Stand: 19.09.2018 01:41 Uhr

Jeff Lynne's ELO: Große Songs statt großer Worte

Das ELO-Raumschiff schwebt schon mal über den Köpfen des Publikums, als Animation auf der Leinwand. Darunter positionieren Roadies noch die diversen Instrumente und Aufbauten für Jeff Lynne's Electric Light Orchestra. Das lässt sich am Dienstagabend in der Hamburger Barclaycard Arena ordentlich Zeit, bis es auf die Bühne kommt. Zeit, die der Singer-Songwriter Billy Lockett vor dem Auftauchen des intergalaktischen Markenzeichens als Vorgruppe sehr geschickt nutzt.

Er könne seine Songs so einem größeren Publikum vorstellen als er es bisher in Pubs und Clubs jemals hatte, wie er sagt. Der gebürtige Londoner wechselt innerhalb eines Stücks von balladenhafter Kopfstimme zu eingängigem Poprock. Ein Variantenreichtum, der schon mal einen Vorgeschmack auf ELO gibt. Kein Wunder, war doch Locketts Vater "der größte ELO-Fan überhaupt", wie sein Sohn berichtet. "Es war die erste Band, die er mir gezeigt hat."

Jeff Lynne's ELO zu Gast in Hamburg

Virtueller Regen und große Arrangements

Dass das keine schlechte Wahl war, ist nach dem etwas zähen, über halbstündigen Umbau schon mit den ersten Takten zu erkennen. Ein hämmerndes Klavier, dramatische Streicher und der volle Sound seiner zwölfköpfigen Band umrahmen Jeff Lynne, den Songschreiber und Mastermind hinter ELO, als er mit "Standing in the Rain" den Abend eröffnet. Und er steht wirklich im Regen, zumindest virtuell. Im Hintergrund tropft, blitzt und spritzt es auf den Leinwänden.

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"Evil Woman" folgt als nächster Song, und so geht es Schlag auf Schlag. Ohne Pausen zum Verschnaufen. Lynne redet den ganzen Abend über nicht mehr als fünf Sätze. Der mittlerweile 70-Jährige ist kein Mann großer Worte, dafür aber großer Songs und noch größerer Arrangements. Bei "Livin' Thing" kommt zu Beginn die Violinistin nach vorne, streicht melancholisch und in sich versunken, ehe die Drums mit kräftigem Einsatz die Führung übernehmen. Wer auch immer den Innenraum bestuhlt hat, er hätte sich die Arbeit auch sparen können. Spätestens jetzt wird getanzt, zwischen den Reihen und auch auf den Gängen.

Song von den Traveling Wilburys ist auch dabei

"Jetzt kommt ein Song von meiner anderen Band, den Traveling Wilburys", kündigt Lynne an und nimmt vorübergehend etwas Tempo raus. In dieser nur zwei Jahre bestehenden Supergroup spielten Ende der 1980er-Jahre neben Lynne noch George Harrison, Roy Orbison, Tom Petty und Bob Dylan. Eine solche Ansammlung von Großmeistern unterschiedlicher Genres in einer Gruppe ist heute kaum zu glauben. "Handle with Care" war ihr erstes gemeinsam aufgenommenes Stück. Dieses spielt Lynne in Hamburg. Mit Vorsicht zu behandeln sind auch derartige musikalische Schätze des Country-Rock: "I'm so tired of being lonely, I still have some love to give."

Einzigartiger Musik-Mix aus Pop, Rock und Klassik

Die einzigartige Mischung aus Pop, Rock und Klassik zieht sich weiter durch das Konzert und macht den ELO-Auftritt zu einem besonderen Erlebnis. Das wohl bekannteste Stück kommt kurz vor der Zugabe: "Don't Bring Me Down". Als einzige Zugabe gibt es einen der frühesten Songs von ELO, in dem schon alles angelegt war, was die Band später groß machen sollte: "Roll over Beethoven" - natürlich in der Langversion. Die ersten Takte aus Beethovens 5. Sinfonie, gespielt auf einer Rockbühne - das funktioniert hervorragend, weil Lynne mit den Genres jongliert, sie neu zusammensetzt und daraus große Kunst zaubert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 19.09.2018 | 05:45 Uhr

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