Regisseurin Lola Cuevas (Penélope Cruz) und Félix Rivero (Antonio Banderas) im Film "Der beste Film aller Zeiten" von Mariano Cohn und Gastón Duprat © Studiocanal

"Der beste Film aller Zeiten" hat knallige Pointen zu bieten

Stand: 30.06.2022 16:41 Uhr

Nirgendwo wird so gekonnt geheuchelt wie in der Filmbranche. Die Komödie nimmt Künstlermarotten mit bösem Humor aufs Korn. Für den "besten Film aller Zeiten" reicht's nicht - aber für einen vergnüglichen Abend.

von Walli Müller

Wer den "besten Film aller Zeiten" nicht verpassen will, muss in den kommenden Tagen ins Kino gehen. Denn da läuft er: "Der beste Film aller Zeiten" - zumindest dem Titel nach. Was verbirgt sich hinter dieser spanisch-argentinischen Komödie mit Penélope Cruz und Antonio Banderas?

Penélope Cruz als angesagte Regisseurin

Was man eindeutig sagen kann: Penélope Cruz trägt in diesem Film die schrägste Perücke aller Zeiten. Eine wilde rote Elektroschock-Mähne, passend zum künstlerischen Energiebündel Lola Cuevas. Die angesagte Regisseurin soll im Auftrag eines reichen Geldgebers einen Film der Superlative drehen: Das Werk eines Nobelpreisträgers, verfilmt mit zwei absoluten Star-Schauspielern, die bisher noch nie zusammengearbeitet haben.

Regisseurin Lola Cuevas: "Die beiden kommen aus unterschiedlichen Welten. Iván ist der Maestro der Schauspielkunst, von allen verehrt. Und Felix ist ein Star, ein internationaler Filmstar. Das ergibt ein faszinierendes Spannungsfeld mit sehr viel Potenzial." Filmszene aus "Der beste Film aller Zeiten"

Antonio Banderas karikiert einen spanischen Hollywood-Promi

Antonio Banderas tritt im orange-farbenen Sportwagen auf, Blondine auf dem Beifahrersitz, Catering laut Vertrag makrobiotisch, glutenfrei und regional. Herrlich, wie Spaniens Hollywood-Promi einen spanischen Hollywood-Promi karikiert. Félix Rivero versprüht Weltstar-Glamour und repräsentiert all das, was sein Kollege verabscheut. Iván Torres, gespielt vom Argentinier Oscar Martínez, ist die Ehrfurcht gebietende, graue Eminenz der spanischsprachigen Theaterwelt. Eines haben die zwei aber gemeinsam: das übergroße Ego.

"Ich seh's schon vor uns, wie man uns den Oscar überreicht im Dolby Theatre. - In Hollywood? - Ja, Du hältst eine kleine Rede auf Englisch. Kannst Du doch, oder? - Nein nein. Ich bin äußerst ungern der Vorzeige-Latino in dieser Unterhaltungsindustrie für geistig Unterbemittelte. Nein, geh' Du, Du machst sowas gern." Félix Rivero und Iván Torres in einer Szene von "Der beste Film aller Zeiten"

Martínez & Banderas: Hahnenkampf zweier eitler Schauspieler

Vor dem Oscar müsste allerdings noch der gemeinsame Film gedreht werden, was eine gewisse Zusammenarbeit voraussetzt. Schon die ersten Sprechproben aber zeigen, wie schwer es beiden fällt, ihre Geringschätzung füreinander zu verbergen. "Der beste Film aller Zeiten" unterhält also mit dem entfesselten Hahnenkampf zweier eitler Schauspiel-Gockel.

Nirgendwo wird so gekonnt geheuchelt, ist so viel Missgunst im Spiel wie auf der großen Bühne der Filmschaffenden. Das macht diese Komödie, natürlich in überzeichneter Form, offenbar. Die ehrlichste Szene ist die, in der die Rivalen sich in einer Schauspielübung Schimpfwörter an den Kopf werfen dürfen.

"Der beste Film aller Zeiten": Komödie mit knalligen Pointen

Die coole, selbstbewusste Regisseurin Lola Cuevas hat ihre Methoden, zwei spleenigen Stars ein wenig Demut beizubringen.

Sie ist als Psycho-Coach dargestellt, die Schauspieler wahlweise als Mimosen oder gekonnte Selbstdarsteller. Mit radikal bösem Humor werden hier Künstlermarotten aufs Korn genommen, aber auch die sexistischen Muster, in die beide Akteure Lola gegenüber immer wieder verfallen.

Nicht jede und jeder mag diese Selbstbespiegelung abendfüllend unterhaltsam finden, aber der Film des argentinischen Regie-Duos Mariano Cohn und Gastón Duprat hat ein paar knallige Pointen zu bieten - und einen grandios selbstironischen Auftritt von Antonio Banderas. Für den tatsächlich "besten Film aller Zeiten" reicht's nicht, aber für einen vergnüglichen Kinoabend durchaus.

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"Der beste Film aller Zeiten"

Genre:
Komödie | Drama
Produktionsjahr:
2021
Produktionsland:
Spanien, Argentinien
Zusatzinfo:
Mit Penélope Cruz, Antonio Banderas, Oscar Martínez, José Luis Gómez u.a.
Regie:
Mariano Cohn & Gastón Duprat
Länge:
114 Minuten
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
ab 30. Juni 2022

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 29.06.2022 | 07:55 Uhr

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