Jack Johnson auf dem Cover seines neuen Albums "Meet the Moonlight" beim Label Republic © Morgan v. Maassen/Universal Music/dpa - Foto: Morgan v. Maassen

Jack Johnsons tiefenentspanntes Album "Meet the Moonlight"

Stand: 23.06.2022 06:00 Uhr

Mit dem neuen Album "Meet the Moonlight" liefert Jack Johnson - Hawaiianer und Umweltaktivist - den Soundtrack zur Entschleunigung: zehn Songs mit Musik zum Abschalten und Träumen.

Jack Johnson auf dem Cover seines neuen Albums "Meet the Moonlight" beim Label Republic © Morgan v. Maassen/Universal Music/dpa - Foto: Morgan v. Maassen
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von Marcel Anders

Jack Johnson zählt zu den erfolgreichsten Musikern der letzten 20 Jahre. Dabei spielt der Mann aus Hawaii vorzugsweise akustische Gitarre, ist leidenschaftlicher Umweltaktivist und gibt nur selten Konzerte in Europa. Nach langer Pause veröffentlicht er sein neues Album "Meet the Moonlight“.

Jack Johnson: "Ich halte keine Brandreden, sage nur, wie wichtig Liebe ist"

Jack Johnson ist kein Rebell und kein Freund von kämpferischen Texten - eher ein Softie und Leisetreter, der auf Denkanstöße mit cleveren Metaphern setzt. "Der beste Song, den man schreiben kann, um tatsächlich etwas zu verändern, erinnert die Leute einfach daran, wie sehr sie etwas mögen. Denn dann versuchen sie auch, es zu schützen. Deshalb halte ich keine Brandreden, sondern sage nur, wie wichtig zum Beispiel Liebe ist. Solche allgemeinen Dinge können eine viel profundere Wirkung haben."

Zehn Songs über Zusammenhalt und die Schönheit der Natur

In den zehn Stücken seines achten Albums "Meet the Moonlight" beschwört Johnson den menschlichen Zusammenhalt in Corona-Zeiten, erinnert uns an die Schönheit der Natur, die Kraft der Liebe und - als Vater von drei Teenagern - die Gefahren der sozialen Medien.

Das Cover von Jack Johnsons neuem Album "Meet the Moonlight" beim Label Republic © Brushfire Records/Universal Music/dpa
Jack Johnson schafft auf "Meet the Moonlight" einen Klangteppich, in dem Moog-Keyboards, Bläser und Flöten vorkommen. Das Album erscheint am 24. Juni beim Label Republic.

"Obwohl wir uns als Menschen nicht wer weiß wie entwickeln konnten, hat sich die Technik radikal verändert vor allem die sozialen Medien." Er sage seinen Kindern immer: "Produziert mehr, als ihr konsumiert. Versucht, Geschichten zu schreiben, Bilder zu malen und mehr Inhalt zu generieren, als ihr nutzt.", so Johnson.

Was nicht bedeutet, dass er ihnen verbiete, was für ihre Generation ganz normal sei. "Ich bemühe mich nur, ihnen bewusst zu machen, dass man zum reinen Konsumenten wird, wenn man nicht kreativ ist." Kleine Geschichten mit - so hofft Johnson - breiter Wirkung.

"Meet the Moonlight": Atmosphärisch-dichter Klangteppich zum Träumen

Ähnlich ehrgeizig ist der 47-Jährige bei seiner Musik. Da reicht es ihm nicht mehr, spartanischen, akustischen Folk-Pop zu servieren. Unter der Regie von Produzent Blake Mills, bekannt durch seine Arbeit mit den Alabama Shakes, experimentiert er nun mit einem atmosphärisch-dichten Klangteppich, in dem Moog-Keyboards, Bläser und sogar Flöten auftauchen.

Darüber spielt Johnson Gitarre und singt, ganz in der Manier seines Vorbilds, dem seligen J.J. Cale: "Seine Songs sind so cool. Er hat einfach zum Beat eines billigen Keyboards gespielt und vielleicht noch ein bisschen Percussions hinzugefügt. Fertig war die perfekte Mischung aus primitiver Technik und organischen Sounds, an der auch ich mich versuche. Ich schreibe immer erst auf der akustischen Gitarre und schaue dann, welche Rhythmen ich drumherum basteln kann - wenn überhaupt."

40-minütige Seelenmassage für die verrückten Zeiten

Das Ergebnis ist ein Album, das so tiefenentspannt, verträumt und entschleunigt anmutet, dass es etwas von einer 40-minütigen Seelenmassage hat. Eben der Soundtrack zum Abschalten, Durchatmen und Runterkommen. Genau das Richtige für die verrückte Zeit, in der wir leben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 23.06.2022 | 15:20 Uhr

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