Stand: 26.03.2020 14:33 Uhr  - NDR Info

Kinos in der Krise: "Kosten laufen weiter"

Die deutschen Kinos dürften wohl auch nach der Hochphase der Corona-Krise noch eine Weile geschlossen bleiben. Denn neben dem Faktor, dass Kino als Freizeitaktivtät nicht systemrelevant ist, sitzen die Menschen auch noch über einen längeren Zeitraum in einem geschlossenen Raum eng nebeneinander. Für fast alle Kinos in Deutschland ist die aktuelle Situation existenzbedrohend - vor allem für die kleinen Programmkinos. NDR.de hat mit Matthias Ellwardt, dem Geschäftsführer des Zeise Kinos in Hamburg, und Tobias Roßmann vom Oldenburger Kino Casablanca gesprochen.

Zeise Kino: "Projektoren müssen regelmäßig gestartet werden"

Herr Ellwardt, wie geht es Ihnen?

Bild vergrößern
Ein Foto aus sorgenfreien Tagen: Matthias Elwardt (Geschäftsführer vom Zeise Kino) präsentiert sich mit Schauspieler Lars Eidinger.

Matthias Ellwardt: Das ist eine sehr schwierige und außergewöhnliche Situation. Kino ist ein Publikumsort und wenn das Publikum nicht kommen darf, können wir natürlich gar nichts machen. Ich kenne diese Situation nicht. Ich glaube, keiner in der Kinobranche hat je damit gerechnet, dass er sich mal einen Tag keine Gedanken über Filme macht. Die Situation ist insbesondere deswegen schwierig, weil wir nicht wissen, wann es wieder losgehen kann und zu welchen Bedingungen. Also dürfen die Leute wieder zu uns kommen oder dürfen nur wenige kommen? Das sind große Probleme, die da vor uns liegen.

Und was sind die größten Probleme der Gegenwart?

Ellwardt: Verträge mit allen möglichen Partnern kann man nicht einfach so über Nacht kündigen. Gewisse Kosten laufen weiter. Alle unsere Rechner laufen weiter, unsere Projektoren müssen regelmäßig gestartet werden, weil die so hochtechnisch sind, dass sie sonst kaputt gehen würden. Interessant ist, dass Dänemark den Kinos immerhin 80 Prozent der Festkosten als Zuschuss bietet. Das wären für die deutsche Kinobranche nicht unbeträchtliche Summen, über so etwas muss man nachdenken.

Corona: Kinos bangen um ihre Zukunft

Kulturjournal -

Die Kinobetreiber bangen um ihre Existenzen. Für eine Öffnung ist allerdings noch keine Lösung gefunden, denn mit den Hygienevorschriften lässt sich ein Kinobesuch nur schwer realisieren.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Jetzt, wo Sie sich ausnahmsweise mal nicht mit neuen Filmen beschäftigen müssen, was schauen Sie dieser Tage?

Ellwardt: Ich gucke mir filmgeschichtliche Lücken an. Da gibt es übrigens einen wunderbaren Link der Hamburger Bücherhallen mit ein paar schönen Sachen. Ich habe gestern Will Trempers "Die endlose Nacht" gesehen. Ein Film, der ausschließlich nachts auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof gedreht worden ist. Mit dem - glaube ich - ersten Auftritt der wunderbaren Hannelore Elsner, die später mal gesagt hat, dass das ihr Lieblingsfilm ist. Also ich hole quasi Filmbildung nach.

Casablanca Kino: "Noch keine Lösung für Minijobber"

Herr Roßmann, eine Maßnahme der Regierung ist das angekündigte Kurzarbeitergeld. Hilft Ihnen das weiter?

Tobias Roßmann: Das haben wir für die Mitarbeiter, die infrage kommen, beantragt. Wir haben aber, wie in der Kultur, der Gastronomie und im Freizeitbereich üblich, auch viele Studenten, die als Minijobber arbeiten. Für die gibt es das zum Beispiel nicht. Das geht in der öffentlichen Diskussion auch manchmal ein bisschen unter. Wir sind jetzt am Überlegen, ob wir da eine Lösung finden können. Warten aber erstmal noch ab, ob weitere Entscheidungen aus der Politik kommen.

Gibt es noch andere Maßnahmen in dem angekündigten Hilfspaket?

Roßmann: Die Hilfsmaßnahmen, die angekündigt wurden, sind Zuschussmöglichkeiten für Kleinstbetriebe. Da müssen wir gucken, ob wir da überhaupt drunter fallen, denn bei einigen Programmen liegt die Grenze da schon bei zehn Mitarbeitern. Dafür wären wir dann schon wieder zu groß.

Es gibt viele Solidaritätsaktionen, Verleiher stellen Filme online zu Verfügung und beteiligen die Kinos an den Einnahmen. Bringt Ihnen das etwas?

Roßmann: Das ist leider keine substanzielle Lösung, um Betriebe wie den unseren jetzt durch die Krise zu steuern.

Die Gespräche führte Bettina Peulecke, NDR Info.

Kinos in der Krise

Kinos in der Krise: Alle haben die gleichen Probleme

Jede Woche machen die deutschen Kinos in der Corona-Krise Verluste in Höhe von 17 Millionen Euro. Fast alle Filmtheater bringen die derzeitigen Schließungen in existenzielle Nöte. mehr

Kinos in der Krise: "Kosten sind kaum reduzierbar"

Dem Hauptverband Deutscher Filmtheater zufolge machen die deutschen Kinos derzeit jede Woche etwa 17 Millionen Euro Verlust. Ein Gespräch mit Christine Berg, der Vorsitzenden des Verbandes. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 27.03.2020 | 09:55 Uhr

Corona: Filmbranche rechnet mit Milliarden-Verlusten

Die Filmbranche rechnet mit Milliarden-Verlusten wegen der Corona-Krise. Kinostarts werden verschoben, Dreharbeiten unterbrochen. Wie reagieren die Filmstudios? mehr

04:58
Kulturjournal

Corona: Kinos bangen um ihre Zukunft

Kulturjournal

Die Kinobetreiber bangen um ihre Existenzen. Für eine Öffnung ist allerdings noch keine Lösung gefunden, denn mit den Hygienevorschriften lässt sich ein Kinobesuch nur schwer realisieren. Video (04:58 min)

04:23
Kulturjournal

Corona: Shutdown im Kulturbetrieb

Kulturjournal

Theater, Konzerte, Messen: Alles wird abgesagt. Die Corona-Krise droht, für viele Kulturschaffende zur größten Existenzkrise der deutschen Nachkriegsgeschichte zu werden. Video (04:23 min)