagt Friedrich Drese. Er ist nicht nur Experte für die Königin der Instrumente, sondern auch seit Jahren Leiter des Mecklenburgischen Orgelmuseums in Malchow. Vor zwei Jahren haben sich interessierte Orgelfreunde rund um Friedrich Drese gefunden, mit dem Anliegen "Menschen vor Ort für ihre Instrumente zu begeistern, als auch nach außen hin zu vermitteln, dass wir hier wertvolle Instrumente haben."

Für die Premiere der Orgelspiele Mecklenburg-Vorpommern wurden drei Regionen ausgesucht. Einmal um Neustrelitz und Wesenberg im östlichen Mecklenburg, dann zwischen Brüel und dem Kloster Rühn mitten im Herzen des Landes sowie im Westen zwischen Wittenburg und Zarrentin. Hier gibt es am 16. Mai auch den Auftakt für das neue Musikfest, wenn am Abend Franz Danksagmüller unter anderem Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Georg Friedrich Händel auf der Winzer-Orgel von 1844 spielt. Bis zum 2. Juni folgen 14 weitere Konzerte.

Die Orgeln in Mecklenburg-Vorpommern

"Friedrich Wilhelm Winzer war Thüringer und kam mit seinem Chef Johann Friedrich Schulze nach Wismar, um in der Marienkirche der Hansestadt eine große Orgel aufzubauen. Dort hat er gemerkt, dass er sich in Mecklenburg selbstständig machen könnte und hat dann 1840 seine Werkstatt in Wismar gegründet", weiß Friedrich Drese.

Älteste Orgel ist mehr als 300 Jahre alt

Neben der Orgel in Zarrentin baute Friedrich Wilhelm Winzer auch die Orgel für die Brüeler Stadtkirche, die ebenfalls während des Musikfestes erklingen wird und zwar zum Abschluss am 2. Juni. Das älteste Instrument im Rahmen der Orgelspiele ist das Orgelpositiv von Joachim Richborn von 1684, es steht in der Dorfkirche Ruchow. Die älteste barocke Orgel Mecklenburgs erklang erstmals wieder nach einer langen Pause im Juni 2016, zuvor wurde sie umfangreich restauriert. Die jüngste Orgel im Rahmen der Orgelspiele steht in der katholischen Kirche in Wittenburg. Sie wurde von Siegfried Sauer 1983 in Höxter im Weserbergland erbaut und kam 2009 aus Nordrhein-Westfalen nach Westmecklenburg, als eine Kirche in Bochum profaniert wurde und die Wittenburger diese recht junge Orgel übernehmen konnte.

Orgelspiele kommen 2020 in den Osten des Landes

Zu den Orgelbauern, deren Instrumente jetzt im Mai erklingen werden, gehören unter anderem Johann Heinrich Runge, Barnim Grüneberg und Friedrich Friese (III). Gerade im 19. Jahrhundert wurden in Mecklenburg und Vorpommern viele Orgeln gebaut und so ist diese Region einmalig, hebt Friedrich Drese hervor: "Wir haben sehr viele romantisch klingende Instrumente und in dieser Fülle gibt es das nirgendwo in Deutschland."

Während für die ersten Orgelspiele 2019, die vom Norddeutschen Rundfunk unterstützt werden, nur Orte in Mecklenburg ausgesucht wurden, wird es im kommenden Jahr dann auch in den östlichen Landesteil gehen. Vorpommern soll dann an zwei Wochenenden beteiligt sein - einmal um Stralsund herum sowie nördlich von Demmin.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 16.05.2019 | 19:00 Uhr

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