Hamburger Kultursommer: Wiederholung nicht ausgeschlossen

Stand: 16.08.2021 21:48 Uhr

Mit einer Operngala unter freiem Himmel auf dem Rathausmarkt ist der Hamburger Kultursommer zu Ende gegangen. Vier Wochen lang fanden in der ganzen Stadt mehr als 1.800 Veranstaltungen an rund 200 Orten statt.

von Daniel Kaiser

Zum Schluss haben alle im Rhythmus mitgeklatscht. Generalmusikdirektor Kent Nagano ermunterte das Publikum, beim "Can-Can" von Jacques Offenbach lautstark einzusteigen. Die Gala der Hamburgischen Staatsoper und des Philharmonischen Staatsorchesters war ein besonders glanzvoller Abschluss eines vierwöchigen, gelungenen Experiments. Es passte gestern einfach alles. Bei der weltberühmten "Barcarole" läutete zufällig die Rathausglocke in die letzten Takte hinein - und zwar in derselben Tonart des Stücks. Die Rathausglocke als Orchesterinstrument, die Stadt im Einklang mit der Kultur - das war ein kleiner magischer Moment.

Besonders der Tenor Oleksiy Palchykov und die Sopranistin Lini Gong brachten Offenbachs Melodien mit Schmiss und Humor zum Funkeln. Das war allerbeste Werbung für den Saisonstart der Staatsoper mit der Premiere von "Hoffmanns Erzählungen" am 4. September.

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Meteorologisches Risiko

"Wie in Verona", schwärmt ein Besucher über die Konzertatmosphäre an diesem lauen Sommerabend am Hamburger Rathaus. Das Wetter war aber nicht immer ein so freundlicher Kultursommer-Partner.

Manche Veranstaltung in den vergangenen Wochen fiel buchstäblich ins Wasser. "Es ist eben ein Kultursommer in Hamburg und nicht in Venedig", scherzt Kultursenator Carsten Brosda über die meteorologischen Risiken einer Veranstaltungsreihe unter freiem Himmel in Norddeutschland.

Alphörner über Eimsbüttel

Dennoch war der Kultursommer im Stadtbild präsent. Wenn man in den vergangenen Wochen in Hamburg unterwegs war, ist man letztlich irgendwann auf Musik, eine Kunstinstallation oder eine Bühne mit Kindertheater gestoßen. Es gab Konzerte vor der Elbphilharmonie, auf dem Spielbudenplatz, an der Alsterburg in Poppenbüttel oder in Ottenser Hinterhöfen. Das meiste fand unter freiem Himmel statt. Vieles war gratis.

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Udo Lindenberg und Carsten Brosda bei der Eröffnung des Hamburger Kultursommers © dpa Foto: Markus Scholz

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Zum Stadtgespräch wurde das Konzert "Himmel über Hamburg", bei dem Orchestermusiker und Alphörner von den Dächern einer Hochhaussiedlung im Bezirk Eimsbüttel Musik aus mehreren Jahrhunderten spielten. Das zahlende Publikum saß auf einem benachbarten Sportplatz. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Hochhäuser hatten kostenlose Logenplätze. Die Musik war aber noch weit über den Stadtteil hinaus zu hören.

Kultursommer als Überraschungs-Effekt

Solche überraschenden Begegnungen mit Kultur waren eine der zentralen Ideen des Kultursommers. Auch im Hammer Park waren vier kleine Musikbühnen aufgebaut und überraschten vorbeikommende Passanten mit Swing oder Oper. Man spazierte durch den Park und es sang und klang aus allen Richtungen. Wunderbar!

Überwältigung war Programm

Der Kultursommer war innerhalb weniger Wochen mit heißer Nadel gestrickt worden. Kultursenator Carsten Brosda ließ sich dabei vom Wiener Kultursommer inspirieren und sah die Möglichkeit für einen Neustart nach der Corona-Zwangspause. Der Terminkalender wuchs noch, als es schon losgegangen war. Diese Unübersichtlichkeit und die schiere Überwältigung waren gewollt.

Allerdings hatten kleinere Veranstaltungen bei der großen Konkurrenz manchmal Schwierigkeiten, ein Publikum zu finden. Nicht jedes Event wirkte durchdacht: Auf der riesengroßen Bühne auf dem Rathausmarkt wurden auch Ein-Personen Stücke gespielt - also auf einer sinfonieorchestertauglichen Fläche.

Wiederholung denkbar

Die vergangenen vier Wochen sind für Kultursenator Brosda eine gelungene Vorlage für den Saisonauftakt der Theater und Konzerthäuser im September. Er hoffe, dass der Schwung der vergangenen Wochen auch noch bis zum 5. Geburtstag der Elbphilharmonie im Januar trage. "Deutlich geworden ist: Hamburg kann Kultur im Sommer vertragen", bilanziert Brosda. "Wir haben viele neue Orte und viele neue Kooperationen erlebt. Dieser Sommer war etwas Einmaliges, weil wir auch Hilfe und Unterstützung für den Neustart geben wollten, aber wir werden durchaus darüber nachdenken, was wir im nächsten und übernächsten Jahr machen können." Eine Kultursommer-Wiederholung ist also nicht ausgeschlossen.

Tschentscher: "Kultur weiter stärken"

Hamburg hat für den Kultursommer eine Menge Geld in Hand genommen: 10 Millionen Euro. Nach Corona muss Hamburg sparen. Die Finanzierung der Kultur werde nicht ganz einfach, räumt Kultursenator Brosda ein. Er schaue mit Spannung auf die Verhandlungen im Senat. "Wir werden keine einfachen Jahre haben. Wir können sicher keinen Koffer voller Geld greifen und sagen: 'Wer hat noch eine Idee? Die realisieren wir!'. Aber wir müssen uns mit hoher Ernsthaftigkeit uns darum kümmern, dass die Kraft der Kulturstadt so spürbar bleibt, wie sie gerade spürbar ist."

Rückendeckung erhält Brosda von Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). "Wir werden die Kultur weiterhin stärken", versprach er am Rande der Operngala. "Sie hat einen sehr hohen Stellenwert. Vor Corona, und nach Corona nicht weniger. Wir haben in dieser Krise erlebt, wie bedeutsam Kultur für die Lebensqualität in unserer Stadt ist."

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 16.08.2021 | 19:00 Uhr

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