Schauspieler Ralf Wolter in der Rolle des schrulligen Trappers Sam Hawkins bei Dreharbeiten zu der Karl-May-Verfilmung "Mein Freund Winnetou" (Foto von 1979) © dpa / picture alliance Foto: Dieter Klar

Ralf Wolter: Sam Hawkens macht ihn weltberühmt

Stand: 26.11.2021 23:00 Uhr

Er gehört zu den Karl-May-Filmen wie die Silberbüchse zu Winnetou. Mit seinem Perücken-Skalp hat Ralf Wolter als Sam Hawkens Filmgeschichte geschrieben. Das ist mehr als 50 Jahre her.

von Jochen Lambernd

"Ich irre mich nie. Wenn ich mich nicht irre, hihihi!" Ralf Wolter als Sam Hawkens

Dieses Zitat ist über die Jahre zu einem geflügeltem Wort geworden, das untrennbar mit Ralf Wolter alias Sam Hawkens* verbunden ist. 1962 taucht die Figur des sympathisch-verwirrten Trappers erstmals in "Der Schatz im Silbersee" auf. Wolter spielt an der Seite von Pierre Brice als Winnetou und Lex Barker als Old Shatterhand. "Ich bin glücklich mit der Rolle gewesen, es war eine meiner schönsten Zeiten", sagt Wolter einmal. Er habe die Figur Sam Hawkens geliebt. Sonst wäre sie auch nicht so geworden, ist er sich sicher. Einen weiteren Effekt hatte Sam Hawkens für ihn auch noch: "Komischerweise fiel diese positive Rolle auf mich als Ralf Wolter zurück. Die Leute sagten: Der ist ein dufter Kerl."

Wolter wirkt in diversen Karl-May-Verfilmungen der 1960er-Jahre mit. Neben Sam Hawkens brilliert er auch als Hadschí Halef Omar. Dessen Mundwerk ist oft schneller als sein Verstand. Nicht weniger skurril ist die Rolle des Kuckucksuhrenvertreters Andreas Hasenpfeffer in "Der Schatz der Azteken" und "Die Pyramide des Sonnengottes". Dafür soll er extra Schwäbisch gelernt haben. 1980 gibt Wolter in der Fernsehserie "Mein Freund Winnetou" noch einmal Sam Hawkens.

In Berlin geboren und ausgebildet

Ralf Wolter wird am 26. November 1926 als Sohn einer Musikerin und eines Zirkusartisten in Berlin geboren. Schon mit sechs Jahren hat er seinen ersten Theaterauftritt bei einer Aufführung von "Peer Gynt". Er besucht die Schauspielschule "Der Kreis" in Berlin und startet seine Karriere in diversen Theaterhäusern in und um seine Geburtsstadt. Bis ins hohe Alter steht er auf den Bühnenbrettern deutscher Theater. Seine Leidenschaft fürs Schreiben und Komponieren führt ihn schon früh zum Kabarett. Er tritt in Berlin, aber auch in Hamburg auf. Sein erster Film ist im Jahr 1951 der Streifen "Die Frauen des Herrn S." - ein kabarettistischer Spielfilm, in dem unter anderem Sonja Ziemann, Paul Hörbiger und Walter Giller mitwirken. Es folgen mehr als 200 Produktionen, meist Komödien.

Serienheld, Softsexfilm-Darsteller und Synchronsprecher

In der 13-teiligen ZDF-Serie "Ein Fall für Titus Bunge" verkörpert Wolter 1967 die Titelfigur, einen Privatdetektiv. Der Schauspieler dreht Ende der 1960er-, Anfang der 1970er-Jahre zudem verschiedene Softsex-Filmkomödien mit vielsagenden Titeln wie "Alle Kätzchen naschen gern" oder "Hilfe, mich liebt eine Jungfrau". Es folgen schnulzige Streifen mit dem damaligen Kinderstar Heintje sowie die vielfach im Fernsehen wiederholten und zum Teil sehr klamaukigen "Lümmel- und Pauker-Filme", unter anderem mit Theo Lingen, Uschi Glas und Hansi Kraus. Bekannt sind auch der Spielfilm "Was ist nur mit Willi los?" (1970) mit Heinz Erhardt, der Schlagerfilm "Tante Trude aus Buxtehude" (1971) mit Rudi Carrell, Ilja Richter und Chris Roberts sowie "Piratensender Powerplay", eine Komödie von 1982, mit der Mike Krüger und Thomas Gottschalk die sogenannte "Supernasen"-Reihe starten.

Wolter avanciert zu einem der bekanntesten deutschen Komiker. Er arbeitet als Fernsehmoderator, Synchronsprecher (unter anderem Miraculix in "Asterix in Amerika" von 1994), Kabarettist, Komponist und Sänger. Er steht auch für TV-Serien wie "Mit Leib und Seele" und "Ein Schloss am Wörthersee" vor der Kamera. Außerdem taucht er bei "Der Alte", "Tatort", "Liebling Kreuzberg" und "Der Fahnder" auf. Und er sorgt für Lachtränen in Kinofilmen wie "Otto - Der Liebesfilm" (1992) mit Otto Waalkes und "Das Kondom des Grauens" (1996).

