Ein großer Holzstamm, der die Form eines Phallus hat, rechts neben ihr steht eine Frau. © Peter Bartelt / NDR Foto: Peter Bartelt
Ein großer Holzstamm, der die Form eines Phallus hat, rechts neben ihr steht eine Frau. © Peter Bartelt / NDR Foto: Peter Bartelt
Ein großer Holzstamm, der die Form eines Phallus hat, rechts neben ihr steht eine Frau. © Peter Bartelt / NDR Foto: Peter Bartelt
AUDIO: St. Peter- Ording: Holzskulptur von Hein Hoop (4 Min)

Hein Hoop: Erotische Darstellung einer Holzskulptur

Stand: 17.01.2023 14:10 Uhr

Im Museum Landschaft Eiderstedt in St. Peter-Ording ist zur Zeit eine große Holzskulptur von Künstler Hein Hoop zu sehen. Sie war jahrelang im museumseigenen Schuppen gelagert worden und musste aufwändig restauriert werden.

von Peter Bartelt

Die Skulptur stellt einen übergroßen Phallus mit weiblichen Brüsten dar. Erotische Darstellungen nahmen in der Kunst des Kultkünstlers Hein Hoop laut Museumsleiterin Katja Sinn einen großen Raum ein. Bekannt wurde er über die Landesgrenzen hinaus durch verschiedene Kunstaktionen im Watt. Zum Beispiel durch die Aufstellung einer sogenannten Gezeitentür, die bei Ebbe und Flut auf und zu schwingen sollte. Hein Hoop starb bereits 1986 mit nur 59 Jahren.

Hein Hoop: Ein Künstler, der alles konnte

Hein Hoop weer en ganz besünnere Minsch. He weer en Multitalent. He hett malt, he hett ut ole Holt Skulpturen kloppt. He hett sik in't Watt mit sien Kollegen mit Schlick affschmeeten und een Döör för de Tiden in Watt opstellt. Na sien Dood keem sien Kunst mehrstendeels in private Hannen, man een Deel keem ok in't Museum Landschaft Eiderstedt in St. Peter-Ording. Dor steiht en Skulptur von Hein Hoop, mit´n ganz besünnere Geschicht.

Eine Holzskulptur in Form eines Phallus

Ein großer Holzstamm, der die Form eines Phallus hat. © Peter Bartelt / NDR Foto: Peter Bartelt
Die Holzskulptur ist aus einem Eichenstamm geschnitzt, der wohl aus einem alten Bauernhaus stammt.

Baven, in't erste Stockwark, steiht düsse Holtskulptur von Hein Hoop, in'n Eck ganz för sik alleen, so as wull se seggen: kiek mol, ick bün eenmalig! Een-Meter-Veertig is düsse ole Eekenstamm groot, de Hein Hoop so bearbeidt hett, dat dar, wat schall ik seggen ahn rot rot antolopen, ach ik laat dat de Museumsleiterin Katja Sinn seggen: "Das ist ein großer Phallus, der aber auch weibliche Brüste hat. Bei dem einen Busen sieht man sehr deutlich, dass diese Wölbung schon im Holz angelegt war. Das sieht aus, als wäre da mal ein Ast gewesen und genau an der Stelle ist er der Form gefolgt."

Skulptur von Hein Hoop ist restauriert worden

Över Johrn hett dat keeneen mokt, de weer versteken, in Museumsschippen un Katja Sinn hett se wedder utbuddelt: "Das war sehr porös und nicht ausstellbar und ich habe gedacht, diese Skulptur muss ins Museum, die darf nicht im Schuppen stehenbleiben und dann ist die Restaurierung tatsächlich gefördert worden." Un nu steiht he dor in sien ole Pracht, de Eekenholtphallus mit Fruenslüüd-Boss. Aver weet Katja Sinn denn ok, woher düsse Skulptur egentlich kummt? "Ich weiß, unter anderem von seiner Schwester, dass er Holz aus Abrisshäusern geborgen hat und dieses wird mit ziemlicher Sicherheit so ein Balken sein, weil man unten Zapflöcher sieht. Er hat immer ein Zwiegespräch mit dem Holz geführt."

Hein Hoop hat mit Holz gesprochen

Und wat he mit dat Holt to schnacken harr, dor könen wi mol rinhörn, dor geev dat en historische Opnahm: "Dieser Balken hier stammt aus einem alten Haus aus der Nähe von Husum. Wir philosophieren miteinander, das Holz weiß tolle Geschichten und ich nutze die auch literarisch. Wir begrüßen uns immer sehr freundlich mit einem freundlichen: Moin, Moin." Dat klingt so, as harr he dat würkli bi de Arbeit mit düsse Holtskulptur vertellt.

Ein Kunstwerk mit zwei Geschlechtern

Aver nu mutt ick ja mol frogen, wieso is dat nu een Phallus mit de Fruunslüüdboss, wat schall dat? "Ich habe über ihn gehört, dass er ein ziemlicher Macho war und ich finde es erstaunlich, dass er in einem Kunstwerk das Männliche und Weibliche vereint. Aber es ist auch ein Zitat von ihm überliefert, das heißt: In jedem Menschen, ob Mann oder Frau, ist auch ein Teil des Anderen", sagt Museumsleiterin Katja Sinn.

Man schaad, he is nich old worrn, sunst harn wi seker no mehr Kraam von ehm funnen. Ok Katja Sinn harr em geern mol drapen: "Ich denke die ganze Zeit, dass ich zu spät nach Eiderstedt gekommen bin. 1986 hätte ich es doch noch hinbekommen können ihn mal zu treffen, da ist er nämlich gestorben. Das ist richtig schade, dass mir das entgangen ist." Aver nu hett se tominsst wat von em, dat nu in ehr Museum steiht, dor baven, in´t erste Stockwark. Und dor blifft dat ok, un sun Skulptur ut Eeken is je ok een Teeken för de Unvergänglichkeet von de Kunst von Hein Hoop.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 16.01.2023 | 20:10 Uhr

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