Eine Bühne mit geschlossenem Vorhang. © Colourbox Foto: -

Wie Kultureinrichtungen im Norden mit den steigenden Preisen umgehen

Stand: 23.09.2022 06:00 Uhr

Teures Licht, spezielle Klimaanlagen, Preissprünge bei Nahrungsmitteln: Die Kultureinrichtungen im Norden machen sich auf deutlich höhere Rechnungen gefasst. Werden sie die höheren Kosten ans Publikum weitergeben?

von Anina Pommerenke

Wer im Sommer ein Konzert im Hamburger Stadtpark besucht hat, hat ihn vielleicht bemerkt: Einen schlichten weißen DIN A4 Zettel, der an einem der Bierwagen neben dem Ausschank hing. Laminiert, damit er dem Regen Stand hält. Darauf erklärt der Betreiber, warum er die Preise für Getränke und Speisen anheben musste. So verzeichne er einen Kostenzuwachs in allen Bereichen: Die Preise für Frittierfett und Logistik seien demnach um 100 Prozent gestiegen, der Akquiseaufwand für Personal ebenso teurer wie der Mehraufwand durch eine neue Belegausgabepflicht. Zusätzlich sei er genauso wie alle anderen von den aktuell hohen Preisen in allen Bereichen betroffen. Zuletzt ist auf dem Zettel die Bitte vermerkt, nicht mit dem Personal über die neuen Preise zu diskutieren, sondern sich im Zweifel an eine E-Mail-Adresse zu wenden. Das lässt vermuten, dass nicht alle Kunden erfreut auf die höheren Preise reagiert haben. 

Theater Kiel: Kinder kommen günstig ins Musical "Der Zauberer von Oz" 

Doch nicht überall im Norden zeichnet sich eine Preiserhöhung ab - mancherorts wird es aktuell sogar günstiger. Das Theater Kiel möchte zurzeit besonders Familien eine Möglichkeit bieten, günstig ins Theater gehen zu können. Aus diesem Grund gelte der ermäßigte Kinderpreis beim neuen Familienmusical "Der Zauberer von Oz" in allen Platzkategorien. Auch das Schloss Reinbek hat auf Nachfrage von NDR Kultur mitgeteilt, wenigstens bis zum Jahresende 2022 die Preise für Konzertkarten nicht zu erhöhen. Das betrifft zum Beispiel das Akustifest, das Anfang November auf dem Renaissanceschloss stattfindet. 

Vollen Spendenbox im Horst-Janssen-Museum Oldenburg 

Ganz entgegen der aktuellen Preisentwicklungen ist im Horst-Janssen-Museum Oldenburg der Eintritt seit Anfang des Jahres frei. Grund: In der Nachbarschaft des Hauses befindet sich eine Baustelle und die Infrastruktur des Museums - also Café und Museumsshop - stehen aktuell nur eingeschränkt zur Verfügung. Die erstaunliche Beobachtung von Direktorin Jutta Moster-Hoos: Die Besucherinnen und Besucher seien so verwundert, umsonst reinzukommen, sodass sie gerne von sich aus spenden wollen. "Wir haben eine Spendenbox aufgestellt, die immer voll ist", so die Museumschefin.

Kunsthalle Kiel plant zurzeit keine Preiserhöhungen  

Auch die Kunsthalle Kiel plant nach eigenen Angaben zurzeit keine Preiserhöhungen - doch die aktuellen Entwicklungen werden fortlaufend geprüft. Noch bis zum 7. Oktober können sich Besucherinnen und Besucher aber erst einmal über ermäßigten Eintritt freuen, da gerade die neue Sonderausstellung "1+1=3 Die Kunstwelten der Mary Bauermeister" aufgebaut werde und infolgedessen nur die beiden Sammlungspräsentationen geöffnet sind.

Stabile Preise bei den Lübecker Museen

Auch der Geschäftsleiter der Lübecker Museen, Hans Wißkirchen, teilt auf Nachfrage von NDR Kultur mit, dass die Preise sowohl beim Eintritt in die Häuser als auch bei den Shops bislang stabil geblieben seien: "Wir denken und hoffen, dass wir dieses Niveau erst einmal so halten können." Auch das Mecklenburgische Staatstheater ist mit den gleichen Preisen für Eintrittskarten und Abos in die neue Saison gestartet, wie im vergangenen Jahr. Nach einem ersten Überblick zeichnet sich die Erkenntnis ab: An vielen Häusern hat sich trotz der aktuell angespannten Lage erst einmal nichts geändert.

Schon länger geplant: Neue Preise in der Elbphilharmonie 

Gerade treue Fans werden es aber doch bemerkt haben, wenn ihre Lieblingshäuser mit leicht erhöhten Preisen in die neue Saison gestartet sind. So gelten etwa in der Elbphilharmonie in Hamburg zur neuen Saison neue Preise: Erstmals seit der Eröffnung vor fünf Jahren habe man die Ticketpreise um 4,5 Prozent angehoben, teilt die Pressestelle mit. Das sei aber lange geplant gewesen und keine Reaktion auf die jüngste Inflationsentwicklung. Darüber hinaus gebe es im Haus aktuell keine Überlegungen, die Preise zu erhöhen - so die beruhigende Botschaft. 

