Stand: 09.09.2020 13:28 Uhr

NDR Radiophilharmonie startet in die neue Saison

Nach einem halben Jahr mit nur wenigen Konzerten, aber vielen Unsicherheiten, startet die NDR Radiophilharmonie heute Abend in die neue Saison. Die Programme mussten abgewandelt werden. Die meisten Künstler, die ursprünglich eingeplant waren, können aber trotzdem nach Hannover kommen.

von Miriam Stolzenwald

Andrew Manze und die NDR Radiophilharmonie im Kuppelsaal Hannover © NDR/Micha Neugebauer Foto: Micha Neugebauer
Die neue Saison der NDR Radiophilharmonie unter Andrew Manze startet mit Robert Schumanns "Frühlingssinfonie".

Für den Corona-Konzertbetrieb ist die Reihe Zwischenzeitkonzerte entstanden. Chefdirigent Andrew Manze hat zur Eröffnung gleich ein ganzes Festival mit allen Schumann-Sinfonien geplant. Diese hat er bisher noch nie mit der NDR Radiophilharmonie aufgeführt. "Schumann ist ein Komponist, der fliegt, der gleitet und tanzt. In seiner Musik spürt man, dass er sehr aufgeregt war", erklärt Manze. "Als Musiker müssen wir die gleiche Aufregung und Begeisterung empfinden, die Schumann hatte, als er das komponierte. Ich wusste, dass es gut ist, einige Jahre zu warten, bis wir uns gegenseitig alle sehr gut kennen und einander vertrauen. Damit wir im gleichen Maße begeistert sein können, so, wie Schumann es gemeint hat."

Schumanns "Frühlingssinfonie" macht den Anfang

Die Aufregung ist Chefdirigent Andrew Manze deutlich anzumerken. Endlich geht es wieder richtig los mit dem Konzertbetrieb. Mit Schumanns erster Sinfonie zu beginnen, seiner "Frühlingssinfonie", war für Manze naheliegend: Als Robert Schumann sie schrieb, empfand er ähnlich große Begeisterung wie die NDR Radiophilharmonie und Andrew Manze jetzt zum Saisonauftakt - aber aus anderen Gründen. "Einige Wochen zuvor hatte Schumann gerade gehört, dass seine Frau, mit der er frisch verheiratet war, ein Kind erwartet. Ihr erstes Baby. Es ist eine Frühlingssinfonie. Er war voller Aufregung. Ich bin mir sicher: Im ganzen Haus waren sie aufgeregt. Also schrieb er diese Sinfonie", erklärt Manze. "Seine Frau hatte bereits gesagt, dass sie in Robert einen Komponisten sieht, der nicht nur großartig für das Klavier schreibt, sondern auch ein Sinfonie-Komponist in ihm steckt. Das alles spiegelt sich in dieser Symphonie."

VIDEO: Konzerteinführung zu den Sinfonien von Robert Schumann. (9 Min)

Von rund 1.200 Plätzen werden maximal 280 belegt

Auch der Orchester-Manager Matthias Ilkenhans ist erleichtert, dass die NDR Radiophilharmonie den Konzertbetrieb wieder aufnehmen kann. Um das zu ermöglichen, musste er jedoch Maßnahmen ergreifen: Von den rund 1.200 Plätzen im Sendesaal, können maximal 280 belegt werden. Aber die Sicherheit der Zuschauerinnen und Zuschauer hat für ihn Priorität. "Sie werden zu ihrem Platz und werden auch nach dem Konzert wieder rausgeführt", erklärt Ilkenhans. "Das Konzert ist maximal eine Stunde lang, vielleicht manchmal ein bisschen länger. Und es gelten natürlich alle Hygienevorschriften, die sonst auch gelten. Es werden Reihen frei gelassen, bis auf den Platz muss die Maske getragen werden. Auf dem Platz darf sie dann abgenommen werden."

Alle ursprünglich geplanten Programme mussten neu zusammengesetzt werden. Denn auch auf der Bühne sind nur kleinere Besetzungen möglich. Dafür können alle Künstler kommen, die bereits engagiert waren: Highlights der Zwischenzeitkonzerte sind die Freistil-Woche mit Nils Wülker, Auftritte der Dirigenten Thomas Søndergård und Robert Trevino sowie des gefragten Geigers Gil Shaham.

Freitag und Sonnabend Konzerte im Livestream

Mit den verkleinerten Besetzungen auf der Bühne, ziehen auch neue Werke in den Großen Sendesaal ein. Andrew Manze sieht das sportlich. Schließlich müsse man als Musiker immer flexibel sein. "Ich werde Richard Strauss' 'Der Bürger als Edelmann' dirigieren - das hätte ich nie gedacht", sagt Manze. "Wir alle sind damit beschäftigt, neue Musik zu lernen. Werke, mit denen hätte vor sechs Monaten niemand gerechnet. Ich schaue da mit einem frischen Blick drauf und bin sehr aufgeregt auf all diese Dinge."

Am Freitag und am Sonnabend sind die Zwischenzeitkonzerte auch auf NDR.de und auf Facebook live im Stream zu sehen.

Weitere Informationen
NDR Radiophilharmonie und Andrew Manze auf der neuen Bühne Großer Sendesaal © NDR Foto: Micha Neugebauer

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 09.09.2020 | 07:20 Uhr

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