Eine Luftaufnahme der Hochschule für Musik, Theater und Medien, Musikhochschule Hannover lässt erkennen, dass das Gebäude in Form eines Ohres erbaut ist. © imageBROKER/ThomasxRobbin Foto: ThomasxRobbin

Hannover: Aufnahmeprüfungen unter Corona-Bedingungen

Stand: 09.10.2020 06:40 Uhr

An der Musikhochschule in Hannover laufen in dieser Woche die Aufnahmeprüfungen für das Musikstudium. In diesem Jahr wird es jedoch durch Corona zur besonderen Herausforderung.

von Miriam Stolzenwald

Die Präsidentin der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover Susanne Rode-Breymann hält eine Rede. © picture alliance/Holger Hollemann/dpa Foto: Holger Hollemann
Die Präsidentin der HMTMH Susanne Rode-Breymann meint, dass die Entscheidung für einen Studienplatz immer mit den Lehrenden verbunden ist.

Normalerweise herrscht zur Aufnahmeprüfung aufgeregtes Gewusel im Foyer der hannoverschen Musikhochschule. In diesem Jahr werden die Prüflinge in einem großen weißen Zelt im Innenhof portionsweise empfangen. Nur etwa ein Drittel so viele Bewerber wie üblich kommen in diesem Jahr zur Eignungsprüfung. Aus verschiedenen Gründen: Nicht alle konnten sich in der digitalen Vorrunde mit eingeschickten Videos für die Präsenz-Prüfung qualifizieren. Zudem konnten viele internationale Bewerber nicht anreisen. Dass in Hannover nun nur noch diejenigen ankommen, die woanders keinen Platz bekommen haben, darüber macht sich die Präsidentin der Hochschule, Susanne Rode-Breymann, wenig Sorgen:

"Das ist natürlich etwas, wovor die Lehrenden sehr viel Angst haben. Das ist aber nicht so. Man geht ja nicht wahllos nach Deutschland, sondern man geht zu dem Pianisten, weil man denkt: Der ist großartig, da will ich studieren. Der Qualitätsanspruch bleibt. Wir nehmen unter Umständen weniger auf als sonst. Sonst sind es ungefähr 300 Studierende pro Studienjahr, meinetwegen dann jetzt 250. Und die 50 kommen dann im nächsten Jahr zeitversetzt."

Der späte Prüfungszeitpunkt hat Auswirkungen

Vor der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover ist ein Zelt aufgebaut, in dem die Aufnahmeprüfungen unter Corona-Bedingungen stattfinden. © NDR Foto: Miriam Stolzenwald
In einem Zelt im Innenhof der Hochschule werden die Studienbewerberinnen und -bewerber empfangen.

Für die Geigenprofessorin Elisabeth Kufferath, die in diesen Tagen in den Aufnahmeprüfungen für das Geigenstudium sitzt, stellt es sich so dar, "dass ich in der Videorunde einige Leute gehört habe, die ich sehr interessant fand, aber eben durch Corona und den ganzen Lockdown nicht persönlich treffen konnte, dann aber im Sommer auf einem Meisterkurs besser kennen und wirklich sehr schätzen gelernt habe, und sie eigentlich sehr gut geeignet für meine Klasse finde. Das beruhte auch auf Gegenseitigkeit. Aber die mussten sich einfach vor Oktober entscheiden und dadurch habe ich die beiden verloren."

Zudem merke man in den Prüfungen deutlich, dass die Bewerber durch Corona weniger Vorspielpraxis haben und sich somit nicht richtig vorbereiten konnten. Auch Roland Krüger, Professor für Klavier, hat durch den späten Prüfungszeitpunkt Wunschkandidaten verloren. Die Qualität in seiner Klasse, sagt er, werde jedoch nicht leiden. Genau wie Elisabeth Kufferath kann er seine freien Plätze mit geeigneten Kandidaten besetzen. Bezüglich der Zusammensetzung der neuen Klavier-Semester beobachtet er schon jetzt: "Die Tendenz ist auf jeden Fall, dass überwiegend die Kandidaten aus fernen Ländern nicht dabei sind."

Die Atmosphäre der Prüfungssituation bleibt erhalten

Eine Luftaufnahme der Hochschule für Musik, Theater und Medien, Musikhochschule Hannover lässt erkennen, dass das Gebäude in Form eines Ohres erbaut ist. © imageBROKER/ThomasxRobbin Foto: ThomasxRobbin

AUDIO: Aufnahmeprüfung unter Corona-Bedingungen (3 Min)

Die leitende Organisatorin der Aufnahmeprüfung, Antonia Gohr findet, dass trotz der Hygiene-Maßnahmen und der veränderten Prüfungssituation die besondere Atmosphäre der Eignungsprüfung erhalten geblieben sei. Die Einschränkungen für die künstlerische Darbietung wurden dabei möglichst gering gehalten, beispielsweise im Fach Gesang im großen Konzertsaal der Hochschule: "Die Sänger müssen die Maske im Gebäude tragen bis sie auf der Bühne stehen, dann nehmen sie die Maske natürlich ab. Wir haben für Sänger und die Blasinstrumente die Abstände so groß gestaltet wie es nur irgend geht. Ansonsten sind die Kommissionen kleiner als sie es vorher waren. Einzelne Prüfungsbestandteile wurden unter Corona-Bedingungenen gekürzt. Das sorgt auch dafür, dass wir eine künstlerisch hochwertige Aufnahmeprüfung unter den jetzigen Bedingungen durchführen können."

Inzwischen gibt es sogar die Überlegung, die digitale Vorrunde im nächsten Jahr beizubehalten - auch, weil es bezüglich anreisender Bewerber aus dem Ausland nachhaltiger wäre.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 09.10.2020 | 06:40 Uhr

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