Stand: 21.01.2020 09:37 Uhr  - NDR Kultur

Flexible Preise: Bremer Museum testet neues Modell

von Anina Pommerenke

14 Euro kostet der Eintritt in die Hamburger Kunsthalle, 7 Euro der Einlass ins Sprengel Museum Hannover oder der Kunsthalle Kiel. Dabei ist es normalerweise egal, ob der Besucher nur zehn Minuten oder den ganzen Tag bleibt. Die Weserburg, Bremens Museum für moderne Kunst, hat im Dezember ein flexibles Preismodell getestet, bei dem die Besucher nur für die Zeit zahlen, die sie im Museum bleiben.

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Besucher können sich mit dem flexiblen Preismodell auch nur einzelne Ausstellungen angucken.

Ein Klappzahlenwecker aus dem Museumsshop mit großen weißen Zahlen auf schwarzen Ziffernblättchen und ein zusätzlicher Laptop neben der Kasse mit dem Programm Excel drauf - mehr Ausrüstung brauchte es laut Geschäftsführer Tom Schößler nicht, um das alternative Preismodell in der Bremer Weserburg zu testen. "Wir haben festgestellt, dass an der Kasse immer mal wieder Leute fragen, ob sie mal eine kleine Kabinettausstellung sehen können oder wie sie eine neue Ausstellung sehen können, obwohl sie schon mehrmals im Haus waren", sagt der Geschäftsführer. Viele fragen laut Schößler auch, ob sie "nur mal kurz reinschauen" dürfen.

Steigende Besucherzahlen dank "Zahl solange du bleibst"

Einen Euro pro zehn Minuten zahlten die Besucher in der vierwöchigen Testphase, maximal jedoch neun Euro. Das ist der normale Eintrittspreis für das Museum für moderne Kunst. "Die Besucherzahlen sind in den vier Wochen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 42 Prozent gestiegen", freut sich Schößler. Die Erlöse seien dabei ungefähr gleich geblieben.

Kürzere Verweildauer, aber große Besucherzufriedenheit

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Mehr Besucher, kürzere Verweildauer, ähnliche Einnahmen: Geschäftsführer Tom Schößler wägt Vor- und Nachteile ab.

Im Schnitt verbrachten die Besucherinnen und Besucher 67 Minuten in dem Museum für moderne Kunst. Umfragen zeigen: Das ist eine gute Viertelstunde weniger als sonst. Gehetzt haben sich durch das "Zahl solange du bleibst"-Modell aber nur die wenigsten gefühlt (4 Prozent). 73 Prozent der Besucher empfanden den gezahlten Preis für ihren Besuch als besonders fair.

Die Idee für das flexible Preismodell gibt es schon seit 2010. Sie stammt aus einer Studie von zwei Wirtschaftswissenschaftlern aus der Schweiz, Bruno Frey und Lasse Steiner. Doch getestet wurde es der Weserburg zufolge noch nicht im deutschsprachigen Raum. Es scheint sich auch nur für Museen anzubieten, die gleichzeitig mehrere Ausstellungen im Programm haben, die regelmäßig erneuert werden. Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten wäre es in der Weserburg zum Beispiel schwierig, separate Tickets für bestimmte Ausstellungen anzubieten.

Zweite Testphase im März

Bei den Besucherinnen und Besuchern der Weserburg kam das flexible Bezahlmodell gut an. Eine Besucherin erzählt, dass sie sich beispielsweise gerne noch mal die Highlights der aktuellen Ikonen-Ausstellung der Kunsthalle Bremen anschauen würde, aber nicht bereit sei, noch einmal den vollen Eintritt über 14 Euro zu zahlen. Mit dem flexiblen Bezahlmodell ist dies auch nicht nötig.

Das Modell dauerhaft einzuführen stehe trotz der positiven Ergebnisse noch nicht zur Debatte, so Schößler. Denn der Preis alleine sei für einen Museumsbesuch nicht ausschlaggebend: "Es ist viel wichtiger, dass man etwas Interessantes zu bieten hat", sagt Schößler. "Wer sich nicht für das Gezeigte interessiert, kommt nicht, egal ob es denn nun zwei, drei oder gar keinen Euro kostet." Ob das "Zahl solange du bleibst"-Modell tatsächlich mehr Besucher anzieht, soll eine zweite Testphase im März zeigen.

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NDR Kultur | Matinee | 21.01.2020 | 07:40 Uhr

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