porträt charlotte oelschlegel © Mischa Kreiskott

Nach Clubbesuch in Quarantäne: Was war los im Molotow?

Stand: 21.07.2021 14:50 Uhr

Wegen eines Corona-Falls im Hamburger Molotow-Club ist NDR Kultur Moderatorin Charlotte Oelschlegel in Quarantäne. Sie berichtet von ihrem Clubbesuch.

Die Hygiene-Auflagen waren eigentlich streng: Der Eintritt war nur nach einem negativen Corona-Schnelltest oder vollständig geimpft möglich, dazu gab es eine Maskenpflicht. Trotzdem sind jetzt etwa 90 Menschen in Quarantäne, die sich am vergangenen Donnerstag zwei Bands im Molotow am Nobistor angesehen haben.

Charlotte, Du hast Dir vergangenen Donnerstag im Molotow ein Konzert angehört. Was für ein Konzert war das?

Charlotte Oelschlegel: Das waren die Band "Grundeis" aus Hamburg und "Liiek" aus Berlin. Ich würde sagen, die sind beide so im Post-Punk Bereich anzusiedeln. Es war eigentlich sehr schön, vor allem, weil man mal wieder ganz laute Musik hören konnte, wenn auch im Sitzen natürlich und in anderer Atmosphäre als in Zeiten vor der Pandemie,

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Eingang des Musik-Clubs Molotow an der Reeperbahn im Hamburger Stadtteil St. Pauli. © imago images Foto: Hanno Bode

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Der Molotow Club hat ja ein Hygienekonzept. Wie hat sich die Situation aus Deiner Sicht denn dargestellt?

Oelschlegel: So wie man es kennt: Man kommt an, setzt die Maske auf, stellt sich in der Schlange an, checkt über die Luca- oder Corona-Warn-App ein. Dann wird man über das Hygiene-Konzept informiert und den Ablauf. Man muss sich die Hände desinfizieren. Dann hat uns ein Mitarbeiter zu einer freien Bierbank geleitet. Und wenn man sich dann hinsetzt, darf man die Maske abnehmen. Wenn man wieder aufsteht, zur Bar möchte oder auf Toilette, muss man sie wieder aufziehen. Und es gibt auch ein ganz genaues Lauf-Konzept, an das man sich halten muss.

Martin Helfrich, Sprecher der Hamburger Sozialbehörde, sagte dem NDR im Interview, dass es zwar draußen war, aber eben doch von Schirmen überdacht. Deshalb sei die Situation ähnlich einem Innenraum zu bewerten. War das jetzt übertrieben, so zu reagieren?

Oelschlegel: Ich hatte das Gefühl, dass es eine ganz normale Außengastronomie-Situation ist, wie wir sie alle kennen. Es war ein bisschen wie im Biergarten. Das mit den Schirmen ist natürlich Pech. Es ist auch die Frage: Hätte man das nicht schon erkennen können, als das Konzept abgenommen wurde? Aber so ist es jetzt und man kann daraus lernen. Natürlich ist es auch wissenschaftlich interessant, ob sich jemand angesteckt hat. Heute gab es die Möglichkeit, einen kostenlosen PCR-Test zu machen. Ich glaube aber auch, dass es schon ein gefundenes Fressen ist - ein Musikclub auf der Reeperbahn und alle nicht vollständig Geimpften müssen in Quarantäne. Das ist halt eine gute Schlagzeile.

Nach dem Konzert konnte man noch sitzen bleiben. Da war dann Schankwirtschaft, aber auch mit normalem Hygienekonzept, wie man es kennt. Und um 23 Uhr, wo auf der Reeperbahn Sperrstunde ist, sind dann auch alle heimgegangen. Ich habe noch mal geschaut, ich habe mich um 23.06 Uhr, dann aus der Luca-App ausgeloggt, also schon draußen auf Straße.

Dennoch musste jetzt voraussichtlich noch neun Tage in Quarantäne bleiben. Irgendwelche Tipps?

Ja, auf jeden Fall. Also drei Tipps habe ich rausgesucht: Zimmer ordentlich halten. Der zweite Tipp ist: Ich habe mir Urzeitkrebse bestellt und überlege, ob ich mir auch noch Kristalle zum Selberzüchten bestelle. Dann hat man so den ganzen Tag was zu tun. Und ich glaube, es ist sehr gut, wenn man sich so ein Tages-Highlight organisiert. Ich treffe mich jetzt immer um 20 Uhr auf Zoom mit dem Freund, der mich auf das Konzert begleitet hatte, der auch in Quarantäne ist. Und ich plane da kleine Aktion - heute zum Beispiel ein großes Musikquiz.

Das Gespräch führte Petra Rieß.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 21.07.2021 | 14:40 Uhr

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