Langfristig geplante Preisanpassungen am Theater Lüneburg 

Ähnlich verhält es sich aktuell am Theater Lüneburg. Grundsätzlich hebe man dort etwa alle zwei Jahre die Eintrittspreise um durchschnittlich 5 bis 6 Prozent an. Dieses Vorgehen beruhe auf einer Vereinbarung des Aufsichtsrats zusammen mit den Gesellschaftern aus dem Jahr 2011, heißt es zur Erläuterung. Dadurch soll das Theater einen Eigenbeitrag zur Reduktion der prognostizierten Deckungslücke beitragen, die zum Beispiel durch Tarifsteigerungen entstehen. Auch zur aktuellen Spielzeit erfolgte demnach eine langfristig geplante Preisanpassung. Die Gastronomie, für die eine externe Firma verantwortlich ist, habe die Preise im Schnitt um 50 Cent bis einen Euro erhöht: Darunter falle etwa der Aperol Spritz, der zuvor mit 5,50 Euro auch vergleichsweise günstig gewesen sei und nun 6,50 Euro koste. 

Leicht erhöhte Preise fürs "Theatertaxi"

Auch das "Theatertaxi" habe die Preise leicht erhöht. Dabei können Besucher des Theaters im Anschluss an die Vorstellungen einen Platz in einem Sammeltaxi buchen. Die zuständige Firma habe die Preise nun um einen Euro erhöht. Für die Fahrt innerhalb Lüneburgs fallen demnach Kosten in Höhe von sechs Euro an, in umliegende Orte wie Adendorf, Bardowick, Vögelsen, Reppenstedt, Deutsch Evern, Wendisch Evern sind es nun 10 Euro. Für die etwas weitere Strecke nach Mechtersen, Kirchgellersen, Embsen, Melbeck, Barendorf, Scharnebeck mittlerweile 19 Euro - was immer noch deutlich unter dem normalen Preis für ein Taxi liegt.

Günstiges Schnupperangebot beim Schauspielhaus Hamburg 

Das Schauspielhaus Hamburg hat nach eigenen Angaben die Abos zur neuen Saison angepasst und überarbeitet - Preise und Rabattierungen seien dabei größtenteils gleich geblieben. Das System sei aber vereinfacht worden und neue Vorteile hinzugekommen. Dazu gehören etwa die gratis Garderobe und ein gratis Programmheft sowie ein besonderes Vorkaufsrecht für Fest-Abonnent*innen. Außerdem halte das Haus besondere Angebote bereit, mit denen der Theaterbesuch günstiger werde: Zum Beispiel ein Schnupperangebot für den Herbst für 19,90 Euro, mit dem bis Ende Oktober 40 Prozent auf bis zu zwei Karten gespart werden können - bei so vielen Vorstellungen wie gewünscht. Außerdem habe das Schauspielhaus in allen Spielstätten und für alle Ermäßigungsgruppen ein 9-Euro-Ticket eingeführt, das auf allen verfügbaren Plätzen und sogar bei Premieren gelte. Schließlich bestand am Haus durchaus die Sorge, dass gerade die Fest-Abonnenten nach zwei Jahren Corona-bedingter Pause ausbleiben könnten, doch das habe sich nach einem guten Verkaufsstart erfreulicherweise nicht bestätigt.

Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg will Preise nicht erhöhen

Am Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg sind die Eintrittspreise seit 2016 stabil. Mit den Preisen von 12 und ermäßigt 8 Euro bewege man sich laut Geschäftsführer Alexander Stockinger außerdem im Bundesdurchschnitt für Häuser dieser Größe. Dennoch räumt das Museum ein, dass die aktuellen Preissteigerungen durch die allgemeine Inflation und die massiv gestiegenen Energiekosten die Museen ebenso wie alle Bürgerinnen und Bürger treffen. Deswegen sei man intensiv mit den Kolleg*innen anderer Häuser und den Behörden im Gespräch. Gleichzeitig setze das Haus Maßnahmen zur Kostensenkung um. Momentan sei keine Erhöhung der Ticketpreise vorgesehen - um das MK&G weiterhin einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, werde man versuchen, eine Eintrittspreiserhöhung zu vermeiden.

Bucerius Kunst Forum will Hemmschwellen senken 

Auch das Bucerius Kunst Forum werde trotz der teils dramatischen Preisentwicklungen die Preise für seine Leistungen nicht anheben, teilt Geschäftsführer Andreas Hoffmann mit. Er hält es gerade in der aktuellen Situation für den Kultursektor sogar für kontraproduktiv, erhöhte Eintrittspreise für Ausstellungen, Veranstaltungen, Führungen und museumspädagogische Angebote zu verlangen. So bemühe sich das Bucerius Kunst Forum intensiv darum, die Hemmschwellen für den Museumsbesuch zu senken, um die Bedeutung von Museen und Ausstellungshäusern als soziale Orte und "Einrichtungen für alle" zu stärken. Niedrige Eintrittspreise oder sogar spezielle Tage mit freiem Eintritt stellen für ihn einen zentralen Baustein beim Erreichen dieser Mission dar. Auch das Bucerius Kunst Forum stehe zwar aktuell unter einem enormen Kostendruck - so lägen die Transportkosten bei internationalen Ausstellungsprojekten um ein Drittel höher als früher - das sei mit einer großen gemeinnützigen Stiftung im Rücken aber sehr viel einfacher zu realisieren, räumt der Geschäftsführer ein. Hoffmann ist überzeugt: "Die aktuellen Preissteigerungen stellen für uns alle eine gewaltige Herausforderung dar."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 23.09.2022 | 08:15 Uhr

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