Stand: 07.10.2019 11:43 Uhr

Deichkind: "Hässliche Musik macht Spaß!"

von Susanne Birkner

Die Hamburger Band Deichkind ist ein Phänomen: Angefangen hat das Musikerkollektiv mit Hip-Hop. Mittlerweile begeistert es eher als Gesamtkunstwerk die Massen: mit einer Mischung aus Dada-Techno, plakativen Titelzeilen wie "Arbeit nervt" oder "Leider geil" und vor allem überbordend bunten Bühnenshows. Nun ist das neue Album "Wer sagt denn das?" erschienen. NDR Info Autorin Susanne Birkner hat mit Deichkind-Sänger Porky über das Album gesprochen und stellt es vor.

Die Mitglieder der Musikformation Deichkind in weißen Anzügen in einem Container © Benjakon

Kindergeburtstag auf Ecstasy

Kulturjournal -

Die Hamburger Band "Deichkind" hat ein neues Album auf den Markt gebracht: "Wer sagt denn das?". Doch die Band singt nicht allein. Mit dabei sind Mark Foster, Olli Schulz und Jan Böhmermann.

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Das erste, was auffällt: Deichkind, die Band, die oft wirkte wie ein Kindergeburtstag auf Ecstasy ist düsterer geworden: "Wir wollen nicht mehr gefallen. Und wir wollen das machen, wie wir uns fühlen, und dieses Ohnmachtsgefühl, das sich durch die Gesellschaft zieht, spüren wir auch", meint Deichkind-Sänger Porky alias Sebastian Dürre. Für ihn ist der titelgebende Song der wichtigste auf dem Album. Es geht um Fake News und Filterblasen. An den Textzeilen haben sie deutlich länger als sonst gefeilt. "Weil wir den Rechtsruck in der Gesellschaft sehen. Weil die Leute aufhören, sich zu unterhalten. Es wird einfach 'Nö' gesagt. Es sind Sachen, wo wir jetzt als Erwachsene Verantwortung übernehmen, die mir früher auch einfach völlig egal waren."

"Wer sagt denn das?": Hedonismus und Gesellschaftskritik

Sozialkritischer heißt aber nicht weniger anarchisch. Für die Party-Fraktion ist auch noch genug dabei auf dem neuen Album. Deichkind bewegt sich zwar noch stärker als sonst zwischen den Polen Hedonismus und Gesellschaftskritik, zwischen Feiern und der Kritik am Feiern. Aber: Es gelingt. "Irgendwie haben wir das hingekriegt", sagt Porky. Er möchte nicht ausschließlich ernsthaft sein, denn: "Humor ist das beste Stilmittel. Das können wir auch am besten."

Porky: "Wir sind ein trojanisches Pferd"

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Sänger Porky weiß die eigene Musik nicht so recht einzuordnen: "Massenorientierter Kampf-Rap? Ich weiß es nicht."

Dieses Nicht-Greifbare ist ohnehin das Spannende an dem Hamburger Musikerkollektiv: Für viele Fans geht es einfach nur um das kathartische Konzerterlebnis, ums Hüpfen und Grölen. Die Feuilletons hingegen arbeiten sich an den Texten ab, die mal tiefsinnig, mal zutiefst unsinnig sind. "Wir sind wie ein trojanisches Pferd. Die Leute können einfach zum Konzert gehen und Spaß haben."

Deichkind-Album mit Böhmermann, Bela B und Til Lindemann

Für das neue Album haben sie eine Reihe hochkarätiger Gäste ins Boot geholt, ohne das groß zu thematisieren. Jan Böhmermann und Olli Schulz etwa, das Bo, Ärzte-Drummer Bela B oder Rammstein-Sänger Til Lindemann, mit dem sie die Persiflage "Tausend Jahre Bier" aufgenommen haben. "Es macht einfach Spaß, hässliche Musik zu machen", sagt Porky. "'Tausend Jahre Bier' ist ein großer Quatschsong, ich glaube aber, dass er live super funktionieren wird." Ziemlich sicher.

Denn Deichkind ist in erster Linie ein Live-Ereignis. Eine wild-bunt-anarchische Total-Eskalation mit Hüpfburg und leuchtenden dreieckigen Helmen, Glitzer und Gummiboot.

Deichkind - offizielles Pressebild mit weiß gekleideten Menschen mit Kapuze und schwarzen Handschuhen © Benjakon

Der Beitrag zum Hören

Sozialkritischer, aber nicht weniger anarchisch als sonst klingt das gelungene neue Album der Band Deichkind. Sänger Porky im Gespräch über Fake News, Feiern und Ironie.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 27.09.2019 | 06:55 Uhr