Ein Mikrofon auf einer Bühne zwischen bunten Lichtern. © fotolia.com Foto: Saon168, Andrey Armyagov

Konzertabsagen trotz 2G: Skepsis und Uneinheitlichkeit

Stand: 21.10.2021 17:13 Uhr

Ende September gab es ein Aufatmen in der norddeutschen Kulturszene: Mit der Einführung der 2G-Regel sollte der Kulturbetrieb in der Pandemie wieder ins Laufen kommen. Trotzdem werden vor allem Konzerte nach wie vor verschoben oder fallen gar ganz aus.

von Kristina Bischoff

Es sollte mit einer Welttournee und einem Abstecher nächste Woche in die Hamburger Barclaycard Arena groß gefeiert werden: das 25-jährige Jubiläum von Alanis Morrisettes Debütalbum "Jagged Little Pill". Doch nun ist das im Spätsommer - recht kurzfristig - beworbene Großkonzert auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Weswegen sagt der Konzertveranstalter Live Nation nicht.

Ihre Hamburger Kolleginnen und Kollegen von Scorpio bieten eine plausiblere Erklärung auf ihrer Webseite an: "Die Entwicklung der letzten Monate zeigt, dass in Deutschland und vielen anderen Ländern aufgrund behördlicher Anordnungen Veranstaltungen nicht zum geplanten Zeitpunkt stattfinden können. Bei international auftretenden Künstler*innen kann es dazu kommen, dass dadurch Auftritte in Deutschland betroffen sind, auch wenn diese terminlich hinter dem aktuellen Verbotszeitraum liegen."

Bundesweit uneinheitliche Regelungen erschweren Konzertbetrieb

Aber auch eine internationale Künstlerin wie die Australierin Kat Frankie, die in Deutschland lebt und in dieser Woche auf Tour sein wollte, verschiebt ihre Konzerte kurzfristig auf den Oktober 2022. Dabei hätte sie in dieser Woche im Hamburger Mojo Club auftreten sollen. Anika Kraus hat das Konzert gebucht und wieder verschoben, obwohl in ihrem Club die 2G-Regelung gilt: "In den letzten Wochen war es schwierig, weil wir in Deutschland keine flächendeckenden Regelungen für den Konzertbetrieb haben. Das heißt: Ein Konzertveranstalter muss immer wieder checken, ob es eine neue Verordnung in dem Bundesland gab, ob ich unter 2G, 3G, 3G-Plus oder überhaupt veranstalten kann, ob es noch Abstandsregelungen oder -einschränkungen gibt, so dass die Umsetzbarkeit des Konzertes nicht gegeben ist."

Geschlossene Räume und Grippesaison: Skepsis beim Publikum

Konzerte zu buchen und den Termin einzuhalten - bei verschiedenen und sich wöchentlich ändernden Corona- Anordnungen ist das ein kleines Wunder. Denn dazu kommt: Ist das Publikum schon bereit, ausgelassen und unbeschwert in geschlossenen Räumen bei Live-Musik zu feiern? Die Sängerin Sarajane steht im engen Kontakt mit ihren Fans und kennt deren Zweifel: "Ich glaube, die Verunsicherung sitzt gerade sehr tief, gerade in geschlossenen Räumen. In der Winterzeit ist traditionell Grippezeit - das ist eine Zeit, in der man versucht, dass man sich nichts einfängt. Und jetzt mit den Eröffnungen zu starten, ist, glaube ich, vom Timing her schwierig." Und sie setzt nach: "Es ist so ein komischer Nachgeschmack, der bleibt. Man sieht es an den ganzen Touren, die für diesen Winter verschoben und abgesagt wurden, dass man da noch nicht angekommen ist, wo man sich wünscht zu sein."

Auch wenn sich die Veranstaltungsbranche große Mühe gibt, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Corona prägt den Konzertbetrieb wohl noch länger.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 22.10.2021 | 07:55 Uhr

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