Textblatt einer Sängerin beim Weihnachtsmarkt-Chorsingen auf dem Roncalli Weihnachtsmarkt vor dem Hamburger Rathaus. © NDR Foto: Thomas Jähn

Chöre in der Weihnachtssaison: Auftreten oder nicht?

Stand: 26.11.2021 16:39 Uhr

Die Corona-Pandemie samt hoher Infektionszahlen drückt auch bei den Chören im Norden auf die Stimmung. Sie dürfen zwar aktuell noch proben und auftreten - aber die Aussicht auf die Konzerte in der Weihnachtszeit ist bei vielen Verantwortlichen getrübt.

Textblatt einer Sängerin beim Weihnachtsmarkt-Chorsingen auf dem Roncalli Weihnachtsmarkt vor dem Hamburger Rathaus. © NDR Foto: Thomas Jähn
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von Marcus Stäbler

Advent und Weihnachten sind eine besonders freudige Zeit für die Chöre. Auch bei den verschiedenen Jugend- und Erwachsenen-Ensembles von Stephan Doormann. Der viel beschäftigte Dirigent, Leiter der chor.com in Hannover und Musikpädagoge in Celle erzählt: "Wir hatten eine große Vorfreude und Sehnsucht nach Chorkonzerten, besonders natürlich nach der Weihnachtsmusik, dem Weihnachtsoratorium, dem Quempas-Singen. Seit einigen Wochen gesellt sich dazu aber die Sorge: Ist das wirklich noch zu verantworten angesichts der Entwicklungen? Diese Frage zehrt an vielen Chorleiterinnen und Chorleitern."

Sehnsucht nach Chormusik in der Weihnachtszeit

Doorman ist kürzlich selbst trotz vollständigem Impfschutz an Covid erkrankt und hat deshalb ein Konzert der Celler Stadtkantorei am vergangenen Wochenende absagen müssen. Die Sehnsucht danach, endlich wieder mit möglichst vielen Menschen das Erlebnis Chormusik zu teilen und die schmerzlich vermissten Weihnachtswerke aufzuführen, bringe ihn in einen Gewissenskonflikt: "Der Wunsch der Fachleute, Kontakte so weit es geht zu beschränken, lässt sich nicht vereinen mit einem Konzert, wo sich dann in einer Kirche mit bestimmten Hygieneauflagen 300 Leute treffen."

Chöre in der Pandemie: Mischung aus Begeisterung und Zweifel

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Mit diesem Unbehagen ist Doormann nicht allein. Auch Christopher Bender, Kantor an St. Johannis-Harvestehude in Hamburg, erlebt die Mischung aus Begeisterung und Zweifel in seinen Chören, die im 2G-Modus proben. "Bei den ersten Proben flossen sogar Tränen vor Freude", erzählt Bender. "Gleichzeitig sind die Leute aber auch verunsichert, sind skeptisch, haben Angst. Es fühlt sich für sie fast schon verboten an, für mich manchmal auch. Auch die Perspektive ist unklar: Findet das Konzert in drei Wochen überhaupt statt, für das wir gerade proben?" 

"Du solltest das absagen" - oder gerade nicht?

Wie Stephan Doormann probt auch Christopher Bender gerade unter anderem für eine Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach. Auch Bender spricht von einem Zwiespalt: "Von außen hört man immer wieder Stimmen, die sagen: Du solltest das jetzt absagen. Andererseits denke ich: Nee, es gibt auch gute Gründe, die dafür sprechen, genau das gerade zu tun. Sich in diesem Gegensatz zu bewegen ist ganz schön schwierig."

Die Chorleiterin Friederike Woebcken und ihr Madrigalchor Kiel haben sich dagegen für ein a cappella-Programm zur Adventszeit entschieden. Um den Schutz vor einer möglichen Infektion zu erhöhen, arbeiten Woebcken und ihre Sängerinnen und Sänger mit einem Modell, das über die üblichen Hygieneregeln und 2G noch hinausgeht.

Madrigalchor Kiel: Booster direkt vor den Konzerten

"Wir testen uns jetzt zusätzlich vor jeder Probe, zertifiziert durch eine Ärztin in unserem Chor", erzählt Woebcken. "Und wir haben sogar das Glück, in der nächsten und letzten Probe vor den Konzerten alle nach der Probe geboostert zu werden. Und dann müssen wir einfach hoffen, dass wir die Gelegenheit bekommen, diese Konzerte auch geben zu dürfen."

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 27.11.2021 | 08:40 Uhr

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