Regisseur Roger Corman beim Filmdreh von "Frankenstein Unbound" im Jahr 1990. © Everett Collection

Roger Corman: Der König der B-Movies wird 95

Stand: 05.04.2021 16:01 Uhr

Roger Corman war so etwas wie der Lehrmeister des modernen Hollywood: als erster Arbeitgeber von Talenten wie Martin Scorsese oder James Cameron. Jetzt feiert der Amerikaner seinen 95. Geburtstag.

Regisseur Roger Corman beim Filmdreh von "Frankenstein Unbound" im Jahr 1990. © Everett Collection
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von Ocke Bandixen

Der US-Produzent und Regisseur Roger Corman wird der König der B-Movies genannt. Denn sein Werk besteht hauptsächlich aus zweitklassigen Filmen voller billiger Effekte und Klischees. Zum Beispiel "Lebendig begraben" nach Edgar Allen Poe, "Angriff der Killerkrabben" oder "Die Wespenfrau". Von Monsterfilmen und Sexstreifen über Western bis hin zu dem Musikfilm. In einem Jahr habe er mal nur sechs Filme gedreht, erzählte Corman einmal im Interview, doch inzwischen habe er den Überblick verloren, es seien wohl zwischen 350 und 400 Filmen.

Filmemachen im Vorwärtsgang

Filmszene aus "Wild Angels" mit Peter Fonda und Nancy Sinatra. © Everett Collection
Roger Corman war der erste Regisseur, der Peter Fonda auf ein Motorrad setzte, im Film "Wild Angels". Hier zu sehen an der Seite von Nancy Sinatra.

James Cameron hat, wie viele, bei Corman vor allem einen Geist der Unabgängigkeit mitbekommen. Und nicht nur Martin Scorsese spricht immer noch von der Corman-Akademie, die er und viele andere Stars als Cormans Assistenten erlebte: "Wer die sogenannte Corman-Akademie durchlief, lernte vor allem, wie man einen Zeitplan genau einhält," so Scorsese. Denn Drehtage sind Geld. Corman war vor allem in den 1960ern sehr erfolgreich mit seinen sogenannten B-Movies, die als zweiter Film neben den Hauptstreifen in den vielen neuen Autokinos liefen.

Francis Ford Coppola, Robert de Niro, Peter Fonda oder Sylvester Stallone - alle durchliefen die Corman-Akademie. Wenn etwas Neues aufkam, dann reagierte Corman sofort, erinnerte sich Dennis Hopper: "Sein Genie war die Themenauswahl, er las die Zeitung, sah Motorräder und sagte: 'Oh, lass uns einen Motorradfilm machen.'" Corman war tatsächlich der erste, der Peter Fonda auf ein Motorrad setzte, in "Wild Angels". "Easy Rider" machten Fonda und Dennis Hopper dann aber schon allein. Wie immer: Die Talente verließen Corman und machten selbstständig weiter.

Ehren-Oscar für sein trashiges Lebenswerk

Inzwischen hat Roger Corman einen Ehren-Oscar bekommen, eine späte Genugtuung für sein trashiges Lebenswerk. Zurückgezogen aus dem Filmgeschäft hat sich der 95-jährige Prozent mit dem feinen Lächeln und der braven Beamtenfrisur immer noch nicht. "The Jungle Demon" und "Sharktopus vs. Whalewulf" sind nur zwei seiner jüngsten Werke. In manchen Filmen seiner Schüler tauchte er in der Vergangenheit kurz auf, zum Beispiel im "Paten", in "Philadelphia" oder im "Schweigen der Lämmer". Eine kleine Ehrung des alten Lehrmeisters von Hollywood.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Kultur | 05.04.2021 | 16:55 Uhr

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