Dirigentin Han-Na Chang © NDR Foto: Ulrike Henningsen
Dirigentin Han-Na Chang © NDR Foto: Ulrike Henningsen
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AUDIO: Han-Na Chang: Neue Gastdirigentin der Symphoniker Hamburg (4 Min)

Han-Na Chang: Neue Gastdirigentin der Symphoniker Hamburg

Stand: 02.12.2022 10:30 Uhr

Seit dieser Spielzeit ist Han-Na Chang Erste Gastdirigentin der Symphoniker Hamburg. Die Position bindet sie für mehrere Jahre an das Orchester. Ein Porträt der Cellistin und Dirigentin aus Südkorea.

von Ulrike Henningsen

Sie kam, übernahm und begeisterte: Im Oktober vergangenen Jahres war Han-Na Chang kurzfristig  als Dirigentin beim Konzert mit den Symphonikern Hamburg eingesprungen. Und sie hatte beherzt große Teile des Programms umgestellt. Eine in dieser Situation mutige, aber - wie sich zeigte - richtige Entscheidung, denn der Abend wurde zum großen Erfolg. Er hatte Folgen für die südkoreanische Musikerin.

Seit dieser Spielzeit ist Han-Na Chang Erste Gastdirigentin des Orchesters, eine Position, die sie für mehrere Jahre an das Orchester binden wird. Dieses Wochenende ist die Musikerin, die am 23. Dezember 40 Jahre alt wird, gleich zwei Mal zu erleben.

Ihre Begeisterung für Musik begann früh: "Es gibt zwei wichtige musikalische Erinnerungen aus meiner Kindheit. Als ich Pablo Casals zum ersten Mal Cello spielen hörte, bin ich zu meiner Mutter gelaufen und habe ihr gesagt: 'Mama, diese Musik ist so wunderschön. Ich bin so glücklich, dass es diese Musik auf der Welt gibt.", erzählt die Musikerin. Das zweite intensive Erlebnis hatte Han-Na Chang mit Jaqueline Du Pré. "Sie war eine so unglaubliche Interpretin. Ich habe mich mit ihr unmittelbar verbunden gefühlt. Das hat mich inspiriert darüber nachzudenken, wie bewegend und kraftvoll es sein kann, ein Instrument zu spielen." Danach habe sie angefangen, viel mehr zu üben.

Mit elf Jahren erhält Han-Na Chang ersten Preis beim Cello-Wettbewerb in Paris

Bereits mit elf Jahren gewann Han-Na Chang den ersten Preis beim 5. Internationalen Rostropovich Cello-Wettbewerb in Paris. Als Dreijährige hatte sie mit dem Klavierspielen begonnen, aber so richtig mochte sie dieses unhandliche Instrument nicht. Daher besorgte ihr die Mutter ein Viertel-Cello. "Das gefiel mir sofort, weil man es umarmen und überall mitnehmen konnte. Außerdem war es intimer - Cello war also meine erste große Musik-Liebe", erklärt Chang.

Mit zehn Jahren Umzug in die USA, Studium an der Juilliard-School New York

Den ersten Unterricht bekam Han-Na Chang im Alter von sechs Jahren. Als sie zehn war, zog die Familie von Südkorea in die USA, so dass die Musikerin an der renommierten Juilliard-School in New York studieren konnte. Zusätzlich bekam sie Unterricht von Mischa Maisky - der Cellist ist einer ihrer wichtigsten Lehrer und Mentoren.  

Han-Na Chang ist als Solistin bereits in jungen Jahren mit vielen großen Orchestern weltweit aufgetreten. Als Jugendliche fing sie an, sich auch für das Dirigieren zu interessieren. "Ich wollte die Sterne der klassischen Musik schauen und nicht immer nur ins Mikroskop. Also kaufte ich mir Partituren von Mahler, von Bruckner, von Brahms und von Beethoven. Nach diesen vier Komponisten war ich vollkommen verrückt als Teenagerin."

Beethoven-Partitur erweckt den Wunsch zum Dirigieren

Die Initialzündung kam dann, erzählt Chang, beim wiederholten Studium einer Beethoven- Partitur. Die Noten fingen plötzlich an, lebendig zu werden. Chang konnte in ihrer Vorstellung hören, wie sie zu Musik wurden. Ein Gänsehaut-Moment - auch heute noch. "Da habe ich mir gesagt, ich muss das dirigieren."

Chefdirigentin des Trondheim Symfonieorkesters in Norwegen

Also begann Chang Dirigier-Unterricht zu nehmen. Mit 24 Jahren stand sie zum ersten Mal vor einem Orchester.  Ihre Leistung überzeugt: Mittlerweile ist Han-Na Chang künstlerische Leiterin und Chefdirigentin des Trondheim Symfonieorkester, seit dieser Saison Erste Gastdirigentin der Symphoniker Hamburg und auch sonst wieder weltweit unterwegs, um ihre Begeisterung für Musik weiterzutragen. "Ich versuche ernsthaft zu sein, ich selbst zu sein, mich nicht zu verstellen und mich aber gleichzeitig auch nicht so wichtig zu nehmen. Ich versuche, in der Musik zu sein, zu spüren, was die Musik, was das Orchester von mir verlangt. Denn am Ende des Tages geht es nicht um mich, sondern um Beethoven."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 02.12.2022 | 14:20 Uhr

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