Stand: 20.04.2019 09:00 Uhr

Neuenfelde: Wirkungsort des Orgelbauers Schnitger

von Daniel Kaiser

Ein Name schwebt über der Orgelstadt Hamburg: Arp Schnitger. Er ist ein legendärer Orgelbauer, der vor 300 Jahren gestorben ist. Sein Grab mit Gedenkstein befindet sich in Hamburg im dörflichen Stadtteil Neuenfelde. Die St. Pankratiuskirche liegt gleich neben dem großen Airbus-Gelände.

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Die St. Pankratiuskirche in Hamburg-Neuenfelde beherbergt eine Schnitger-Orgel, die in großen Teilen noch im Original erhalten ist.

Hilger Kespohl, Organist in der St. Pankratiuskirche, spielt auf der frisch renovierten Arp-Schnitger-Orgel. Hier in Neuenfelde lebte Schnitger, hier hatte er eine große Werkstatt, hier baute er diese Orgel. Die Nägel, die er damals ins Holz schlug, sind heute noch da, schwingen immer noch mit. Es ist ein besonderer Ort.

Aus aller Welt kommen Leute, um die Orgel anzuschauen, weiß Kespohl. "Im Gästebuch stehen Eintragungen aus allen Erdteilen. Sobald das Wetter fahrradtauglich ist, ist hier immer etwas los", erzählt er. Vor allem bei den Konzerten sei die Kirche voll.

Schnitger lernte sein Handwerk in der Familie

Schnitger wurde in der Nähe von Brake an der Unterweser geboren, lernte sein Orgelhandwerk wohl bei seinem Vetter und baute mit ihm die große Orgel von St. Cosmae in Stade.

Organist Hilger Kespohl erklärt: "Dann hat er hier nach und nach fast jedes Dorf im Alten Land beliefert und die damals größte Orgel der Welt, in St. Nikolai in Hamburg, gebaut und damit war er auch weltberühmt."

Orgelbauer mit Wappen

Schnitger ist schon damals ein Global Player. Er exportiert mit seinen Werkstätten Orgeln auch ins Ausland. Und arm ist er nicht. In der Neuenfelder Kirche hat er sogar eine eigene Loge. Mit eigenem Wappen.

Das Schnitger-Wappen zeigt einen Zirkel, "als typisches Orgelbauer-Werkzeug", so Kespohl. Dieser Zirkel werde von einem Arm gehalten, der aus den Wolken herauskommt. "Das wird so gedeutet, dass das der Arm Gottes ist, der dem Orgelbauer sein Werkzeug herunterreicht."

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Die Orgel in Neuenfelde wurde 1688 von Arp Schnitger erbaut und ist mit 34 Registern sein größtes zweimanualiges Instrument.
Nicht jede Orgel ist ein Original

Nicht jede norddeutsche Dorfkirche, die jetzt im Gedenkjahr einen Arp-Schnitger-Sticker an ihre Kirchentür klebt, hat ein Original. An manchen Orgeln ist Schnitger - salopp gesagt - vielleicht einmal vorbeigegangen. Der Neuenfelder Organist stellt klar: "Es ist nicht überall Schnitger drin, wo Schnitger draufsteht."

Special Effects kannte Arp Schnitger bereits im 17. Jahrhundert: Er gab ein bisschen Wasser in eine Spezialpfeife und schon piept es in der Orgel. Mit dieser Orgel und dieser Geschichte ist Neuenfelde etwas Besonderes. Arp Schnitger prägt die Musik-Kultur dieser Gegend bis heute. Und so wird es zum 300. Todestag am 28. Juli selbstverständlich auch ein Gedenk-Konzert geben.

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