Ralf Wolter: "Ich mache alles mit Liebe"

"Für mich zählt, dass ich alles mit Liebe mache", sagt Wolter. "Wie man ein gutes Restaurant am liebevoll angemachten Salat erkennt", erkenne man gute Schauspieler an der Liebe zur Rolle. Er setzt sich auch mit anspruchsvollen Stücken auseinander. Bei den Bad Hersfelder Festspielen 1997 übernimmt er gleich mehrere Rollen: Wolter ist Jurist in Georg Büchners "Dantons Tod" und Petrosilius Zwackelmann in Otfried Preußlers "Der Räuber Hotzenplotz". Die Festspiele bezeichnet er als "weiteren Baustein meiner Freude an Vielseitigkeit".

Mit Pierre Brice auch in Bad Segeberg aufgetreten

Seine erfolgreichste Rolle lässt ihn nicht los: Das skalpierte alte Wild-West-Bleichgesicht Sam Hawkens gibt der Schauspieler auch bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg. 1991 tritt er dort zusammen mit Pierre Brice auf, der insgesamt vier Spielzeiten als Winnetou am Kalkberg absolviert. Anders als Brice ("Ich vermisse Respekt") findet Wolter Gefallen am "Schuh des Manitu" - auch wenn er in der liebevoll umgesetzten Winnetou-Persiflage von Michael "Bully" Herbig gar nicht mitspielt. Er findet den Film "überragend - unglaublich komisch und lustig", erzählt er dem "Focus" 2001.

Wolter: "Männerfreundschaft bei 'Winnetou' trifft Nerv"

Das Nachrichtenmagazin fragt Wolter auch, ob er eine Erklärung für den regelrechten Winnetou-Kult habe, der damals aufkommt, sodass Bildbände aufgelegt werden und alte Filmmusiken neu herausgebracht werden. Der Schauspieler sieht bei der Figur Winnetou ein Geheimnis, das Faszination auslöse. Karl May habe "mit ihr einen Nerv getroffen in puncto Männerfreundschaft, die von allen Männern herbeigesehnt wird und nie in dieser Form stattfindet. Das ist vielleicht auch ein speziell deutscher Punkt."

Unfall verursacht - zu Bewährungsstrafe verurteilt

Schlagzeilen weit entfernt von der Bühne macht Wolter, als er am 22. Mai 2002 durch ein riskantes Wendemanöver in einem Stau auf der A24 einen Unfall mitverursacht. Ein Lkw zerquetscht ein Auto. Drei Menschen sterben. Wolter entfernt sich vom Unfallort. Der damals 75-Jährige beteuert, von dem Unglück nichts bemerkt zu haben. Die Angehörigen der Opfer bittet der sonst so lustige Leinwand-Held unter Tränen um Vergebung. "Ich möchte sagen, dass ich alles, was passiert ist, unendlich bedauere", zitiert ihn die "Hamburger Morgenpost". Den Angehörigen der Opfer spreche er sein "tiefes und aufrichtiges Beileid" aus. Wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung des Straßenverkehrs erhält er eine zehnmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie eine Geldstrafe. Der "Bild" sagt Wolter über den Unfall: "Das bleibt meine größte Sünde."

Seit Jahren keine Angebote mehr angenommen

Otto Sander 2011 bei den Dreharbeiten "Bis zum Horizont, dann links". © dpa
"Bis zum Horizont" aus dem Jahr 2012 ist der letzte Film, in dem Ralf Wolter (l.) zu sehen ist.

2012 ist er zuletzt in einem Kinofilm zu sehen. In der Komödie "Bis zum Horizont, dann links!" spielt er einen Senioren - unter anderem an der Seite von Otto Sander, Angelica Domröse, Herbert Feuerstein, Tilo Prückner und Robert Stadlober. 2013 teilt er in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung mit, dass er sich aus dem Schauspielerei verabschiedet habe. "Man erreicht irgendwann einen Punkt, wo man sagt: Es ist wirklich genug, ich will nicht mehr." Angebote lehnt er seitdem ab. "Irgendwann steht man lieber hinter statt vor dem Vorhang auf der Bühne."

Mehr als 60 Jahre verheiratet

Zusammen mit Ehefrau Edith, mit der er seit Ende der 1950er-Jahre verheiratet ist und zwei Kinder hat, lebt Ralf Wolter in München. Eigenen Angaben zufolge fährt er viel Fahrrad, um fit zu bleiben. Meistens gehe es zum Einkaufen. Ansonsten genieße er die Ruhe. Er habe sich "verabschiedet von allem Lauten", sagt er der "Bild" 2020. Er bezeichnet sich selbst als "klapprig". Es zwicke ein bisschen hier und da. Seine Augen sehen nicht mehr so gut, Auto fährt er nicht mehr. 100 Jahre alt werden - das möchte Wolter gar nicht. Scherzhaft sagt er: "Wenn ich mich nicht irre, wird das nichts."

*Karl May verwendete die Schreibweise "Hawkens". Es wird aber auch öfter der Name "Hawkins" benutzt, dabei interessanterweise in der Fernsehserie "Mein Freund Winnetou".

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Schleswig-Holstein Magazin | 07.11.2021 | 19:30 Uhr

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